DFB-Pokal 1980: Chancenlos gegen den VfL Osnabrück

Fünf Mal erreichte der VfB Wissen bislang das Finale des Rheinland-Pokals, 1959 und 1961 konnte man den Titel des Rheinland-Pokalsiegers holen. Zur Qualifikation für die 1.Hauptrunde des DFB-Pokals reichten aber erst die drei danach folgenden Niederlagen in den Endspielen der Jahre 1973, 1980 und 1982. 1973 ging die Erstrundenpartie gegen Wormatia Worms mit 1:4 verloren, 1982 war Bundesligist Mönchengladbach vor 8.500 Zuschauern Endstation.

Unscharf, aber glücklich: Klaus Schäfer (vorne) und Michael Wilhelm nach dem Pokalsieg in Burglengenfeld.

1980 aber gelang durch einen 3:2-Sieg beim bayerischen Amateurligisten ASV Burglengenfeld der Sprung in die 2.Runde. Das Los bescherte zwar anschließend nicht wie zwei Jahre später den erhofften Gegner aus der Bundesliga, mit dem VfL Osnabrück aber immerhin den aktuellen Tabellenführer der 2.Bundesliga Nord. Das attraktive Los verfehlte seine Wirkung nicht, denn gut 3.500 Zuschauer fanden am 4.Oktober 1980 den Weg ins Dr.Grosse-Siegstadion.

4.Oktober 1980: Die Teams auf dem Weg zum Einlauf.

Der langjährige VfB-Vorsitzende Dr. Aloys Bonnertz rechnete sich im Interview mit dem „Kicker“ keine Aussichten auf eine Pokalsensation aus: „Von Chancen reden wir nicht, wir sind nicht größenwahnsinnig. Aber wir geben uns nicht leichtfertig geschlagen und werden Osnabrück einen echten Kampf liefern.“ Trainer Hans-Werner Betz, der den VfB nur in dieser einen Saison betreute, dachte auch an die öffentliche Aufmerksamkeit, die die Partie dem Verein bescherte: „Natürlich wollen wir gut aussehen, schließlich interessieren sich auch Rundfunk und Fernsehen für das Spiel.“

Die 1.Mannschaft des VfB Wissen war damals eine Spitzenmannschaft der Rheinlandliga und kämpfte nach den Plätzen 4 und 3 in den Vorjahren auch diesmal um den Aufstieg in die Oberliga Südwest. Auch wenn man am Ende gegen den SV Leiwen den Kürzeren zog und nur als Vizemeister über die Ziellinie ging, zählte das VfB-Team zu den besten Formationen der Vereinsgeschichte. Die Mischung aus Routiniers wie Günter Borr, Edgar Stein oder Erhard Winterkorn und den Youngstern Michael Wilhelm, Klaus Schäfer oder Thomas Diederich funktionierte prächtig.

Zum DFB-Pokal für 1,50 € – das waren noch Zeiten.

Im Pokalspiel gegen Osnabrück war davon aber recht wenig zu sehen, denn schon nach einer guten halben Stunde war das mit Spannung erwartete Spiel beim Zwischenstand von 0:4 zu Gunsten der Profis aus Niedersachsen gelaufen. Der Belgier Antoine Fagot, der auch für den Wuppertaler SV und Alemannia Aachen in der 2.Liga am Ball war, hatte bis dahin bereits drei Treffer (14., 23. 34.) erzielt. Ralf Lehmann machte mit seinem Treffer (29.) den Halbzeitstand perfekt.

Horst Feilzer, der fünf Jahre später mit Bayer 05 Uerdingen durch einen Finalsieg gegen Bayern München DFB-Pokalsieger wurde, verschoss nach 32 Minuten sogar noch einen Foulelfmeter. Wolfgang Brenners Parade (Foto unten, -c-: Ketz) verhinderte so einen klareren Pausenrückstand. Auf der anderen Seite traf Wolfgang Kohl, der zur Pause verletzt ausscheiden musste und durch Bernd Weigel ersetzt wurde, nach einem Sololauf nur den Pfosten des Osnabrücker Tores.

Nach der Halbzeit kam dann auch der Osnabrücker Detlef Olaidotter zu einem lupenreinen Hattrick, ehe Thomas Diederich sieben Minuten vor dem Abpfiff den Ehrentreffer zum 1:7-Endstand erzielte.  Gästetrainer Werner Biskup, der später mit Hannover 96 auch erfolgreich war, kommentierte die einseitigen 90 Minuten so: „Wir haben den Gegner von Anfang an nicht unterschätzt. Das war unser erklärtes Ziel und am Ende auch der Grund für den klaren Erfolg.“

Spielszene aus der ersten Halbzeit, Wolfgang Kohl am Ball.

Für einen ebenso kuriosen wie ärgerlichen Randaspekt sorgten die damaligen, aus heutiger Sicht absurden Regularien des DFB: Da Ausschnitte vom Spiel am Abend in der ARD-Sportschau gezeigt wurden, musste der VfB in neutralen Trikot ohne den Aufdruck seines damaligen Sponsors „Schneider Beton“ auflaufen. Während Amateurvereinen Werbung im TV untersagt und somit die Anschaffung eines neuen Trikotsatzes fällig war, durften die Profis dem Fernsehpublikum ihre gewohnten Hemden zeigen.

Die VfB-Aufstellung gegen Osnabrück (von oben links nach unten rechts): Wolfgang Brenner, Wolfgang Kohl (46. Bernd Weigel), Peter Hüsch (67. Friedel Mann), Paul Alhäuser, Axel Quast, Erhard Winterkorn, Klaus Schäfer, Günter Borr, Edgar Stein, Michael Wilhelm und Thomas Diederich.