Tolle Moral bringt dem VfB II den Pokalsieg in Niederfischbach

Am Abend, als die flackernde Ampel in Berlin endgültig ausging, feierte die 2.Mannschaft des VfB Wissen unter Flutlicht den Einzug in das Halbfinale des Kreispokals Westerwald/Sieg. Oder, passend zum Wahlausgang in den USA: Make Zweite Great Again. Beim A-Klassen-Rivalen und Tabellennachbarn SV Adler Niederfischbach gab es einen 5:4-Sieg nach Elfmeterschießen, nachdem es nach 120 intensiven und kräftezehrenden Minuten 1:1 unentschieden gestanden hatte.

Zum Held des Abends wurde VfB-Torwart Dennis Schumacher, der nicht nur einen Elfmeter abwehren konnte, sondern sein Team mit einer ganzen Serie starker Paraden zuvor im Spiel gehalten hatte. Leider wurde der Sieg teuer erkauft, denn sowohl Spielertrainer Emre Bayram als auch Hüseyin Samurkas mussten schon früh verletzt ausscheiden. Auch Maik Schnell wirkte am Ende wegen schwerer muskulärer Beschwerden (der VfB hatte bereits fünf Mal gewechselt) nur noch als Statist mit.Mario Weitershagen.

Einmal mehr bewies die Mannschaft tolle Moral und zeigte gerade in kritischen Phasen den Zusammenhalt, der in engen Spielen oft den Ausschlag gibt. Welche Auswirkungen der Kraftakt vom Mittwochabend auf die bis zur Winterpause noch ausstehenden Spiele in Niederdreisbach (am kommenden Sonntag) und eine Woche später gegen den Lokalrivalen Schönstein hat, muss sich zeigen. Der große Kader könnte gerade jetzt seine Vorteile zeigen.Pascal Freudenberg im Zweikampf mit Niederfischbachs Julian Steffenhagen.

Zum Spiel: Schon mit der ersten Szene nach nicht einmal 30 Sekunden hätte der VfB in Führung gehen können, denn nach einem weiten Ball unmittelbar nach dem Anstoß war Hüseyin Samurkas der noch unsortierten SV-Abwehr enteilt und stand alleine vor dem Keeper, setzte seinen Schuß aber zu hoch an. Auch Max Ebach hatte bereits in der Anfangsphase die erste seiner drei hochkarätigen Chancen vor der Pause, scheiterte jedoch ebenfalls.Ein böses Foul beendete Hüseyin Samurkas’ Fußballabend.

Leider war kurz darauf das Spiel für Hüseyin Samurkas bereits beendet. Nach 19 Minuten stürmte er am rechten Flügel dem Strafraum entgegen und wurde mit einem rüden Tritt gegen das Knie gestoppt. Schiedsrichter Nils Schneider, der diesmal einen eher schwachen Tag erwischt hatte und zu nachlässig pfiff (ohne dabei einseitig zu sein), bestrafte diese Aktion nicht einmal mit einer Verwarnung.Das ungeahndete Foul an Max Ebach (links).

Als Pascal Freudenberg kurz darauf zur Mitte passte, wurde der einschußbereite Max Ebach mit einem klassischen Ringergriff umgerissen (das Foto oben zeigt diese Szene). Auch hier drückte der Referee beide Augen zu. Von den eigentlich spielstarken Hausherren war in der ersten Halbzeit kaum etwas zu sehen. Der VfB musste sich nach überlegen geführten 45 Minuten vorwerfen lassen, nicht mit einer klaren Führung in die Pause gegangen zu sein. Zum Seitenwechsel musste dann auch Spielertrainer Emre Bayram verletzungsbedingt passen.Für Emre Bayram war nach 45 Minuten Schluß.

Das Geschehen sollte sich nach Wiederanpfiff aber gründlich ändern, denn jetzt zeigte Niederfischbach seine Qualitäten und hatte mehr vom Spiel. Zwar boten sich dem VfB weiter gute Konterchancen, doch nun stand vor allem Dennis Schumacher im Wissener Tor wiederholt im Mittelpunkt. Mehrfach konnte er den Rückstand vermeiden, doch beim 1:0 durch Tobias Hirth nach einem Gestochere im Strafraum im Anschluß an eine zu kurz abgewehrte Freistoßflanke war auch er machtlos.Dennis Ferfort bot nach seiner Einwechslung eine ganz starke Leistung.

In den zehn Minuten danach versäumten es die Gastgeber, den Sack zuzumachen. Dennis Schumacher rettete gleich drei Mal glänzend. Erst danach drehte sich die Partie wieder. Nach der Letzten einer Serie von drei Ecken fiel so auch der verdiente Ausgleich: Philipp Freudenberg flankte, der aufgerückte Simon Ebach köpfte den Ball zum umjubelten 1:1 (79.) in den linken Torwinkel. Zwei Minuten später hatte „Freudi“ nach einer Flanke von Mario Weitershagen dann sogar das 1:2 auf dem Fuß.Das 1:1 durch Simon Ebach (Nr.6) …… und kurz darauf sogar die Chance zur Führung durch Philipp Freudenberg.

Die unschönste Szene des Spiels ereignete sich dann nach 84 Minuten, und Dennis Ferfort hatte großes Glück, nicht wie Teamkollege „Hüs“ vom Platz humpeln zu müssen. Nachdem der SV bei einer Aktion von Simon Ebach einen Strafstoß verlangte, trieb Ferfort den Ball Richtung Mittellinie. Der gefoulte Spieler lief ihm über 15 Meter nach und trat ihm aus Frust mit voller Wucht und ohne jede Chance auf den Ball von hinten in die Beine. Für solche Szenen wurde die Rote Karte eigentlich erfunden. Erneut zeigte sich Schiedsrichter Schneider aber viel zu großzügig und zeigte nur gelb.

Freistoßchance für Philipp Freudenberg.

Die Verlängerung wurde für beide Mannschaften zum Kraftakt. Die Torszenen wurden weniger, die Aussicht aufs Elfmeterschiessen konkreter. Maik Schnell zeigte tollen Einsatz und blieb trotz Verletzung auf dem Feld, um seine Elf nicht in Unterzahl zu bringen. Die letzte Chance des Spiels hatte wieder Philipp Freudenberg mit einem Freistoß aus 20 Metern, doch SV-Keeper Robin Koch fischte den mit viel Effet getretenen Ball aus dem linken Eck. Kurz darauf war Schluß.

Schumi gibt Gummi.

Gleich den ersten Elfmeter der Niederfischbacher konnte Dennis Schumacher glänzend parieren. Die folgenden sieben  Elfmeter beider Teams wurden verwandelt. Für den VfB trafen Philipp Freudenberg, Mario Weitershagen, Max Ebach und Melvin Seifer bombensicher ins Netz. Der letzte SV-Schütze setzte seinen Strafstoß dann an den linken Außenpfosten, die Partie war entschieden und die Party konnte beginnen. Das dritte Duell beider Mannschaften in der laufenden Saison folgt dann an gleicher Stelle im Frühjahr 2025.

Die VfB-Aufstellung in Niederfischbach: Dennis Schumacher, Mario Weitershagen, Simon Ebach, Tom Louis Siegel (90. Melvin Seifer), Marlon Schumacher (66. Adrian Ueckerseifer), Emre Bayram (46. Sebastian Girresser), Kerem Sari, Pascal Freudenberg (74. Dennis Ferfort), Hüseyin Samurkas (20. Philipp Freudenberg), Max Ebach, Maik Schnell.