Das Finale der Rheinlandliga-Relegationsrunde brachte dem VfB Wissen den gewünschten Erfolg und sicherte der Mannschaft von Trainer Dirk Spornhauer den Verbleib in der höchsten Spielklasse des Fußballverbandes Rheinland. Allerdings ging dem Riesenjubel nach 101 Spielminuten viel Nervenkitzel voraus, den man sich und dem blau-weißen Anhang gerne erspart hätte.
Das prominent besetzte Schiedsrichtergespann mit Ralf Volk, Henning Reif und Robert Depken hatte die trotz der Bedeutung faire Partie gewohnt sicher im Griff.
Vor der stattlichen Kulisse von 630 Zuschauern glich die Partie einer komprimierten Zusammenfassung der gesamten Saison 2024-25: Der Start war erfolgreich, dann sah es zwischenzeitlich trotz kritischer Phasen so aus, als ob das Ziel erreicht sei, ähnlich wie zur Winterpause, als der Klassenerhalt außer Frage schien. Es folgte eine schwere Krise und schließlich nach dramatischem Endspurt das Happy End.
Damit geht der VfB im kommenden Spieljahr in seine 40. Rheinlandliga-Saison (die Jahre in der Ober- und Regionalliga nicht eingerechnet). Damit es noch mehr werden, hilft die nun entstandene Planungssicherheit der sportlichen Leitung der Fußballabteilung natürlich sehr. Heute steht erst die Freude und grenzenlose Erleichterung im Vordergrund, danach aber ist die Analyse der abgelaufenen Saison wichtig, denn nicht immer wird die Rettung in letzter Sekunde gelingen.
Die Abschlusstabelle der Rheinlandliga, die den VfB zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg 2019 in aktuter Gefahr zeigte, hat nicht gelogen. Sie war vielmehr das konsequente Ergebnis des Verlustes an Qualität zu Saisonbeginn, aber auch das Spiegelbild einiger hausgemachter Probleme, die man identifizieren und wo immer möglich beseitigen muss. Die sechs bisher feststehenden Neuzugänge (Bericht folgt) sind ein erster Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreicheren Runde 25 /26.
Felix Arndt, in diesen Szenen umringt von einer Übermacht an Gegenspielern, gelang die wichtige Führung.
Zum Spiel gegen Schweich: Der Kontrast zur Anfangsphase in Linz hätte nicht größer sein können. Die VfB-Elf nahm die Zweikämpfe an und zeigte vom Anpfiff weg den absoluten Willen, den dringend erforderlichen Sieg einzufahren. Schon nach 21 Minuten fiel die zu diesem Zeitpunkt verdiente Wissener Führung. Til Cordes spielte sich auf dem linken Flügel durch und passte zurück auf Felix Arndt, der das Leder mit einem satten Schuss aus zehn Metern zum wichtigen 1:0 unter die Latte jagte.
So fiel das 1:0: Pass Til Cordes (oben), Schuss Felix Arndt (unten).
Die Gäste von der Mosel, die schon früh verletzungsbedingt wechseln mussten, spielten munter mit, blieben bei ihren Abschlüssen aber bis zur Pause zumeist harmlos. Auch auf der Gegenseite lag ein zweites Tor nicht unbedingt in der Luft, sodass der Pausenstand den gezeigten Leistungen entsprach. Wie zu erwarten änderte sich das Bild nach Wiederanpfiff und Schweich machte Druck. Vor allem bei den scharf hereingegebenen Eckbällen und den langen Einwürfen vor das Tor entstand immer wieder Gefahr.
Hüseyin Samurkas (Nr.11) rückte für den angeschlagenen Tim Leidig in die Startelf.
Die VfB-Akteure, denen sich mit zunehmender Spielzeit immer bessere Konterchancen boten, gingen an ihre Leistungsgrenze und zeigten vorbildlichen Einsatz. Aus einem dieser Konter entstand auch das 2:0 nach 79 Minuten, bei dem erneut Felix Arndt und Til Cordes die Hauptrollen spielten, aber mit gegenüber dem 1:0 vertauschten Rollen: Felix flankte, Til nahm der Ball aus der Luft. Den ersten Versuch konnte der Gästekeeper noch abwehren, der Nachschuß landete zur Wissener Doppelführung im Netz.
Auch Steven Winzenburg ging mit einer Knöchelverletzung ins Spiel, biss sich aber durch und hatte großen Anteil am glücklichen Ausgang der Saison.
Dieser Winzenburg-Schuß in der Anfangsphase wurde zur Ecke abgefälscht.
Als Felix Arndt nach 86 Minuten mit einem Flachschuß ins linke Eck das 3:0 erzielte, schien die Partie entschieden, doch das Anschlusstor durch Nico Schäfer nur 120 Sekunden später leitete eine dramatische Schlussphase ein, die an den nach 3:0-Führung vor gut drei Wochen fast verpassten Sieg in Immendorf erinnerte. Vom Mittelanstoß weg ging der Ball sofort verloren, und nach einem Schuss von Nico Schäfer vom Strafraumeck in den rechten Torwinkel stand es nach 89 Minuten wie aus heiterem Himmel nur noch 3:2.
Dreimal Max Krauß: Oben gegen Schweichs Doppeltorschützen Nico Schäfer …
… und hier gegen Luca Stadtfeld
Ein weiteres Gegentor hätte Schweich den Klassenerhalt gesichert und den VfB zum Absteiger gemacht. Zur Beruhigung der Nerven trug auch nicht unbedingt bei, als Schiedsrichter Reif eine zehnminütige Nachspielzeit anzeigte. Die Moselaner warfen nun alles nach vorne, und die sich daraus ergebenden Räume nutzte Til Cordes zu einem Solo über links, dass er mit einem Pass auf Tim Leidig abschloss, der das erlösende 4:2 (97.) erzielte. Weitere vier Minuten später war Schluss und die Feierlichkeiten konnten beginnen.
Sporni & Naui: Der Trainer und der 1.Vorsitzende des VfB Wissen.
Trainer Dirk Spornhauer: „Ich bin nervlich kaputt und brauche jetzt erstmal eine Pause. Man darf gar nicht erzählen, was sich heute abgespielt hat. Wir führen hier in der 86. Minute 3:0 und geraten noch einmal in Gefahr. Du denkst, wir sind durch, und dann fängst Du Dir in einer einzigen Minute noch zwei Tore und das Ganze hätte noch kippen können. Dieses verrückte Spiel hat zu der ganzen verrückten Saison gepasst. Noch so eine stehe ich nicht durch, das kostet zu viel Energie. Wir hatten zur Winterpause mit 29 Punkten eine gute Bilanz, und dann kam irgendwann ein Strömungsabriss in der Mannschaft.“
Lukas Becher kam wegen eines beruflichen Termins in Bonn erst eine halbe Stunde vor Spielbeginn im Stadion an.
„Ständig hatten wir wechselndes Personal und mussten umstellen. Das hat uns viel Struktur und Stabilität gekostet und es hat sich nie eine echte Stammformation gefunden. Man muss dankbar sein, dass Spieler wie Mario Weitershagen oft eine Doppelbelastung am Wochenende auf sich genommen haben und trotzdem absolute Leistungsträger waren. Aber das ist kein Dauerzustand und muss sich ändern.“
Til Cordes, Torschütze zum 2:0.
„Heute haben alle gefightet und unsere Außenpositionen waren wieder eine Lebensversicherung. Dem enormen Druck, den wir heute hatten, musst Du auch erst mal standhalten. Schweich ist eine richtig gute Mannschaft und hat eine tolle Rückrunde gespielt. Mit tut ihr Abstieg leid, in so einer Runde ist es immer hart, wenn es einen erwischt. Jetzt haben wir es endlich mit dem Glück geschafft, dass uns in den letzten Monaten oft gefehlt hat. Wir müssen jetzt darüber reden, wie wir uns für die neue Saison besser aufstellen können.“
Die VfB-Aufstellung gegen Schweich: Lukas Litschel, Mario Weitershagen, Tom Pirsljin, Tom Zehler, Steven Winzenburg (82. Kerem Sari), Philipp Weber, Max Krauß, Lukas Becher, Hüseyin Samurkas (74. Tim Leidig), Til Cordes (98. Micha Fuchs), Felix Arndt (91. Max Ebach). Schiedsrichter: Henning Reif (Weißenthurm). Zuschauer: 632.
















