Hoch und runter: Die Lage in den Klassen rund um die Rheinlandliga

Nach dem gestrigen Rückblick auf die Rheinlandliga zur Saisonhalbzeit lohnt auch der Blick auf die Spielklassen darüber und darunter. Schließlich hängt die künftige Zusammensetzung der höchsten Liga im Fußballverband Rheinland ganz entscheidend vom sportlichen Geschehen in der Regionalliga, der Oberliga und den Bezirksligen ab. Nach den aktuellen Auf- und Abstiegsregelungen ist es auch in dieser Saison möglich, dass am Ende mehr als ein Drittel der Mannschaften in der Rheinlandliga ausgetauscht werden.

In der Regionalliga sieht es für zwei Südwest-Vereine ausgesprochen schlecht aus: Der Tabellenletzte TSV Schott Mainz ist nach nur einem Sieg aus 21 Spielen bereits hoffnungslos abgeschlagen, und auch die Bilanz des Vorjahres-Aufsteigers TuS Koblenz sieht mit drei Erfolgen und 14 erzielten Punkten nicht viel besser aus. Die Koblenzer brauchen bei aktuell 12 Punkten Rückstand aufs rettende Ufer ein mittleres Fußballwunder, um den direkten Wiederabstieg in die Oberliga zu vermeiden.

Im April 2018 kam es im Halbfinale des Rheinlandpokals zum letzten von vielen VfB-Vergleichen mit TuS Koblenz. Das Bild zeigt eine Szene mit Max Ebach (Nr. 13).

Kommen beide Vereine herunter, hat das erheblich Auswirkungen auf die Oberliga Rheinland-Pfalz / Saar. Die Liga wurde im Zuge der allzu großzügigen Aufstiegsregelungen während der Corona-Jahre auf zwischenzeitlich 24 Teams aufgeblasen und soll am Ende der Saison wieder von aktuell 20 auf die Sollstärke von 18 Teams reduziert werden. Konsequenz sind mindestens sechs Absteiger in der Saison 2023-24, deren Zahl sich durch die Abstiege von Mainz und Koblenz sogar auf bis zu acht (!) erhöhen könnte.

Dabei hat der FC Bitburg, der im Vorjahr souverän die Meisterschaft der Rheinlandliga errang, bei 14 bis 17 Punkten Abstand auf die Nichtabstiegsplätze keine realistischen Chancen mehr auf den Klassenerhalt. Und auch für Cosmos Koblenz, das sich im Sommer über eine erfolgreich bestrittene Relegationsrunde den Aufstieg sicherte, würde nach aktuellem Tabellenstand das Oberliga-Gastspiel nur ein Jahr dauern. Soll die Rettung noch gelingen, muß das im Sommer mit 11 internationalen Neuzugängen erneut massiv aufgerüstete Multi-Kulti- Team noch 7 bis 10 Punkte aufholen.

Ein Wiedersehen mit Cosmos Koblenz auf dem Hartplatz des Dr.Grosse-Siegstadions in der kommenden Saison scheint aus zwei Gründen derzeit eine realistische Perspektive: Erstens ist der Abstieg der Cosmonauten, zweitens aber auch die Sperrung des Wissener Rasenplatzes zum jeweiligen Spieltermin sehr wahrscheinlich. Nach der Niederlage an der Sieg im Frühjahr (Foto oben mit Philipp Weber und Justus Stühn) hatten die Gäste auf ihrer Webseite neben der Schiri-Leistung und der Unfairness des Gegners vor allem den ungewohnten Untergrund als Grund der Niederlage ausgemacht. In diesem Sinne: Vielleicht bis bald !

Und wie sieht es in den Bezirksligen aus, der Meister am Saisonende den Sprung in die Rheinlandliga schaffen ? In der Bezirksliga Ost steht mit dem VfB Linz ein alter Bekannter an der Spitze. Allerdings können der TuS Burgschwalbach (mit dem früheren Wissener Trainer Walter Reitz an der Bande) und die SG Westerburg durch Siege in ihren Nachholspielen nach Punkten noch mit den Linzern gleichziehen. Keine Chance auf die sofortige Rückkehr hat Rheinlandliga-Absteiger SG Neitersen / Altenkirchen, der als Tabellenzwölfter nur knapp vor den Abstiegsrängen liegt und eher bestrebt sein muß, einen erneuten Abstieg in die Kreisliga A zu vermeiden.

Das ist in der Bezirksliga Mitte völlig anders, denn hier belegen mit der SG Eintracht Mendig und dem TuS Mayen zwei der drei Rheinlandliga-Absteiger die beiden Spitzenplätze. Allerdings sind die Punktabstände sehr gering, sodass auch die SG Laubach aus dem Kreis Cochem-Zell noch mitmischen kann. Mit dem TuS Oberwinter Platz 5 hat ein weiterer langjähriger VfB-Gegner ebenfalls Chancen, in den Titelkampf einzugreifen. Der TSV Emmelshausen hat zwar mit der Meisterschaft nichts zu tun, scheint aber den freien Fall nach zwei Abstiegen in Folge nun in der Bezirksliga stoppen zu können.

In der Bezirksliga West ist das Rennen wohl schon zur Winterpause entschieden, denn der TuS Schweich hat mit der überragenden Bilanz von 15 Siegen aus 16 Spielen bereits 10 Punkte zwischen sich und die Verfolger gebracht. Das bemerkenswerte Torverhältnis von 68:7 drückt die komplette Überlegenheit der Moselaner in ihrer Spielklasse aus, die auch die Mehrzahl der Spitzenspiele hoch gewannen. Die SG Alfbachtal Ellscheid aus der Vulkaneifel, die im Mai ihr vorerst letztes Rheinlandliga-Heimspiel gegen den VfB Wissen bestritt (und 1:4 verlor), ist als Zwölfter noch nicht der Gefahr eines weiteren Abstiegs entronnen.

Ein Wiedersehen mit dem Sportplatz in Ellscheid und den dort servierten, absolut Oberliga-reifen Würstchen wird es für den VfB (zumindest vorerst) nicht geben.