1:0 gegen Mülheim – „Riesenkompliment“ von Trainer Spornhauer für sein Team

Zwei Wochen nach dem 2:1-Erfolg über Rot-Weiß Wittlich kam am Samstag erneut ein Spitzenreiter der Rheinlandliga nach Wissen – und erneut fuhr er mit leeren Händen nach Hause. Diesmal war es die SG Mülheim-Kärlich, die durch das goldene Tor von Luca Kirschbaum eine 1:0-Niederlage und damit die dritte Schlappe gegen den VfB in den vergangenen 12 Monaten kassierte. Das Team von Trainer Dirk Spornhauer blieb trotz des kräftezehrenden Pokalspiels gegen Eintracht Trier bis zum Abpfiff auf der Höhe und sicherte sich verdient die drei Punkte, auch wenn die Gäste in der Schlussphase ein klares Plus an Spielanteilen hatten.

Dabei hatten die Mülheimer noch Glück, denn auch die Konkurrenz von der SG Vordereifel und der SG Hochwald verloren ihre Partien und verpassten so den möglichen Sprung an die Spitze. Auch das Remis zwischen Cosmos Koblenz und Ahrweiler dürfte im Interesse der SG vom Rhein gewesen sein. Der VfB hingegen glich sein Saison-Konto wieder aus und hat mit bisher sechs Siegen, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen bei 18:18 Toren eine absolut ausgeglichene Bilanz, die den Platz im Mittelfeld der Tabelle festigt.

Schiedsrichter Noah Bursky (Mitte) und seine Assistenten Ian Stephan und Jakob Frensch.

Der VfB fand auf dem Hartplatz im Dr.Grosse-Siegstadion schneller ins Spiel und hatte auch früh zwei gute Chancen. Til Cordes kam bei seinem Versuch dem 1:0 recht nahe, als er aus halblinker Position das kurze Eck anvisierte, das Lattenkreuz aber knapp verfehlte. Vor allen Dingen über die linke Seite kam der VfB immer wieder schnell nach vorne. Erst nach und nach zeigten die Besucher, wie sie zu ihren 38 Saisontoren gekommen waren, bissen sich aber wiederholt an der sicher stehenden VfB-Abwehr die Zähne aus.

Schussversuch von Lukas Becher in der Anfangsphase.

VfB-Trainer Dirk Spornhauer zum ersten Spielabschnitt: „Wir sind richtig gut ins Spiel gestartet, hatten da schon ein paar kleinere Chancen und haben selbst kaum etwas zugelassen. Die Phase vor der Halbzeit war aber dann schwierig für uns, weil wir 15 Minuten lang Probleme im Spielaufbau hatten und uns haben hinten reindrängen lassen. Insgesamt war das 0:0 zur Pause trotzdem verdient. Mülheim scheint uns einfach zu liegen.“

Felix Arndt erspähte die Lücke in der Mülheimer Abwehr und bereitete mit seinem Pass den einzigen Treffer des Spiels vor.

Auch nach Wiederanpfiff sahen die 140 Zuschauer zunächst ein leichtes Plus an Wissener Gelegenheiten. Belohnt wurden die Bemühungen dann nach 57 Minuten, als Felix Arndt Luca Kirschbaum perfekt bediente, der mit einem geschickten Heber den herauslaufenden SG-Torwart Michael Wall zum 1:0 überwand. Fast wäre Lucas eingewechseltem Bruder Justin mit seiner ersten Aktion sogar der Doppelschlag gelungen, doch seine Direktabnahme nach einer Flanke von Felix Arndt landete aus kurzer Distanz knapp über dem Tor (72.).

Jubel über das entscheidende Tor zum 1:0.

Es war klar, dass der Tabellenführer spätestens jetzt noch aktiver werden musste, um die unverhoffte Niederlage abzuwenden. Daher sah man nun Mülheimer Powerplay, bei dem außer etlichen Ecken aber nur zwei gute Chancen heraussprangen. Beide Male konnte VfB-Torwart Lukas Litschel mit starken Paraden den Ausgleich verhindern. Der Kommentar des Trainers zu den beiden Szenen: „Den ersten muss Lukas halten, den zweiten holt er überragend raus.“

Hier kommt Luca Kirschbaum nicht an den Ball, doch später gelang ihm mit dem 1:0 sein sechstes Saisontor.

In dieser Phase überzeugte die VfB-Elf gegen einen spielstarken Gegner durch hohe Laufbereitschaft und vorbildlichen Kampfgeist. Damit gelang es, weitere Gelegenheiten zu verhindern. Auch bei den vielen hohen Hereingaben in den Wissener Strafraum in den Schlussminuten brannte angesichts der Wissener Lufthoheit vor dem eigenen Kasten nichts mehr an. Der Jubel am Ende der gut  fünfminütigen Nachspielzeit war entsprechend.

Til Cordes im Duell mit den SG-Spielern Lauro Männchen und Steven Moosakhani.

So hatte Dirk Spornhauer die zweiten 45 Minuten gesehen: „In der zweiten Halbzeit hatten wir die besseren Chancen. Mülheim hat auf dem Hartplatz seine Spielstärke nicht zeigen können und war nicht so kombinationssicher wie gewohnt. Gefährlich waren aber die Standardsituationen. Beim Tor haben wir einen guten Spielzug gezeigt, den Ball direkt durchgesteckt und Luca hat ihn clever reingemacht. Schon zur Halbzeit war abzusehen, dass das erste Tor heute entscheidend sein könnte – und so war es ja dann auch.“

Paul Christian (Nr. 20) und Tom Pirsljin (Nr. 4) hatten in der VfB-Defensive alles im Griff.

Der Coach hatte keinen Grund, mit Lob zu sparen: „Ich muss der Mannschaft wieder ein Riesenkompliment machen. Wenn man das schwere Pokalspiel auf tiefem Platz gegen Trier am Mittwoch berücksichtigt, haben wir heute schon eine sehr sehr gute Leistung gezeigt. Dass wir schon wieder gegen einen Tabellenführer gewonnen haben, kann man gar nicht hoch genug einordnen. Das Spiel zeigt die hohe Moral und den Kampfgeist der Jungs. Wir haben läuferisch alles rausgehauen. Jetzt haben wir 20 Punkte und können zufrieden sein.“

Mirkan Kasikci am Ball.

Schiedsrichter Noah Bursky, der im Rahmen des Austauschprogramms des FVR mit dem Hessischen Fußballverband nach Wissen kam, agierte souverän und hatte die Partie sicher im Griff. Seine zehn Verwarnungen (zumindest hier hatten die Gäste mit 6:4 die Nase vorn) kamen zur rechten Zeit, um die in einem engagiert geführten Spiel vor allem nach der Pause aufkommende Hektik zu beruhigen. Die Aufgaben für die VfB-Mannschaft werden nicht leichter, denn auch am kommenden Wochenende wartet mit der SG Hochwald ein Aufstiegsaspirant. Fünf Spiele stehen, geeignete Witterung vorausgesetzt, bis zur Winterpause noch an.

Die VfB-Aufstellung gegen Mülheim-Kärlich: Lukas Litschel, Paul Christian, Tom Pirsljin, Max Krauß, Mirkan Kasikci (Marius Wagner), Philipp Weber, Steven Winzenburg, Felix Arndt, Lucas Becher, Til Cordes, Luca Kirschbaum. Schiedsrichtergespann: Noah Bursky, Ian Stephan und Jakob Frensch.

© Fotos: PS. Bilder in der Galerie zum Vergrößern und für höhere Auflösung bitte anklicken.