Die inzwischen seit dem 21.Oktober 2020 (damals 1:2 gegen TuS Mayen) anhaltende Serie auf dem heimischen Hartplatz hielt auch gegen den FSV Trier-Tarforst: Die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen setzte sich am Samstag nach schwachem Start und einem 0:1-Pausenrückstand durch eine starke 2.Halbzeit noch mit 3:1 durch und verbesserte ihr Konto auf 29 Punkte. Der erste Abstiegsplatz ist nun mindestens neun Punkte entfernt – ebenso wie Rang 2, der zur Teilnahme an Aufstiegsspielen zur Oberliga berechtigt.
Schiedsrichter Athanasios Fasulas (Mitte) hatte mit seinen Assistenten Benjamin Klapper und Laurenz Durben das engagiert geführte, aber faire Spiel sicher im Griff.
Mit dieser Bilanz (9 Siege, 2 Unentschieden, 8 Niederlagen) hat sich das Team angesichts der vielen personellen Sorgen eine ausgezeichnete Ausgangsbasis für die im Februar beginnende zweite Saisonhälfte geschaffen. Dann ist hoffentlich auch Steven Winzenburg wieder dabei. Der VfB Kader wird zudem u.a. mit der Rückkehr von Torjäger Armando Grau, Tim Leidig, Micha Fuchs, Daniel Reichert, Tim Adanic und Dominik Soldo durch sieben interne „Neuzugänge“ verstärkt, die in der Hinrunde verletzungs- und krankheitsbedingt kaum oder gar nicht zum Einsatz kamen.
Wissener Druck gab es vor der Pause nur zu Beginn.
Gegen den akut abstiegsgefährdeten FSV Trier-Tarforst hätte der VfB fasst einen Blitzstart hingelegt, denn schon nach 60 Sekunden gab es unter Mithilfe der Gästeabwehr eine Top-Chance zur frühen Führung. Der ansonsten starke Gästetorwart Luca Merling geriet durch den riskanten Rückpass eines Verteidigers in Bedrängnis. Er schoss bei seinem Klärungsversuch Justin Kirschbaum an, der den Ball aus sechs Metern zwar über den Keeper, aber auch die über die Torlatte hob. Auch Til Cordes stand später alleine vor dem Torwart (Foto unten), der den Linksschuss vom Fünfmetereck aber glänzend zur Ecke parierte.
Top-Chance von Til Cordes in der 10. Spielminute.
Danach jedoch spielten nur noch die Gäste und zeigten durch schnelles Kombinationsspiel, wie recht VfB-Coach Spornhauer mit seiner Aussage hatte: „Das ist gute Mannschaft. Sie sind besser, als sie in der Tabelle stehen.“ Die Trierer Führung war allerdings nicht das Ergebnis der spielerischen Überlegenheit, sondern eher Zufall. Nach acht Mnuten gab es wegen eines Handspiels kurz vor der Strafraumgrenze Freistoß. Moritz Hannapel trat an und der eher ungefährliche Schuss wurde durch die löchrige Wissener Mauer unhaltbar für VfB-Keeper Lukas Litschel zum 0:1 ins kurze Eck abgefälscht.
So schlug der Ball nach einem abgefälschten Freiszoß zum 0:1 für die Gäste ein.
Danach kamen zwar beide Teams zu ihren Torszenen, doch zumeist sahen die VfB-Akteure nur die Hacken ihrer Gegenspieler und hatten alle Mühe, die Gäste vom Tor fernzuhalten. Das gelang nur bedingt, und gleich zweimal gingen FSV-Angreifer frei auf Lukas Litschel zu, der beim ersten Mal per Fußabwehr klären konnte. Auch bei der zweiten Szene warteten der VfB-Akteure vergeblich auf den Abseitspfiff und hatten Glück, dass der Trierer Hannapel das Leder neben den rechten Pfosten setzte und so sein zweites Tor verpasste. Ergo: Über einen höheren Rückstand zur Pause hätte sich der VfB kaum beschweren können.
Marius Wagner hat den Ball fest im Blick.
Das sah auch VfB-Trainer so: „In der ersten Halbzeit waren wir viel zu pomadig und auch gedanklich in vielen Situationen zu langsam. Die Abstände zum Gegner waren in der gesamten Truppe zu groß. Deshalb war die Tarforster Führung folgerichtig, auch wenn das Gegentor durch den abgefälschten Freistoß sehr unglücklich fiel. Wir hatten auch zwei oder drei richtig gute Chancen, hätten uns aber auch nicht beschweren können, wenn wir vor der Halbzeit das 0:2 kassiert hätten – und dann wäre es sehr schwierig geworden.“
Fußballballett mit Luca Kirschbaum, im Hintergrund Mirkan Kasikci.
Mit Beginn des zweiten Abschnitts sahen die 100 Zuschauer rund um den gut bespielbaren Hartplatz ein komplett anderes Match, denn nun stürmte nur noch der VfB und erspielte sich recht schnell auch Ausgleichschancen. Das 1:1 fiel daher bereits in der 56.Minute, als der aufgerückte Max Krauß nach einem zunächst abgewehrten Schuss von Til Cordes abstaubte und den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Auch danach hielt die klare Wissener Überlegenheit an und die wackelnde Trierer Abwehr zeigte Schwächen, die andeuteten, warum die Moselaner in der laufenden Runde bereits 41 Gegentore kassiert hatten.
Gegen Ende der 1.Halbzeit verzogen sich die Wolken über dem Siegtal. Erst kam die Sonne, und dann der VfB.
Allerdings dauerte es trotz einer ganzen Serie guter Gelegenheiten noch bis zur 82.Minute, ehe sich die VfB-Dominanz auch im Ergebnis ausdrückte. Wieder einmal war es Til Cordes, der am langen Pfosten goldrichtg stand und den Ball aus extrem spitzem Winkel zum 2:1 (82.) unter die Latte jagte. Felix Arndt machte dann vier Minuten später nach einem tollen Solo alles klar, als er seine ganze Schnelligkeit ausspielte, noch den Torwart umkurvte und zum 3:1 (86.) vollendete. Eine Chance, dem Spiel eine erneute Wende zu geben, hatten die Trierer Gäste in den verbleibenden Minuten nicht mehr.
Hier war zwar die Hand am Ball, aber auch am Körper – richtigerweise kein Elfmeter.
Dirk Spornhauers Sicht auf die 2.Hälfte: „Ich habe in der Pause zur Mannschaft gesagt, das mit dem 0:1 noch überhaupt nichts entschieden ist und mit dem Ausgleich die ganze Partie in unsere Richtung kippen kann. So ist es dann auch gekommen, denn wir haben mit Wiederanpfiff ein ganz anderes Gesicht gezeigt und waren viel engagierter. Da ist ein richtiger Ruck durch die Truppe gegangen, der uns letztlich die drei Punkte beschert hat. Aufgrund der zweiten Halbzeit war der Sieg aus meiner Sicht letztlich auch absolut verdient.“
Hinten feiert der VfB das 2:1 durch Max Krauß, vorne gibt es Diskussionen mit dem Schiri.
Tarforsts Co-Trainer Sven Haubrich, der am Samstag den erkrankten Cheftrainer Patrick Zöllner vertrat, hatte es ähnlich gesehen: „In der ersten Hälfte konnten wir es relativ gut umsetzen, was wir uns im Vorfeld vorgenommen haben. Wir waren zweikampfstark und haben sehr gut und schnell reagiert. Im zweiten Durchgang haben wir die Tugenden dann schon ein wenig vermissen lassen, die uns in der ersten Halbzeit stark gemacht haben. Und genau dadurch kam Wissen immer besser und stärker ins Spiel und hat unterm Strich dann auch nicht unverdient mit 3:1 gewonnen.“
Til Cordes brachte nach 82 Minuten den Bann und brachte sein Team mit 2:1 in Führung.
Die Trierer beklagten am Samstag wie auch der VfB das Fehlen einiger wichtiger Spieler. Man kann sich aber nach ihrem Auftritt vor dem Seitenwechsel kaum vorstellen, dass sie am Saisonende zu den 4 Absteigern gehören werden. Betrachtet man allerdings die prominenten Namen, die wie Trier aktuell in den Abstiegskampf verwickelt sind, darf man vermuten, dass am Ende ein oder zwei Vereine die Rheinlandliga verlassen müssen, von denen man das zu Saisonbeginn sicher nicht vermutet hätte.
Felix Arndt erzielte mit einem Solo den 3:1-Endstand.
Dirk Spornhauers Rückblick auf die bisherige Saison fällt wie auch der Ausblick positiv aus: „Wir sind sehr zufrieden mit den jetzt erreichten 29 Punkten. Wenn wir aus den restlichen Spielen nach der Winterpause noch vier Siege holen, haben wir die Klasse sicher. Durch den Sieg haben wir Platz nach unten geschaffen. Wir wollten gegen Tarforst unbedingt gewinnen, um heute Abend unseren Jahresabschluß schön feiern zu können.“ Der Coach schaute gemeinsam mit dem 1.VfB-Vorsitzenden Thomas Nauroth auch schon auf die kommende Saison. „Das passt gut hier und macht allen Spass. Wir sind in finalen Gesprächen. Gebt uns noch ein paar Tage Zeit, und noch vor Weihnachten werden wir dann was sagen können.“
Luca Kirschbaum im Zweikampf mit Triers Felix Stüber, rechts beobachtet von Bruder Justin.
Die VfB-Aufstellung gegen Trier-Tarforst: Lukas Litschel, Paul Christian, Marius Wagner (94. Micha Fuchs), Mirkan Kasicki, Tom Pirsljin, Max Krauß, Philipp Weber, Justin Kirschbaum (78. Aimen Aslan), Felix Arndt (92. Kerem Sari), Luca Kirschbaum (88. Simon Ebach), Til Cordes (88. Tom Zehler).
© Fotos: PS. Bilder in der folgenden Galerie zum Vergrößern bitte anklicken.
© Zitat Sven Haubrich: Webseite des FSV Trier-Tarforst. Dort gibt es dank Autor André Mergener auch fair geschriebene und lesenswerte Berichte von den Spielen des FSV.














