Rheinlandliga: 3:0 in Wirges – Dritter klarer Sieg in Folge mit unschönem Ende

Mit einem souveränen 3:0-Sieg bei der Spvgg Wirges fuhr die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen nicht nur den dritten klaren Erfolg in Serie ohne Gegentor ein (3:0, 4:0, 3:0), sondern eroberte sich mit dem 12. Sieg bei 11 Niederlagen auch erstmals in dieser Saison eine positive Gesamtbilanz. Nun sind 43 Punkte auf dem Konto, und bei 11 Zählern Vorsprung auf die maximal 5 Abstiegsplätze ist der Klassenerhalt zwar noch nicht theoretisch sicher, aber zumindest sehr wahrscheinlich. Getrübt wurde die Freude durch drei Ausfälle, die den ohnehin dezimierten Kader am Wochenende gegen Trier-Tarforst vor allem in der Offensive weiter ausdünnen werden.

Das junge Schiedsrichtergespann mit Referee Adrian Ax aus Oberzissen und seinen Assistenten Jan Krümpelmann und Jonas Braun.

Der recht zahlreich mitgereiste Wissener Anhang brauchte auf dem Kunstrasenplatz in Wirges nicht lange auf die erste Chance seiner Elf zu warten, denn der VfB attackierte früh und ließ den akut abstiegsgefährdeten Wirgesern weder Zeit noch Raum für einen geordneten Spielaufbau. So kam Luca Kirschbaum schon nach drei Minuten nach einem Fehlpass des Gegners in Ballbesitz, verzog aber knapp. Auf der Gegenseite musste sich Lukas Litschel nach einem Schuß von der Strafraumgrenze lang machen, um das 1:0 zu verhindern. Dieses 1:0 (11.) fiel dann aber doch für das Spornhauer-Team, als Til Cordes aus halbrechter Position den Ball flach im langen Eck versenkte.

Luca Kirschbaum im Duell mit dem Wirgeser Keeper Nick Hammel.

Der VfB blieb am Drücker und wurde nach 26 Minuten erneut belohnt. Til Cordes ging nach einem schnell ausgeführten Einwurf über links durch, drang in den Strafraum ein und passte zur Mitte, wo Luca Kirschbaums Schußversuch abgeblockt wurde. Der abgewehrte Ball prallte zurück an die Strafraumgrenze, wo Steven Winzenburg direkt abzog und mit einem Sonntagsschuß zum 0:2 halbhoch ins linke Eck traf. Bis zur Halbzeit sahen die 170 Zuschauer dann ein verteiltes Spiel, in dem Lukas Litschel mehr zu tun bekam als zuletzt, der Anschlußtreffer gegen eine sichere Wissener Defensive aber auch nicht unbedingt in der Luft lag.

Jubel nach dem 0:1 durch Til Cordes (Nr. 17).

Schon gut 60 Sekunden nach dem Wiederanpfiff hätte die Vorentscheidung fallen können, doch Max Krauß köpfte an die Latte und Emre Bayrams Nachschuss vom Fünfmetereck wurde noch von der Linie gekratzt. Auch Tim Leidig hatte kurz darauf das 0:3 auf dem Fuß, doch seine Direktabnahme nach einem Querpass von Til Cordes ging über das Tor. Die Wirgeser, deren Situation am Wochenende durch die Siege der Konkurrenz im Abstiegskampf noch prekärer wurde, bemühten sich um den Ausgleich, doch die besseren Gelegenheiten hatte gegen die gelockerte EGC-Abwehr weiter der VfB.

So rauschte der Schuß von Steven Winzenburg zum 0:2 ins Netz.

Der Wirgeser Keeper hatte dann Glück, als er nach 65 Minuten weit aus seinem Tor eilte und den Schuß des eingewechselten Felix Arndt außerhalb des Strafraums mit dem erhobenen Arm abwehrte. Schiri Ax hatte die Szene anders gesehen und ließ, begleitet von heftigen Wissener Protesten, weiterspielen. Auch nach einem ungeahndeten Foul an Tim Leidig, der nach seinem Pass am Gästestrafraum abgeräumt wurde, gab es Diskussionen. Luca Kirschbaum handelte sich in dieser Szene nach 70 Minuten eine gelbe Karte wegen Meckerns ein, die später noch wichtig werden sollte.

Luca Kirschbaum, rechts Til Cordes.

Bevor die unerfreuliche Schlußphase eingeläutet wurde, machte Felix Arndt frei vor dem Keeper alles klar und schob den Ball clever zum 0:3 (72.) ins lange Eck. Danach schlichen sich einige Nachlässigkeiten in die Wissener Deckung ein, und Lukas Litschel hatte mehrfach Gelegenheit, sich mit starken Paraden auszuzeichnen und den Wirgeser Ehrentreffer zu verhindern. Dann war die reguläre Spielzeit vorbei und alles schien nach einer trotz der Bedeutung insgesamt fairen Partie schiedlich-friedlich dem Spielende entgegen zu gehen, doch der unschöne Schlußakkord folgte noch.

Emre Bayram am Ball.

Der junge Schiedsrichter Adrian Ax, über dessen Entscheidungen zu Ungunsten des VfB es schon bei den Auswärtsspielen in Eisbachtal und Ehrang einige Diskussionen gegeben hatte, bewertete ein Foul von Luca Kirschbaum im defensiven Mittelfeld als gelbwürdig und zeigte dem Sünder die Ampelkarte. Zuvor hatte er bei zwei taktischen Fouls von bereits verwarnten EGC-Akteuren einen komplett anderen und durchaus vertretbaren Maßstab angelegt. Und dann kam es in der vierten Minute der Nachspielzeit aus Wissener Sicht noch dicker. Der in der 89.Minute ausgewechselte Justin Kirschbaum wurde mit seiner Familie außerhalb des Spielfeldes auf dem Weg zur Kabine von einem schon davor lautstark aufgefallenen Zuschauer tätlich angegriffen. Nach dem folgenden Handgemenge sah Justin die rote Karte. Unmittelbar nach dieser Szene pfiff der Referee ab.

Dieser Kopfball von Max Krauß (verdeckt) landete an der Latte.

Die Schilderung im Spielbericht der Rhein-Zeitung, nachdem der Platzverweis durch eine Rudelbildung vor der Wissener Bank und zudem nach Abpfiff entstanden sei, ist nur durch die temporäre Ohnmacht des RZ-Berichterstatters zu erklären. Gute Besserung. Immerhin gibt es auch von diesem Spiel eine Videoaufzeichnung, die vielleicht bei der Wahrheitsfindung helfen kann und auf die auch der Schiedsrichter nach dem Spiel verwies. Notiz am Rande: Der Wittlicher Maximilian Düpre, der Armando Grau vor zwei Wochen das Bein brach, kam für sein brutales Foul mit einer bemerkenswert milden Sperre von sechs Wochen davon.

Trotz des klaren Ergebnisses hatte auch VfB-Torwart Lukas Litschel mehrfach Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Der Kommentar von Trainer Dirk Spornhauer zur turbulenten Nachspielzeit: „Die ganze Unruhe am Ende hat der Schiri durch seine unklaren Aktionen ins Spiel gebracht. Die gelb-rote Karte für ein Schubsen war völlig überzogen, und wenn, dann hätte er sie auf der anderen Seite auch zeigen müssen. Auch das Handspiel vom Torwart, das alle gesehen haben, übersieht er. Da war keine klare Linie in der Spielführung. Das Spiel war gelaufen, ich verstehe nicht, wie man dann noch eine solche Hektik hereinbringen kann.“

Für Micha Fuchs (am Boden) war verletzungsbedingt schon nach einer knappen halben Stunde Schluss.

Das Fazit zum Spiel: „Ich glaube, dass wir absolut verdient gewonnen haben. Wir sind hoch angelaufen und haben schon früh viele gute Momente gehabt und folgerichtig 2:0 geführt. Nach der Halbzeit haben wir es verpasst, das Ergebnis noch höher zu stellen, da hat uns bei unseren Angriffen teilweise die Ruhe gefehlt. Mit ein bisschen mehr Geduld und Zielstrebigkeit hätten wir bei unseren Angriffen das dritte und vierte Tor machen können. Und am Ende war es richtig ärgerlich. Aber jetzt sind wir durch, und das ist das wichtigste.“

Justin Kirschbaum.

Zwölf Punkte sind noch zu vergeben. Salmrohr und Tarforst auf dem jeweils ersten Abstiegsplatz bei vier bzw. fünf Aufsteigern könnten also maximal noch auf 43 bzw. 44 Zähler kommen. Da sich beide aber am 10.5. noch direkt gegenüber stehen, ist das rechnerisch unmöglich. Heißt also: Bei vier Absteigern (oder einem Rückzug des FSG Ehrang) hat der VfB mit seinen 43 Punkten die Klasse sicher, ein weiterer Punktgewinn in den Heimspielen gegen Tarforst am Samstag oder am Mittwoch danach gegen Ehrang macht auch die letzte theoretische Gefahr bei fünf Absteigern zunichte.

Tim Leidig und Tom Zehler in einer Szene aus der Schlußphase.

Die VfB-Aufstellung in Wirges: Lukas Litschel, Mario Weitershagen, Paul Christian, Max Krauß, Steven Winzenburg (82. Kerem Sari), Justin Kirschbaum (89. Tom Zehler), Emre Bayram (87. Pascal Freudenberg), Tim Leidig, Micha Fuchs (27. Marius Wagner), Til Cordes (63. Felix Arndt), Luca Kirschbaum. Schiedsrichter: Adrian Ax. Zuschauer: 170.

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