Jeder im blau-weißen Lager wusste, das nach inzwischen 12 Pflichtspielsiegen in Serie irgendwann die erste Niederlage folgt. Dass diese aber gleich so herb ausfallen würde, damit war nicht zu rechnen. Mit 2:5 ging der VfB Wissen in Asbach förmlich unter, und dabei gestattete man dem Gegner nach früher Führung gleich vier Treffer in nur 17 Minuten. Doch auch außerhalb dieser Phase kollektiven Blackouts gab es nur wenig Positives zu verzeichnen.
Immerhin sorgte das späte Strafstoßtor von Philipp Weber in der Nachspielzeit dafür, dass die Tabellenführung vor dem TuS Montabaur mit einem Törchen Vorsprung verteidigt werden konnte. Wenn es allerdings in den kommenden Wochen nicht gelingt, in den bevorstehenden Vergleichen mit den Spitzenteams aus Weitefeld, Westerburg, Berod und Montabaur die Leistung wieder erheblich zu steigern und vor allem die Defensive zu stabilisieren, wird Platz 1 schnell Geschichte sein.
Jannik Krämer.
Schon in einigen der vergangenen Partien (so in Niederroßbach oder Guckheim) hatten sich erstaunliche Lücken im Abwehrverbund gezeigt und den Gegnern etliche Chancen beschert. Diesmal traf man auf den bisher stärksten Kontrahenten, der nicht nur diese Chancen konsequent nutzte, sondern auch in Sachen Zweikampfbilanz ein deutliches Plus hatte und die Punkte mit einer maximal engagierten Leistung und mannschaftlicher Geschlossenheit völlig verdient einfuhr.
Aus dieser Szene entstand das 0:1 durch Ertugrul Tuysuz (Nr.61).
Asbachs Keeper Klaus Selbach streckt sich vergeblich.
Dabei hatte es gut begonnen, denn schon nach einer Viertelstunde ging der VfB in Führung, als ein abgefälschter Schuss von Ertugrul Tuysuz zum 0:1 den Weg ins Netz fand. Schon davor aber hätte Asbach bei zwei Top-Chancen selbst in Front gehen können. Deshalb waren die drei TuS-Tore, die zwischen der 34. und 45. Minute ohne allzu viel Wissener Gegenwehr fielen, eine konsequente Folge des Spielverlaufs. Gleich dreimal ließ sich die völlig unsortierte und immer wieder in Unterzahl geratende VfB-Abwehr nach Ballverlusten im Mittelfeld durch schnelle Konter über die Flügel überraschen.
Julian Wienold.
Wer auf eine Wende nach der Pause gehofft hatte, war spätestens nach dem schnellen 4:1 (51.) ernüchtert. Die restlichen 45 Minuten brachten viel Wissener Ballbesitz und einen nun sehr tief stehenden Gegner, aber nur wenig Druck auf das Tor der Hausherren. Nur selten kamen Angriffe in die Nähe des gegnerischen Tores, auch weil kaum ein Kopfballduell gewonnen wurde und sich die bisher so treffsicheren Angreifer oft in wirkungslosen Dribblings versuchten und den Abschluss verpassten.
Viele Jäger sind des Hasen Tod: Lukas Becher (rechts) gegen eine geballte Asbacher Übermacht.
Die besten Chancen hatten Jakov Jancek und Jannik Krämer mit Distanzschüssen knapp über das Tor sowie Leandro Fünfsinn, der nach 63 Minuten per Kopf nur die Latte traf. Bezeichnender Weise fiel dann das 5:1 (75.) an diesem schwarzen Sonntag durch eine direkt verwandelte Ecke, die am kurzen Pfosten einschlug. Dem Elfmeter zum 5:2 mit der letzten Aktion des Spiels, den Philipp Weber sicher verwandelte, war ein Foul an Jakov Jancek vorausgegangen.
Viele Flanken, wenig Ertrag: Asbach hatte vor dem eigenen Tor die Lufthoheit.
Jetzt gilt es zu beweisen, dass die bisherige Überlegenheit nicht vor allem ein Ergebnis der Tatsache war, dass die Mehrzahl der Gegner an den ersten acht Spieltagen aus der unteren Tabellenhälfte kam. Denn nun warten im Wochentakt Gegner, die es dem VfB vermutlich nicht leichter machen werden als der TuS Asbach am Sonntag. Erst nach den kommenden vier Wochenenden wird man wissen, wie stark die Mannschaft wirklich ist und ob beim Ziel „Wiederaufstieg“ auch bei mehr Gegenwind auf Kurs bleibt.
Leandro Fünfsinn kam diesmal, abgesehen von einem Lattentreffer, kaum zum Zug.
Tom Pirsljin.
Trainer Dirk Hannappel zum Spiel: „Die Schockstarre, die die Mannschaft heute auf dem Platz hatte, habe ich jetzt nach dem Spiel. Wenn Du etwas Besonderes erreichen willst, darf so etwas eigentlich nicht passieren. Aber so Tage gibt es, wo von der Nummer 1 bis 16 inklusive des Trainerteams alles schief läuft, was schief laufen kann. Ich kann heute keinen nennen, der gut war – inklusive mir selbst. Und dann verlierst Du hier absolut verdient.“
Ertugrul Tuysuz.
Die Aufstellung in Asbach: Lukas Litschel, Tim Leidig (77. Paul Christian), Hüseyin Samurkas (46. Jakov Jancek), Julian Wienold, Tom Pirsljin (66. Marius Wagner), Philipp Weber, Jannik Krämer, Felix Arndt, Lukas Becher, Leandro Fünfsinn, Mustafa Tuysuz (46. Til Cordes). Schiedsrichter: Frederic Lotzer (Koblenz). Zuschauer: 210. Tore: 0:1 (14.) Ertugrul Tuysuz, 1:1 (34.) Philipp Germscheid, 2:1 (41.) Rachid Bouallal, 3:1 (45.) Nino Alessandro Fuhr, 4:1 (51.) Thomas Kriebel, 5:1 (75.) Jan Warmsbach, 5:2 (96.) Philipp Bernd Weber.


