Bitteres 0:1 in Malberg – Der VfB fängt viel zu spät das Spielen an

Die Generalprobe am Mittwoch in Ahrbach gelang, die Premiere am Samstag in Malberg ging gründlich daneben: Mit einer nach Chancen und Spielanteilen denkbar unnötigen 0:1-Niederlage startete der VfB Wissen in die erste Rheinlandliga-Saison nach dem Wiederaufstieg. Der SG Malberg, die sich in der Vorsaison durch einen starken Schlußspurt den Klassenerhalt gesichert hatte, gelang damit anders als 2018 ein viel bejubelter Start nach Maß.

Apropos Wiederaufstieg: Mit der Stammbesetzung des Wissener Meisterteams des vergangenen Jahres hatte die Startelf (Foto oben) beim umkämpften, aber zumeist fairen Derby auf dem Kunstrasen in Hommelsberg nur noch teilweise zu tun. Neben den berufsbedingt ausgeschiedenen Torben Wäschenbach (nach Hamburg) und Alexander Rosin (nach Heidelberg) fehlten mit Kenny Scherreiks (noch 1 Spiel gesperrt), Emre Bayram (verletzt), Lukas Becher und Hüseyin Samurkas gleich sechs gesetzte Akteure des Bezirksliga-Kaders 2018/19. Auch Justin Keeler und Kevin Kostka, die beide früher das Malberger Trikot trugen, mussten verletzungsbedingt passen.

Wenig personelle Kontinuität also, dafür aber knüpfte die VfB-Elf zunächst nahtlos an die schwache zweite Halbzeit aus dem jüngsten Pokalspiel an. Die knapp 600 Zuschauer, darunter der wie immer sehr zahlreich mitgereiste blau-weiße Anhang, sahen vom Abpfiff weg eine Partie auf ausgesprochen bescheidenem Niveau. Viele Zweikämpfe, viele Ballverluste und viele lange Bälle ins Nichts prägten das Spiel auf beiden Seiten. Der VfB Wissen hatte das erwartete Plus an Ballbesitz, aber bis zum Seitenwechsel keine einzige nennenswerte Torszene. Konsequenterweise fiel auch das Tor des Tages zum 1:0 (19.) auf der Gegenseite nicht aus dem Spiel heraus, sondern per Kopf nach einer Ecke. Nicht nur in dieser Szene, in der Keeper Philipp Klappert im Fünfmeterraum heftig bedrängt worden war, hatte man auf Wissener Sicht durchaus Diskussionsbedarf mit Schiedsrichter Jean-Luc Behrens, der sicher schon souveränere Tage hatte.

Die Führung der defensiv kaum geforderten Hausherren war angesichts des VfB-Auftritts bis zum Wechsel nicht unverdient, doch nach Wiederanpfiff änderte sich das Bild. Mit der Einwechslung von Lukas Becher bekam das Wissener Spiel endlich Linie, auch der Rest der Truppe steigerte sich und setzte die Malberger unter Druck. Nach wie vor war in Sachen Torgefahr Luft nach oben, doch nun gab es die zuvor vermissten Chancen. Leider ging man mit diesen Gelegenheiten sehr verschwenderisch um, was nicht nur den von Yannick Tsannang verschossenen Handelfmeter (51., Foto unten) betraf.

Noch in den letzten 15 Minuten gab es ausreichend Optionen, zumindest einen Zähler mitzunehmen. So ging Max Ebach nach einem Doppelpass allein auf SG-Keeper Zeiler zu, zog den Querpass ins Nichts aber dem Abschluss vor. Immerhin zeigten sich nun endlich die Qualitäten des VfB-Spiels und die Malberger Abwehr geriet wiederholt in Verlegenheit. Was fehlte, war der entscheidende Abschluß.

Der Rest war das Übliche: Viele verletzungsbedingte Pausen auf Malberger Seite, ihr Trainer Volker Heun niveauvoll wie immer und mit hohem läuferischen und verbalem Einsatz der 12.Mann seines Teams, Raum für gute (und ebenfalls schlecht genutzte) Konterchancen der SG und mehr Platz auf dem Platz durch je eine gelb-rote Karte auf beiden Seiten. Der Malberger Online-Liveticker bezeichnete die Aktion, die zur Herausstellung eines SG-Akteurs führte, als „tacktisches Faul“. Auch schön. Weniger schön war der Endstand, denn nach 94 Minuten jubelten die Gastgeber. Gratulation zum ersten Dreier. Den gebrauchten Tag komplett machte aus VfB-Sicht die Verletzung von Till Niedergesäß, der kurz vor Abpfiff umknickte und sofort ausgewechselt werden musste.

Fazit: Nach dem Eindruck dieser 90 Minuten (2970 kommen noch !) wäre die Prognose nicht abwegig, dass es für beide Mannschaften in der bevorstehenden Saison um nichts anderes als den Klassenerhalt geht. Natürlich ist es kaum möglich, Aussagen zur Qualität der Rheinlandliga 19/20 zu treffen. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass in dieser Liga allzu viele Gegner von der überschaubaren Kragenweite der Malberger auf den VfB warten. Umso bitterer, dass man gegen einen direkten Konkurrenten die drei Punkte hergab – und umso wichtiger, die zweite Halbzeit und die bewiesene Moral als Ermutigung zu sehen.

Wegen der Beteiligung des ersten Heimgegners FSV Salmrohr am DFB-Pokal ist der VfB am kommenden Wochenende spielfrei. Die Partie gegen die Moselaner wird erst am Mittwoch, dem 21.August nachgeholt. Nur vier Tage später steht mit dem Gastspiel der Spvgg Andernach schon das zweite Heimspiel im Dr.Grosse-Siegstadion auf dem Programm. Somit startet der VfB mit zwei Auswärtsspielen, und die zweite Aufgabe auf fremdem Platz wird direkt ein Härtetest, denn in zwei Wochen geht es zum letztjährigen Vizemeister und Titelfavoriten BC Ahrweiler.