Erneut 2 Titel bei den Deutschen Meisterschaften für Masters-Athlet Franz Josef Schmidt

LG Sieg Masters-Athlet Franz Josef Schmidt hält bei den Deutschen Meisterschaften in Mönchengladbach die hochkarätige M75-Mittelstreckenkonkurrenz mit seinen Spurtqualitäten auf Abstand – Zweimal Gold über 1500 m und 800 m

In der Altersklasse M75 starteten über 1500 m als auch über die Zweirundendistanz (800 m) alle, die momentan im Deutschen Leichtathletikverband Rang und Namen haben.


Das Foto von links zeigt die fünf Erstplatzierten v.l Dietmar
Schmidt/Waldbröl, Wolfgang Lenz/Weinstadt, Franz Josef Schmidt LG
Sieg-VfB Wissen, Diethard Weichsel/Zwickau und Heinz
Schwarz/Neuwied kurz nach dem Zieleinlauf des 800 m-Rennens.

Alle Läufer hatten sich vor den Meisterschaften bereits mit dem Titel
„Deutscher Meister“ in der Altersklasse M75 schmücken können.
So war es nicht verwunderlich, dass die Rennverläufe der beiden
Finals von abwartender Taktik bei hohen Temperaturen bzw.
störendem Wind geprägt waren. Für Franz Josef Schmidt, der sich seit
nunmehr 63 Jahren ununterbrochen aktiv der Leichtathletik widmet
(davon exakt ein halbes Jahrhundert Leistungssport auf
verschiedenen Laufdistanzen), gab es, wie immer bei Meisterschaften, nur die eine Taktik: Im Feld mitschwimmen und auf den letzten 100 Meter seine seit Anfang der 90ger Jahre peu a peu entwickelte Spurtkraft einsetzen. Die Generalprobe hierzu hatte der pensionierte Grundschullehrer zwei Wochen zuvor bei den Südwestdeutschen Meisterschaften in Bad Ems vorzüglich absolviert:
100 m in 16,09 sec/Platz 3 und 400 min 74,70 sec/Platz 1, dazu noch nebenbei Platz 1 im Speerwurf/26,90 m.
Mit dieser Taktik und Vertrauen auf das vorangegangene Training in den vergangenen Wochen der Vorbereitungszeit, das er seit über
1980 ohne Trainer gestaltet, ging es sowohl über 1500 m am vergangenen Freitag und am folgenden Samstag über 800 m auf die
Zielgerade. Überfallartig passierte er jeweils die Führenden und sicherte sich mit 6:16,65 sec und 2.58,53 sec beide Goldmedaillen.
Wie schnell die letzten 100 m waren zeigt der Abstand der jeweiligen Medaillengewinner. 1500 m:1. Schmidt/6:15,65 min, 2.
Weichsel/6:18,43 min, 3. D. Schmidt/6:20,06 min 800 m: 1. Schmidt/2:58,53 min, 2. Weichsel/3:00,57 min, 3. Lenz/3:01,75 min.
Ausgang der Schlussrunde des 800 m-Rennens hatte sich der heute 56fache Deutsche Meister auf den 2. Platz hinter dem Waldbröler
Schmidt auf die 2. Position vorgeschoben, um sich auf den Schlussspurt vorzubereiten. An dieser Stelle nahm er neben den
Laufsprecherkommentaren plötzlich persönliche Anfeuerungsrufe von außen mit ihm vertrauter, bekannter Stimme aus früheren Zeiten
war. Nach dem Zieleinlauf stellte sich heraus, dass es der frühere Wissener Leichtathlet Klaus Selbach war, der seinen alten
Vereinskameraden, mit dem er 1967 im Waldlauf sowie 1973 im Fünfkampf jeweils mit dem Dreierteam die
Rheinlandvizemeisterschaft gewonnen hatte. Das war natürlich eine Riesenüberraschung!

 


Klaus Selbach ist gebürtiger Wissener und absolvierte 1970 das Abitur am Wissener Gymnasium. Seit seiner Schülerzeit ist er bis heute der Leichtathletik eng verbunden. Er studierte Sport und Biologie und unterrichtete diese Fächer am Kempener Gymnasium.
Der frühere Rheinlandmeister über 400 m-Hürden und Sechster der Deutschen Jugendmeisterschaften über die gleiche Distanz (Schweinfurt 1970) war von seinem jetzigen Wohnort Kempen die 25 km mit dem Rad nach Mönchengladbach gefahren, um den 800m-Lauf zu verfolgen. Schmidt dazu: „Das Wiedersehen ist mir mehr wert als eine Goldmedaille! Diese ganz persönliche Ehrung bleibt für immer in Erinnerung!“
Auf die eigentlich geplanten 400 m am Sonntag verzichtete der frischgebackene Doppelmeister. Sie hätte ihm wohl eine weitere Medaille hinter dem Überflieger Karl Dorschner eingebracht. Sein Kommentar dazu: „Weniger ist in meinem Alter mehr!“
Der zweite LG Sieg Mittelstreckler vom VfB Wissen Anton Schreiner, der im Mai mit der 3x1000m-Staffel in Celle Deutscher Meister geworden war, stand ebenfalls im 1500 m-Finale der M75. Seine ausgezeichnete Form von Celle konnte er wegen einer Verletzung leider nicht bis Mönchengladbach konservieren und somit auch nicht weiter verbessern. Mit einer für ihn notgedrungen recht knappen Vorbereitung brachte er dennoch eine überraschend zufriedenstellende Leistung zustande und wurde mit dem für ihn respektablen 7. Platz (6:44,42 min) belohnt. Er ließ es sich nicht nehmen, selbstverständlich seinen Staffelkollegen am nächsten Tag zu betreuen und Erinnerungsfotos zu schießen.