Ausstellung: 50 Jahre Dr.Grosse-Siegstadion

Am Montagabend wurde in der Schalterhalle der Sparkasse Wissen die Ausstellung zum 50.Jubiläum des Wissener Stadions eröffnet. Noch bis zum 26.August sind rund 95 Fotos und Dokumente zu sehen, die den Bau der Anlage und das sportliche Geschehen in den vergangenen fünf Jahrzehnten dokumentieren. Anlaß genug also, einen Blick zurück auf die Geschichte des Stadions zu werfen:

Der erste Wissener Sportplatz, den der VfB Wissen schon kurz nach der Gründung am 28.Februar 1914 nutzte, befand sich auf dem Hämmerberg. Arnold Hahmann hatte Verständnis für die Interessen der sporttreibenden Jugend und stellte eine geeignete Fläche auf dem Gelände seiner Ziegelei (heutige Hüttensiedlung / Petz) kostenlos zur Verfügung. Die Fläche wurde von den Fußballern umgehend geräumt, planiert und mit Toren versehen, deren Netze aus Drahtgeflecht bestanden.

Anfang der 20er Jahre wurde dann zusätzliches Gelände für die Erweiterung der 1917 begonnenen Hüttensiedlung gebraucht, um den stark wachsenden Belegschaften der Alfredhütte und desWalzwerkes Wohnraum zu bieten. Ein Umzug der Fußballer war also dringend nötig. Die Verantwortlichen hielten Ausschau nach ebenen, nicht bäuerlich genutzten Flächen, was angesichts der Wissener Topographie und der damaligen Bedeutung der Landwirtschaft nicht ganz einfach war. Die Suche endete schließlich im Frankenthal auf der ehemaligen Bär’schen Viehweide am Siegufer gegenüber Schloß Schönstein. Die Wiese wurde im Frühjahr 1922 von einigen ungeduldig gewordenen Vereinsmitgliedern „im Handstreich“ erobert und in Eigenleistung als Fußballplatz hergerichtet. Bald kam eine Laufbahn für leichtathletische Wettkämpfe hinzu. Die feierliche Eröffnung der „Frankenthal-Kampfbahn“ fand im Juli 1922 im Rahmen eines großen Bezirkssportfestes statt, an dem sich viele Vereine aus der Nachbarschaft beteiligten.

Die Frankenthal-Kampfbahn war aber von Beginn an regelmäßig dem Hochwasser der Sieg ausgesetzt, was immer wieder zu erheblichen Schäden führte. Schon im Winter nach der Einweihung stand die Sieg meterhoch auf dem Gelände. Spielausfälle wegen Hochwassers und indiskutable Platzverhältnisse wegen des zurückbleibenden Schlamms waren keine Seltenheit. Im zweiten Weltkrieg war die Frankenthal-Kampfbahn trotz der Nähe zum Walzwerk und den Eisenbahnschienen von Bombentreffern weitgehend verschont geblieben, durfte nun aber wegen der Seuchengefahr durch die nahe Sieg nicht benutzt werden. Also wichen die Fußballer zunächst nach Nisterbrück aus, bis im Lauf des Jahres 1946 der Platz im Frankenthal wieder freigegeben war.

Die Mitglieder des VfB-Vorstands unter dem Vorsitzenden Hermann Kempf waren in der drängenden Sportplatzfrage aber nicht untätig geblieben und unterbreiteten den zahlreich erschienenen Mitgliedern den Vorschlag, von der Hatzfeldtschen Verwaltung auf der Bornscheid ein 2,7 ha großes Gelände zu pachten. Gegen eine jähr!iche Pacht von 50 Reichsmark sollte dem Verein gleichzeitig ein Vorkaufsrecht für das Gelände unweit der bisherigen Frankenthal-Kampfbahn eingräumt werden. Amtsbaumeister Ernst Ketzer legte einen Bauentwurf vor, der in der Versammlung allgemeine Zustimmung fand. Dieser Entwurf sah eine Erdbewegung von ca. 22000 cbm mit einem Kostenaufwand von ca. 82.000 Reichsmark vor. Die Pläne erschienen trotz der immensen Kosten nicht unrealistisch, verfügte der VfB zum damaligen Zeitpunkt immerhin über ein Barvermögen von 47.000 Reichsmark ! Aus den hohen Zielen wurde trotzdem nichts, denn die Währungsreform im Mai 1948 reduzierte den Betrag auf ein Zehntel seines ursprünglichen Wertes. Damit wurde das Bauvorhaben zurückgestellt, zumal die verbleibenden DM 4.700,- vorerst auf einem Sperrkonto blockiert waren.

Der umfangreiche Sportbetrieb in den verschiedenen Abteilungen und die wachsenden Erfolge der Aktiven ließen den Wunsch nach einer geeigneten Sportstätte noch aktueller werden. So war der Verein froh, als sich im Herbst 1950 die Gelegenheit zum Kauf eines 4,2 Hektar grossen Geländes von der Fürstin v. Hatzfeldt-Wildenburg ergab. Das Preis für das Areal am Alserberg, das für ein Sportstadion besser geeignet schien als alle bisher ins Auge gefaßten Alternativen, war mit 11.340 DM auch für damalige Verhältnisse sehr günstig. Doch auch dieser Betrag mußte zunächst aufgebracht werden.

Hier kam dem Verein das beginnende Wirtschaftswunder zu Hilfe, das die aufstrebende heimische Industrie in die Lage versetzte, großzügige Unterstützung zu leisten. Die Werksleitung des Weißblechwerkes Wissen, namentlich Generaldirektor a.D. Dr.Karl Grosse, Hüttendirektor Ludwig Patt und Dr. Erich Schauff, griff mit einer Spende ein. Das Walzwerk stand auf dem Höhepunkt seiner Ertragskraft, hatte Ende 1950 über 2.300 Beschäftigte und war somit auch Arbeitgeber der Mehrzahl der VfB-Mitglieder.
Die Mitglieder beteiligten sich mit einer Umlage in Höhe von 30 DM am Kaufpreis. In Wissen konnte man damals auch Zündholzbriefchen erwerben, von deren Preis ein Pfennigbetrag als Spende für den Stadionbau abgezweigt wurde. Weitere Spenden von privater Seite gingen ein, so daß am 6. September 1950 der Kaufvertrag von Gräfin Ursula v. Hatzfeldt-Wildenburg und Dr. Bonnertz unterzeichnet werden konnte.

Der VfB war damit Eigentümer eines großen Grundbesitzes geworden, Geldmittel für den Baubeginn aber fehlten nach der Zahlung des Kaufpreises fast völlig. Immerhin gewährte der Landessportbund auf Vermittlung Albert Schuhen, dem Vorsitzenden des Handballverbandes Rheinland, einen ansehnlichen Förderbetrag. Auch der Fußballverband Rheinland sagte Unterstützung zu und schlug vor, die Ausführung der gesamten Erdarbeiten in eigener Regie mit eigenem Gerät übernehmen. Als Gegenleistung hierfür verlangte der Verband die Abtretung des Sportbundzuschusses in Höhe von 20.000 DM.

Nach den Plänen des Architekten Hörster beliefen sich die Kosten für den ersten Bauabschnitt auf rund 80.000 DM. Auf die Ausschreibung gaben 13 Baufirmen ein Angebot ab. Eine Düsseldorfer Firma war mit 46.190 DM am preisgünstigsten, das höchste Angebot belief sich auf horrende 102.630 DM. Angesichts dieser Zahlen war der VfB gerne bereit, die Offerte des Fußballverbandes anzunehmen, obwohl erfahrene Baufachleute von diesem Vorhaben abrieten. 20.000 cbm Erde mußten bewegt werden, um dem abschüssigen und teilweise felsigen Gelände die erforderliche Form für das Stadion zu geben.

Die Arbeiten wurden schließlich Ende 1950 in Angriff genommen. Das einzige Baugerät des Fußballverbandes, eine leichte und nicht mehr ganz neue Planierraupe, war den Anforderungen durch die Bodenverhältnisse und die Mengen des zu räumenden Materials aber nicht annähernd gewachsen. Nach den Texten in den quartalsweise erscheinenden Vereinszeitungen scheint auch das Interesse der VfB-Mitglieder an unbezahlten Arbeitseinsätzen auf dem künftigen Stadiongelände trotz flammender Appelle recht schnell erlahmt zu sein. So gerieten die optimistisch begonnenen Erdarbeiten bald ins Stocken und kamen im Laufe des Jahres 1951 ganz zum Erliegen. Die Raupe wurde nach einigen Reperaturpausen, Ortsterminen und Schriftwechseln zwischen VfB-Vorstand und Verband erst zeitweise und dann endgültig abgezogen.

Der Stadionbau erfuhr, abgesehen von kontinuierlichen kleineren Arbeitseinsätzen, eine langdauernde Unterbrechung bis zum Sommer 1953. In dieser Phase trat angesichts der ungeklärten Finanzierung der weiteren Arbeiten und der unerwarteten Schwierigkeiten des Geländes allgemeine Ratlosigkeit ein.

Bewegung in die verfahrene Situation kam erst, als Dr.Karl Grosse, zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 80 Jahre alt, erneut die Initiative ergriff. Er stellte einen Ausschuß zusammen, dem neben Mitgliedern des VfB-Vorstandes auch Bürgermeister Paul Schmitz angehörte. Dr.Grosse nahm zudem Kontakt mit dem ihm persönlich bekannten Vorsitzenden des Fußballverbandes Rheinland, Herrn Landgerichtsrat Dr. Menningen, auf. Es kam zu mehreren Gesprächen in Rengsdorf, deren Ergebnis die Wiederaufnahme der Arbeiten im Spätherbst 1953 war. Hierfür stand nicht nur die Planierraupe des Verbandes, sondern auch eine Spende der Hüttenwerke Siegerland in Höhe von 12.000 DM zur Verfügung. Die Gemeinde Wissen stellte auf Grund eines einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses den gleichen Betrag unter der Bedingung, daß auch der VfB durch freiwillige Spenden seiner Mitglieder 12.000 DM aufbringen sollte. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschloß einstimmig, eine Umlage von DM 50,- pro Mitglied zu erheben.

Betriebsleiter Stein von der „Alten Hütte” in Wissen erreichte bei der Erzbergbau Siegerland AG die kostenlose Überlassung von Schotter und Steinen. Der im vergangenen Jahr verstorbene Willi Böke fuhr in Tag- und Nachteinsatz Tonne um Tonne des wichtigen Drainage- und Packmateriais. Die weitere Bauleitung lag in den Händen von Bau-lngenieur Oskar Hallerbach. Geschäftsführer Willy Hoffmann und sein Stellvertreter Ernst Alzen sorgten für die reinungslose Abwicklung der Finanzierungs- und Baumaßnahmen. Auch Amtsbaumeister Genüg und seine Mitarbeiter gewährten ihre volle Unterstützung. Die heimische Industrie stellte wiederholt Materialspenden und kostenlose Arbeitskräfte zur Verfügung.

Die restlichen Arbeiten wurden schließlich einer Baufirma übertragen, nachdem der völlig verregnete Sommer 1954 trotz deutlicher Baufortschritte die termingemäße Fertigstellung des Stadions nicht zugelassen hatte. Fast täglich trafen sich Mitglieder zum freiwilligen Arbeitseinsatz im neuen Stadion, dessen Gesicht nun schon zu erkennen war. Die Vereinszeitung vermerkte hierzu: „Es geht voran am Alserberg. Wir nähern uns dank gemeinsamer Anstrengungen dem Ziel mit großen Schritten. Bei aller Freude über den großen Einsatz vieler Helfer bleibt aber kritisch anzumerken, daß es stets die gleichen Mitglieder sind, die sich durch vorbildliche Arbeit auszeichnen, während manch andere abseits stehen und außer Zweifeln und Unkenrufen nichts beitragen.“

Trotz aller Probleme konnten die Arbeiten schließlich im Sommer 1955 abgeschlossen werden. Unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Sport und Politik fand am 7.August 1955 die feierliche Einweihung des Stadions statt. Namenspatron Dr.Karl Grosse, ohne dessen Einsatz die Anlage undenkbar gewesen wäre, hielt die Festansprache. Rund 10.000 Zuschauer auf den vollbesetzten Rängen sahen das Eröffnungsspiel zwischen den Erstligisten Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen, dem sich eine ganze Woche hervorragend besuchter sportlicher Veranstaltungen im neuen Stadion anschloß.

1980 ging die gesamt Anlage zum Kaufpreis von 950.000 DM in den Besitz der Verbandsgemeinde Wissen über.

Sein größtes sportliches Ereignis erlebte das Stadion im August 1982, als der VfB in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach antrat. 8.500 Zuschauer sahen den 4:0-Erfolg der damals von Jupp Heynckes trainierten Profi-Elf. 7.820 Besucher waren im November 1992 Zeuge des Auftritts von Bayern München. Der Deutsche Rekordmeister setzte sich mit 4:2 gegen eine Auswahl des Kreises Altenkirchen durch.

1993/94 erfolgte mit einem Kostenaufwand von rund 4,9 Mio. DM die komplette Neugestaltung der Aussenanlagen, der Bau einer Stehtribüne und der Neubau des Kabinentraktes.