Der VfB hat in der Rheinlandliga jahrelang von seiner Heimstärke auf dem Hartplatz im Dr.Grosse-Siegstadion profitiert. Deshalb begibt man sich mit der Kritik an den Platzverhältnissen bei Auswärtsspielen auf ausgesprochen dünnes Eis. Trotzdem müssen die schwierigen äußeren Umstände des Gastspiels bei der SG Westerburg / Gemünden erwähnt werden, denn sie nahmen maßgeblich Einfluss auf den Verlauf der 90 Minuten.
Auf der Wiese in Gemünden hatten unmittelbar vor dem Bezirksliga-Anstoß bereits zwei weitere Partien stattgefunden. Das Ergebnis war ein Spielfeld, dass an vielen Stellen Flachpässe zur Lotterie werden ließ und bei dem der Kampf und auch der Zufall einen wesentlich größeren Anteil am Geschehen hatte, als es beim Duell des Tabellenvierten gegen den Spitzenreiter üblich wäre. Die VfB-Elf nahm die Aufgabe an und bewältigte sie letztlich trotz des knappen 2:1-Endstandes überzeugend.
Der Platz: Für beide Gegner gleich mies.
Zu Beginn taten sich beide Mannschaften schwer. Es brauchte gut 20 zerfahrene Minuten ohne jegliche Torszenen, ehe der VfB Fahrt aufnahm. Lukas Becher hatte die beiden ersten guten Chancen, ehe ein Geniestreich von Jakov Jancek die Wissener Führung brachte. Er hatte gesehen, dass Westerburgs Keeper Jonathan Kloft zu weit vor seinem Kasten stand und traf mit einem Schuss von der Mittellinie über den zurückeilenden Torwart hinweg zum 0:1 (28.) ins verwaiste Netz.
Zwei gute Chancen für Lukas Becher.
Nun lief der gewohnte VfB-Angriffsfußball, soweit der Platz das zuließ. Bis zur Pause hätten Jannik Krämer per Kopf, erneut der von Til Cordes bediente Lukas Becher im 1:1-Duell mit dem Torwart sowie Jakov Jancek für eine klarere Führung sorgen können. Leandro Fünfsinn, der leicht angeschlagen ins Spiel gegangen war und zur Pause vorsorglich in der Kabine blieb, hatte Pech mit einem Lattenschuss von der Strafraumgrenze.
Jacov Jancek erzielte mit einem Traumtor das 0:1.
Westerburg hatte es bis dahin meist mit langen Bällen nach vorne und hohen Flanken in den Strafraum versucht, ohne aber für allzu viel Gefahr zu sorgen. Deshalb fiel der Ausgleich kurz nach der Pause doch etwas überraschend. Nach einer Ecke traf der eingewechselte Devin Mohr per Kopf zum durchaus schmeichelhaften 1:1-Zwischenstand (51.), an dem sich die SG aber nicht einmal zwei Minuten lang freuen konnte.
Für Leandro Fünfsinn (links) war zur Pause Schluss.
Dieser Schuß landete an der Latte des Westerburger Tores.
Til Cordes brachte sein Team fast postwendend wieder in Führung. Jannik Krämer spitzelte den Ball im dicht besetzten Westerburger Strafraum zu Cordes, der nicht lange fackelte und das Leder zum 1:2 (53.) halbhoch ins rechte Eck setzte. Was folgte, war Kampf pur, einige weitere Wissener Top-Chancen nach Kontern und eine ganze Serie hoher Bälle aus allen Lagen in den Wissener Strafraum. Eine echte Gelegenheit zum erneuten Ausgleich sprang für die Westerwälder dabei aber nicht heraus.
Til Cordes (Nr,7) traf zum entscheidenden 2:1.
So blieb der größte Aufreger des zweiten Abschnitts das brutale Foul von Leon Blech an Julian Wienold. Warum die Grätsche ohne Ballbeteiligung und auf 20 cm Flughöhe vom ansonsten gewohnt sicheren Schiedsrichter Thomas Höfer nur mit einer Verwarnung bestraft wurde, ist schleierhaft. Mehr Rot geht nicht. Während Julian Wienold mit einer noch nicht spezifizierten Verletzung den Platz verlassen musste, profitierte der für ihn eingewechselte Mustafa Tuysuz indirekt von der vorangegangenen Fehlentscheidung und der Verschiebung der Maßstäbe, als auch sein Foul kurz darauf nur eine gelbe Karte einbrachte. Beiden Verletzten gute Besserung !
Julian Wienold schied nach einem bösen Foul verletzt aus.
Felix Arndt am Ball.
Fazit: Auch solche Schlammschlachten gehören zu einer erfolgreichen Saison – und das VfB-Team hat wie schon beim Pokalerfolg in Weitefeld bewiesen, dass es auch mit derartigen Bedingungen umzugehen versteht. Da auch Verfolger Montabaur gewann, bleibt es beim Drei-Punkte-Vorsprung an der Spitze. Durch die Punktverluste einiger anderer Mannschaften ist der Abstand zum Tabellendritten Berod, der am kommenden Samstag ins Stadion kommt, nun auf acht Zähler angewachsen.
Hüseyin Samurkas am Ball.
Trainer Dirk Hannappel zum Spiel: „Ich hoffe, dass hier auf dem Platz jetzt im nächsten halben Jahr kein Fußball gespielt wird. Beide Mannschaften haben 90 Minuten lang Mühe gehabt, mit diesen miserablen Platzverhältnissen klarzukommen. Für uns war das natürlich besonders schwer, denn wir wollen unser Spiel eigentlich immer mit Flachpassfußball aufbauen, und das musste ich den Jungs heute fast verbieten.“
Hier bleibt Westerburgs Keeper Kloft zweimal Sieger: Oben gegen Leandro Fünfsinn, unten gegen Tim Leidig.
„Meine Mannschaft hat die Umstände aber gut angenommen und erkannt, was auf dem Platz überhaupt machbar war. Sie hat deshalb am Ende hochverdient gewonnen. Nach dem 1:1 hatte der Gegner keinen Torschuss mehr. Ich habe den Jungs gesagt, dass ich nach diesem Spiel wirklich kein Haar in der Suppe finde. Herausheben möchte ich heute Felix Arndt für seine taktische Disziplin und das mannschaftsdienliche Spiel.“
Lukas Becher.
Die VfB-Aufstellung beim Spiel in Gemünden: Lukas Litschel, Tim Leidig, Jerome Neuhoff, Hüseyin Samurkas, Julian Wienold (71. Mustafa Tuysuz), Jannik Krämer, Jakov Jancek, Felix Arndt (90. Paul Christian), Lukas Becher, Leandro Fünfsinn (46. Steven Winzenburg), Til Cordes (90. Luca Lutz). Schiedsrichter: Thomas Höfer vom SV Urmitz.
TiCo KungFu.
Weiter so ! Am Samstag wartet die nächste Aufgabe.