Auch vor genau 50 Jahren spielte der VfB Wissen (wie durchgehend von 1968 bis zum Oberliga-Aufstieg 1988) mit seiner ersten Mannschaft in der Rheinlandliga. Zu Saisonbeginn hatte damals der ehemalige Siegener Spieler Hans-Dieter Neeb das Traineramt vom Mönchengladbacher Ex-Profi Heinz Lowin übernommen. Der Kader, aus dem mit Verteidiger John Agu lediglich ein Abgang zu verzeichnen war, war damals eine gute Mischung aus erfahrenen Routiniers und talentiertem Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Mit Wolfgang Kohl und Hubert Hoffmann waren zwei junge Eigengewächse längst Stammkräfte, Karl-Heinz Ottersbach und Axel Quast begannen, sich zu etablieren.
Damals waren nur zwei Spielerwechsel erlaubt, und auch dieses Kontingent wurde oft nur aus Verletzungsgründen ausgeschöpft. Das erklärt, warum an den 30 Spieltagen lediglich 17 verschiedene Spieler zum Einsatz kamen. Dies waren: Brenner, Deis, Stein (3), Stendenbach, Sojka (23), Kuhn (2), Thiel (2), Lutz (2), Hoffmann (1), Kohl (1), Borr (4), Greb, Ehlgen (7), Winterkorn, Ottersbach (1), Bartels und Quast. Die Ziffern in Klammern geben die Zahl der Saisontore an.
Auffälligster Spieler im blau-weißen Kader war Mittelstürmer Emil Sojka (Foto ganz oben), der verlässlich die entscheidenden Tore lieferte, in seinen zehn Jahren beim VfB über 190 mal traf und auch in der Spielzeit 75/76 nicht weniger als 23 der 45 Saisontore seiner Mannschaft erzielte. Beim Blick auf die Namen in der Kaderliste werden zumindest die älteren VfB-Fans ermessen können, welche sportliche Qualität sich damals im Dr.Grosse-Siegstadion versammelte.
Diese Qualität war auch nötig, denn die Rheinlandliga war wie die anderen Verbandsligen die dritthöchste Spielklasse im DFB und der Meister nahm an einer Aufstiegsrunde zur damals zweigleisigen Zweiten Bundesliga teil. Erst ab 1978 wurden dann die Amateur-Oberligen eingeführt, die verbands-übergreifend die höchste Liga im Amateurbereich bildeten, de facto aber auch die Heimat etlicher aus der 2.Liga abgestiegener Proficlubs waren.
Die Rheinlandliga-Saison vor 50 Jahren endete für den VfB mit einer fast ausgeglichenen Punktbilanz im Mittelfeld. Spektakulär verlief das Titelrennen, denn TuS Neuendorf holte die lange führende Elf von Eintracht Trier nach deren 1:2-Niederlage in Wissen kurz vor dem letzten Spieltag noch ein. Beide Vereine gingen schließlich punktgleich durchs Ziel und ermittelten den Meister in einem Entscheidungsspiel vor großer Kulisse, über dessen Ausgang der nachstehende Presseartikel berichtet.