Es gibt im Fußball drei grundlegende Weisheiten: Der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten und : In Schönstein kann man sich nur blamieren. Zwei davon hatten auch am Sonntag bestand, der dritten konnte sich der VfB Wissen im Erstrundenspiel des Rheinlandpokals entziehen. Gut 250 Zuschauer waren Zeuge bei der Großmutter aller Derbys.
Das Pokalderby hatte eine gute Kulisse.
Mit einem letztlich ungefährdeten, wenn auch glanzlosen 3:1-Erfolg setzte sich die Mannschaft von Dirk Spornhauer beim zwei Klassen tiefer spielenden Lokalrivalen durch. Dabei halfen die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber durch einen frühzeitigen Platzverweis und zwei krasse Torwartfehler kräftig mit.

Das Schiedsrichtergespann mit Referee Lukas Heep (Mitte), Schiedsrichter des Jahres 2023 im FV Rheinland, und seinen jungen Assistenten Valentin Voigt und Jonas Braun.
Spielerische Highlights sind in Schönstein angesichts der Größe und Beschaffenheit des Platzes ohnehin praktisch ausgeschlossen, aber immerhin schaffte es das VfB-Team, durch eine deutliche Steigerung nach der Pause den Pflichtsieg einzufahren. Allerdings spielte der zunehmende Kräfteverschleiß der Sportfreunde beim maximal einseitigen Verlauf der 2.Halbzeit keine unerhebliche Rolle.
Neuzugang Jonas Fuhrmann aus Niederhausen, der zuletzt in der A-Jugend Bundesliga für den FC Hennef am Ball war.
Der Reihe nach: Die Gasthgeber verdanken seit Jahren die Zugehörigkeit zur Kreisliga A ihrer enormen Heimstärke und einer konsequenten Defensivtaktik. In der vergangenen Saison holte die Mannschaft von Marcus Meyer 24 ihrer 30 Punkte auf eigenem Platz und erzielte mit effektivem Konterfußball und der Abschlußqualität des inzwischen fast 40-jährigen Spielertrainers immerhin 60 Tore.
Til Cordes gegen Jakub Kordovsky (oben) und gegen Maik Schmidt (unten).
Darauf setzten die Sportfreunde auch am Sonntag und standen extrem tief, machten die Räume eng (was in Schönstein wirklich kein Problem ist) und schlugen bei eigenem Ballbesitz sofort lange Bälle in die Spitze. Der VfB hingegen tat sich zu Beginn schwer, mit den besonderen Verhältnissen umzugehen und entwickelte trotz klarer Überlegenheit kaum Torgefahr.
Ursache und Wirkung: Oben kullert der Ball nach Felix Arndts Tor über die Linie, unten holt sich der Schütze die Gratulationen der Teamkameraden ab.
So war auch das 0:1 nach 19 Minuten nicht das Ergebnis einer herausgespielten Chance, sondern entstand aus einem Lapsus von SF-Torwart Niklas Winter. Er hatte Probleme mit der Verarbeitung eines schlampig, weil hoch und ungenau gespielten Rückpasses und ließ sich vom nachsetzenden Felix Arndt den Ball abjagen, der das Leder aus der Drehung nur noch ins leere Netz zu schieben brauchte (Foto oben).
Dieser Schuß von Steven Winzenburg klatschte an den Innenpfosten.
Nur vier Minuten später verpasste Mannschaftskapitän Steven Winzenburg mit einem Schuss aus 14 Metern an den linken Innenpfosten das 0:2. Auch Kerem Sari stand nach einem Doppelpass alleine vor dem Torwart, setzte seinen Linksschuss aber zu hoch an. Ansonsten gab es viel Wissener Dominanz, aber auch viele Stockfehler und Pässe ins in Schönstein immer recht nahe Seitenaus.
Top-Chance für Kerem Sari in der Anfangsphase (unten).
Nach knapp einer halben Stunde schwächte sich das zweikampfstarke Schönsteiner Team dann selbst. Silas Landwehr trat nach einem fair gewonnenen Mittelfeld-Zweikampf gegen Tim Leidig unmittelbar vor den Augen des Schiedsrichters heftig nach. Referee Lucas Heep hatte gar keine andere Wahl, als ihn mit der Roten Karte vorzeitig zum Duschen zu schicken. Der Lokalkampf verlief abgesehen von dieser Entgleisung aber sportlich und fair.
Steven Winzenburg gegen Philipp Petzold (oben) und Fynn Schlatter.
Der Sünder durfte sich anschließend einige nicht zitierfähige Kommentare seiner Teamkameraden anhören. Die Aussicht auf über eine Stunde in Unterzahl änderte am Spielverlauf zunächst aber nichts. Bei einigen langen und ebenso hohen Bällen sah die in VfB-Defensive, in der Max Krauß, Paul Christan, Tom Pirsljin und zunächst auch Tom Zehler und Marius Wagner fehlten, nicht sehr überzeugend aus.
Daniel Reichert am Ball.
So auch nach einem Abschlag von Niklas Winter in der 45.Minute: Gleich zwei Kopfballduelle wurden verloren, der aufspringende Ball kam zum völlig freistehenden Philipp Pöttgen, der mit seinem Volleyschuss aus zehn Metern Marvin Scherreiks im Wissener Tor keine Chance ließ. Der erste und eigentlich auch letzte Torschuss der Hausherren brachte den 1:1-Pausenstand, den sie sich durch ihren Einsatz und die konsequente Abwehrarbeit auch verdient hatten.
Oben kommt Kerem Sari zu spät, doch kurz darauf konnte er sich die Gratulationen für sein Tor zum 1:2 abholen.
Dass das Derby aus VfB-Sicht trotzdem keine Zitterpartie wurde, war der klaren Steigerung im zweiten Spielabschnitt und auch der Tatsache geschuldet, dass nach Wiederanpfiff schnell die erneute Führung gelang. Kerem Sari bewies wieder einmal seine Schußstärke und traf nach 53 Minuten mit einem strammen Schuss von der Strafraumgrenze unhaltbar zum 1:2 ins rechte Eck.
Verzweiflung bei Niklas Winter nach dem 1:3, gebremster Jubel bei Schütze Tim Leidig, Til Cordes und Marius Wagner.
Das Attribut „Unhaltbar“ konnte man dem 1:3 von Tim Leidig nicht unbedingt zuschreiben. Der nicht allzu scharf geschossene Ball aus halblinker Position rutschte dem Sportfreunde-Keeper unter dem Körper durch und landete zur Überraschung wohl auch des Schützen neben dem Pfosten im langen Eck. Damit war die Partie natürlich entschieden, und mit mehr Qualität im Abschluss hätte das Ergebnis in der verbleibenden halben Stunde auch deutlich höher ausfallen können.
Chancenwucher in der Schlußphase: Auch dieser Schlenzer von Tim Leidig strich am langen Pfosten vorbei.
Der VfB-Angriff beherzigte bis zum Abpfiff das Motto „Die Hundertprozentigen bleiben ungenutzt, die Murmeltore gehen rein”. Zwei weitere Pfostentreffer gesellten sich so zu einer ganzen Reihe vergebener Top-Chancen. Die Sportfreunde waren nun am Ende ihrer Kräfte, und Niklas Winter hatte reichlich Gelegenheit, mit einigen starken Paraden seine beiden Fehler wieder gut zu machen und einen sehr viel höheren Rückstand zu vermeiden.
Tom Zehler (oben) und Micha Fuchs (unten) wurden in der 2.Halbzeit eingewechselt.
Fazit: Pflicht erfüllt, mehr nicht. Als Maßstab für den Saisonauftakt am Freitagabend gegen Rheinlandliga-Favorit Ahrweiler sollte ohnehin eher der jüngste Testspielsieg beim Westfalen-Ligisten TuS Erndtebrück dienen als das Pokalderby. Den Nachbarn aus dem Schlossdorf ist zu wünschen und zuzutrauen, auch in der bevorstehenden Saison auf ihrem Spielfeld ausreichend Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.
Philipp Weber am Ball.
Das treffende Schlusswort gebührt VfB-Trainer Dirk Spornhauer: „Keine Verletzten, eine Runde weiter – über alles andere reden wir nicht.“ Noch ein Nachtrag: Last-Minute-Neuzugang Jakov Jancek wartet nach seiner Rückkehr aus Kroatien noch auf seine Spielberechtigung für den VfB. Hier findet zur Abwicklung des Wechsels gerade das vorgegebene Procedere über den FV Rheinland, den DFB und den kroatischen Verband statt.
Felix Arndt (Nr.11) fügte seinen Treffern aus der Vorbereitung im ersten Pflichtspiel der Saison ein weiteres hinzu.
Die VfB-Aufstellung in Schönstein: Marvin Scherreiks, Steven Winzenburg, Jonas Fuhrmann, Maxim Gorohov, Mustafa Tuysuz (59. Marius Wagner), Philipp Weber (71. Tom Zehler), Daniel Reichert (54. Micha Fuchs), Kerem Sari, Felix Arndt, Tim Leidig, Til Cordes.
(c) Fotos: PS. Bilder in nachstehender Galerie zum Vergrößern und für höhere Auflösung bitte anklicken.

























