Besonderes Jubiläum für Sascha Kill: 25 Jahre in Blau-Weiß

Wenn ein Spieler im Profibereich, was ungewöhnlich genug ist, mehr als drei Jahre bei einem Club bleibt, gilt er schon als “Vereinslegende”. Meist ist aber schon früher Schluss, um “den nächsten Schritt” zu machen, natürlich nicht ohne die Versicherung, den bisherigen Verein “für immer im Herzen zu tragen”. Über solche Sprüche kann Sascha Kill nur lachen, denn er feierte am 1.Juli das 25. Jubiläum seiner Zugehörigkeit zum VfB Wissen. 2001 kam der 52-jährige Keeper ins Dr.Grosse-Siegstadion, absolvierte genau 231 Pflichtspiele im Tor der 1.Mannschaft und noch weit mehr auf der Bank als Torwarttrainer. Sascha hat also beim VfB einiges erlebt und manches zu erzählen.

Wie ging es mit Dir fußballerisch los ?

Ich habe bei der JSG Rosenheim / Gebhardshain angefangen und ganz normal alle Jugendmannschaften durchlaufen, hatte relativ früh Erfolg und habe den Sprung in die Rheinland-Auswahl geschafft. So ist Betzdorf auf mich aufmerksam geworden und ich bin in der A-Jugend dorthin gewechselt.

Das war aber ein kurzes Vergnügen …

Ich habe mir schon in der Saisonvorbereitung eine schwere Schulterverletzung zugezogen, die auch nicht mehr richtig ausgeheilt ist. Danach habe ich sieben oder acht Jahre gar nicht mehr gespielt, auch weil mir die Ärzte dringend geraten hatten, mit dem Fußball aufzuhören. Für mich war dann eigentlich Schluss.

Warum ging es nach der langen Pause trotzdem nochmal weiter ?

Mein Heimatverein SG Gebhardshain hat immer wieder gefragt, ob ich nicht doch mal zum Training kommen will. Als Torsten Neitzert dann dort Trainer war, bin ich tatsächlich hingegangen, obwohl ich meilenweit davon entfernt war, fit zu sein. Nach einer Viertelstunde wollte ich das Training abbrechen, doch dann sagte der Trainer, er wolle mich im nächsten Spiel einsetzen. 14 Tage später habe ich dann tatsächlich gespielt und war für zwei Jahre der Stammkeeper.Der Kader der 1.VfB-Mannschaft für die Landesliga-Saison 2001-2002 mit Neuzugang Sascha Kill (vorne, 3. von links) und Trainer Wolfgang Leidig (ganz rechts).

Und dann kam der VfB Wissen …

Wir hatten im Sommer 2000 auf dem Hartplatz in Steinebach ein Rheinland-Pokalspiel gegen Wissen 1:0 gewonnen, und beim Hachenburger Pils-Cup ein halbes Jahr später hat mich dann VfB-Trainer Wolfgang Leidig angesprochen. Ich musste nicht lange überlegen, denn für mich war es eine Möglichkeit, doch noch mal höherklassig zu spielen statt ganz aufzuhören.

Wie wurden dann 25 Jahre und über 230 Pflichtspiele daraus ?

Wir hatten ja schnell Erfolg und wären zweimal fast aus der Landesliga in die Rheinlandliga aufgestiegen. Unmittelbar vor dem Aufstiegs-Entscheidungsspiel gegen Morbach 2003 habe ich mich leider verletzt. Es gab zwar 2004 mal ein Angebot aus Wirges, aber ich fühlte mich in Wissen glücklich und war ja inzwischen auch schon 30 Jahre alt. 2007 habe ich dann aufgehört und bin Torwarttrainer geworden.Den Ball im Blick: Sascha im Duell mit Jörg Schüler beim Landesliga-Derby in Neitersen im November 2002.

Es ging aber ziemlich schnell wieder zurück auf den Platz.

Allerdings. Die Mannschaft stieg 2008 in die A-Klasse ab und wir traten mit einer extrem jungen Truppe an. Deshalb wurde ich gefragt, ob ich nicht wieder spielen und dem Team als erfahrener Mann Rückhalt geben will. Daraus sind dann noch mal zwei volle Spielzeiten geworden.

In der Zeit hast Du Dich ja auch schon um Thomas Kraft gekümmert.

Ich war früher mit Thomas‘ Schwester Katja zusammen. Am Anfang haben wir eigentlich nur auf der Wiese gebolzt, dann aber auch schon mit Torwarttraining begonnen. Man konnte früh sehen, welches Potenzial in ihm steckt. Eine solche Qualität habe ich im Jugendbereich seitdem nicht mehr gesehen. Der Kontakt ist auch während seiner Profizeit bei Bayern und Hertha nie abgebrochen und wir haben ja auch fast jeden Sommer im Wissener Stadion gemeinsam trainiert. Ich habe natürlich umgekehrt auch für meine Trainertätigkeit viel von den Erfahrungen profitiert, die ich in der Arbeit mit Thomas machen konnte.Sascha Kill und Thomas Kraft, der damals beim FC Bayern unter Vertrag stand und später zu Hertha BSC wechselte. Das Foto entstand im Juni 2010.

Während der folgenden Jahre als Torwarttrainer war die Zusammenarbeit mit Philipp Klappert sicher herausragend.

Die ersten vier Wochen waren schwierig und wir mussten uns aneinander gewöhnen, aber dann haben wir ein ganz besonderes Verhältnis entwickelt, das bis heute Bestand hat. Deshalb finde ich es sehr gut, dass Klappo danach in die sportliche Leitung gewechselt ist. Er zeigt da den gleichen Einsatz, der ihn auch auf dem Platz ausgezeichnet hat.

Am Ende der vergangenen Saison bist Du ja dann gemeinsam mit Lukas Litschel und Steven Winzenburg unverhofft in die Rolle geraten, für die Mannschaft verantwortlich zu sein. Wie fällt der Rückblick aus ?

Dass es Unruhe gab, hatten alle mitbekommen. Die anderthalb Jahre Mißerfolg haben mich genauso mitgenommen wie alle, die mit Herzblut dabei sind. Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie man den Spielern helfen könnte, aus dem tiefen Frust wieder herauszukommen. Ich hatte aber mit der dann kommenden Entwicklung überhaupt nicht gerechnet. Als der Anruf von Thomas Nauroth kam, musste ich aber keine Sekunde überlegen.Sascha Kill und sein Freund und sportlicher Wegbegleiter Wolfgang Leidig bringen es bisher zusammen auf 61 VfB-Jahre.

Letztlich hat es ja auch funktioniert.

Wir haben sofort viele Gespräche mit den Spielern geführt, das war ganz wichtig auch im Hinblick auf die neue Saison. Die Trainingsarbeit lief fast von selbst. Es hat sich schon zum Schluss eine gewisse Aufbruchstimmung entwickelt. Es hat Spass gemacht, diese mentale Veränderung zu sehen.

Wäre denn ein Trainerjob was für Dich ?

Nein, definitiv nicht. Ich glaube einfach nicht, dass mir das gefallen würde – und ich konnte mir das über die Jahre lange genug ansehen. Der Umgang mit Kritik und das persönliche Engagement haben sich bei den Fußballern aber auch allgemein verändert. Für mich passt die Arbeit mit den Torhütern perfekt, dabei soll es bleiben.

Im Rückblick auf die Mitspieler in Deiner lange Karriere: Wie lautet die Traumbesetzung der Viererkette vor Dir ?

In der Innenverteidigung Michael Ferfort und Heiko Bedranowsky, rechts Michael Herzog. Mit Julian Wienold habe ich zwar nie zusammengespielt, aber den hätte ich gerne links (lacht).Saschas Viererkette: Michael Ferfort, Heiko Bedranowsky, Michael Herzog und Julian Wienold.

Wie siehst Du in die nun beginnende Saison ?

Ich wünsche mir, dass wir den Fokus bewahren, unseren Fußball spielen und für die kommenden Jahre etwas aufbauen. Da muss endlich wieder langfristige Kontinuität in der Entwicklung entstehen. Man sollte uns auch auf dem Platz ansehen, dass wir Spass haben. Ziel ist natürlich der Wiederaufstieg. Dabei dürfen wir nicht arrogant auftreten und erwarten, dass die Spiele leicht werden.

Abschließende Frage: Torhütern und Linksaußen wird ja ein ganz spezieller Charakter unterstellt. Vorurteil oder richtige Einschätzung ?

Das stimmt, zumindest was die Torhüter angeht, zu 100 Prozent. Ich glaube, wer sich hinten reinstellt, sich die Bälle um die Ohren jagen lässt und in 1:1-Duelle geht, muss schon ein bisschen verrückt sein.

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und vielen Dank für das Gespräch !

Sascha Kill und sein Torwartkollege Marc Schuster im Sommer 2004.