Der VfB besiegt trotz langer Unterzahl die SG Andernach hochverdient mit 2:0

Nach zuletzt zwei Unentschieden gelang der Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen gegen den bisherigen Tabellenzweiten SG 99 Andernach ein hochverdienter 2:0-Erfolg. Dabei zählte die erste Halbzeit gegen die bisher ungeschlagenen Gäste vom Rhein zum Besten, was die Mannschaft des für ein Spiel gesperrten Trainers Dirk Spornhauer ihrem Anhang in dieser Saison bot. Vor der Pause gab es ein spielerisches Feuerwerk, danach einen vorbildlichen Kampf, bis nach knapp 100 Minuten der Sieg feststand.

Immerhin noch 165 Zuschauer hatten sich bei strömendem Regen im Dr.Grosse-Siegstadion eingefunden und nahmen überwiegend auf der Tribüne Platz. Die Andernacher reisten mit nur sechs Gegentoren an, sahen sich aber vom Anpfiff weg in die Defensive gedrängt. Schnell ergaben sich Wissener Chancen, von denen Til Cordes schon die zweite nach sechs Minuten zum 1:0 verwertete. Kurz darauf legte der aufgerückte Tom Pirsljin (Foto ganz oben) nach und traf mit einem Volleyschuß aus kurzer Distanz zur Doppelführung. Die Andernacher Defensive taumelte von einer Verlegenheit in die nächste und konnte froh sein, nach einer halben Stunde nur 2:0 hinten zu liegen.

Zu Gast im Stadion war auch Stefan Buschner (links), schußgewaltiger Stürmer der Wissener Rheinland-Meistermannschaft von 1988. Er traf am Freitagabend viele alte Bekannte, darunter auch seinen früheren Teamkollegen Axel Quast.

Dann kam die Schlussphase der ersten Halbzeit mit einer Topchance für Luca Kirschbaum zum 3:0, doch danach nahm die Partie eine ebenso unverhoffte wie unschöne Wendung. Schiedsrichter Hermann Schmidt hatte das Spiel bis dahin sicher im Griff gehabt, setzte sich aber mit zwei überzogenen gelben Karten gegen die Gäste selbst unnötig unter Druck. Wenn in einem fairen Spiel am Ende zwölf gelbe, eine gelb-rote und zwei rote Karten gezeigt werden, ist etwas schief gelaufen. Das erste Opfer war Til Cordes, der unmittelbar vor der Pause kurz nacheinander zwei völlig überzogene gelbe Karten sah, die in Summe den VfB in Unterzahl und die blau-weißen Fans in Wallung brachte.

“Bis unser Doc die Fassung verliert, muss schon wirklich viel passieren.”

Der Referee pfiff nicht einseitig, lag aber bei seinen Entscheidungen wohl mehrfach daneben, verlor immer mehr die Kontrolle und scheiterte dabei, sie mit einer Flut persönlicher Strafen zurück zu holen. Darüber, ob die Entscheidungen Ursache oder Ergebnis der immer hektischer werdenden Atmosphäre auf und neben dem Platz waren, lässt sich streiten. Wichtig bleibt aber, dass auch das Gespann von der Mosel bei allen Diskussionen um seine Leistung an diesem Abend Fairness verdient hat.

Til Cordes sorgte mit seinem vierten Saisontor für das frühe 1:0, wird aber kommende Woche fehlen.

Die restlichen 55 Minuten überstand der VfB in Unterzahl schadlos, weil alle zehn verbliebenen Akteure auf schwerem Boden bis an ihre Grenzen gingen und die numerische Unterlegenheit durch läuferischen Einsatz und eine starke Zweikampfbilanz ausglichen. Die Andernacher hatten trotz Feldüberlegenheit bis zum Abpfiff nur zwei nennenswerte Chancen auf den Anschlußtreffer, sodass der angeschlagen ins Spiel gegangene Lukas Litschel fast nur bei hohen Hereingaben eingreifen musste.

Trainer Dirk Spornhauer (hier beim Spiel gegen Westerburg) bot sich diesmal die ungewohnte Tribünen-Perspektive. Wolfgang Leidig dann später auch.

Auf der Gegenseite wurden mehrere vielversprechende VfB-Konter durch höchst diskutable Foul- und Abseitsentscheidungen gestoppt, die in ihrer Häufung für Aufregung sorgten. Nach zwei solcher Pfiffe handelten sich Wolfgang Leidig und Mannschaftsarzt Dr. Peter Janka jeweils eine rote Karte ein, auch Sascha Kill sah auf der Trainerbank gelb. Am Spielstand änderte die Kartenflut, die in der Schlußphase innerhalb von nur 18 Minuten auch noch vier Andernacher Akteure traf, nichts mehr. Entsprechend groß fiel am Ende der über neunminütigen Nachspielzeit der Jubel im VfB-Lager aus.

Das Fazit von Interims-Trainer Wolfgang Leidig: „Erst einmal bin ich sehr glücklich, dass wir diese drei ganz wichtigen Punkte erkämpft haben. Ich glaube, es war ein faires und anständiges Spiel von beiden Mannschaften, aber durch die Begleiterscheinungen wurde alles in die falsche Bahn gelenkt. Wir haben absolut verdient gewonnen, wobei die ersten dreißig Minuten für die drei Punkte entscheidend waren. Unsere Taktik ist voll aufgegangen und der Gegner konnte sich aus dem Spiel heraus kaum Torchancen erarbeiten. Ich kann mich vor der kompletten Mannschaft nur verneigen. Sie hat sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und die Sache trotz Unterzahl toll zu Ende gebracht.“

Seinen Platzverweis (den ersten in über 34 Jahren beim VfB auf und neben dem Platz) hatte er so gesehen: „Warum ich eine rote Karte bekommen habe, weiß ich nicht. Ich habe keinen Ton gesagt. Die Leute, die das Spiel gesehen haben, konnten sich ja recht gut einen Eindruck von den Gegebenheiten machen. Das Unheil nahm seinen Lauf mit der mehr als fragwürdigen gelb-roten Karte in der 45.Minute, die dann für den weiteren Charakter des Spiels eine entscheidende Situation wurde. Es geht mir aber nicht darum, jetzt den schwarzen Peter zu finden. Wir haben drei Punkte und sind glücklich.“

Der Kommentar von Chefcoach Dirk Spornhauer, der die Partie von der Tribüne aus beobachtete: „Der Schiedsrichter, der bis dahin ordentliche gepfiffen hatte, hat mit der gelb-roten Karte das ganze Spiel kaputt gemacht. Til Cordes geht vom Ball weg und wird dann bewusst angeschossen. Wo sind wir denn, wenn das ein Platzverweis ist ? Nach dieser Fehlentscheidung hat der Schiri dann bei Abseits- und Foulentscheidungen völlig den Faden verloren. Wir betreiben viel Aufwand, trainieren dreimal die Woche und fahren viele Kilometer durch die Gegend, und dann passieren solche Sachen wie in den letzten drei Spielen hintereinander. Das darf in dieser Form einfach nicht sein. Bis unser Doc die Fassung verliert, muss schon wirklich viel passieren.“

Die VfB-Aufstellung gegen Andernach: Lukas Litschel, Max Krauß, Paul Christian, Tom Zehler, Tom Pirsljin, Philipp Weber, Steven Winzenburg, Lukas Becher (77. Tim Leidig), Felix Arndt (91. Mirkan Kasikci), Til Cordes, Luca Kirschbaum (74. Hüseyin Samurkas). Schiedsrichter: Hermann Schmidt. Zuschauer: 165.