Rheinlandliga: Der VfB trotzt dem Tabellenführer – 1:1 gegen Wittlich

In der Saison 2022 / 2023 spielte der SV Rot-Weiß Wittlich noch in der Bezirksliga West. In den folgenden drei Jahren holte der ambitionierte Verein nicht weniger als 50 (!) neue Spieler, um den ehrgeizigen sportlichen Zielen gerecht zu werden. Der Rheinlandliga-Aufstieg gelang sofort, doch seither blieb dem SV der Sprung in die Oberliga ebenso versagt wie ein Sieg im Dr.Grosse-Siegstadion. Zumindest Letzteres blieb auch nach dem Wissener Gastspiel am Samstag bestehen.Die beiden Teams vor dem Anpfiff. Mit einer starken Leistung trotzte der VfB dem hohen Favoriten nicht nur ein 1:1-Unentschieden ab, sondern begeisterte auch die eigenen Fans unter den 215 Zuschauern, die am Ende nicht mit Applaus sparten. Dass Gästecoach Fahrudin Kuduzovic nach dem Abpfiff mit dem einen Punkt durchaus zufrieden war, mag als Beleg für den beherzten Auftritt der blau-weißen Elf dienen, die sich endlich einmal für ihre Leistung belohnte.Das Schiedsrichtergespann mit dem wie immer souveränen Referee Jan Schmidt und seinen Assistenten Mark Evans und Ben Stühn.215 Zuschauer sahen ein unterhaltsames Rheinlandliga-Spiel.

Dabei hatte es vorab wegen des Fehlens von Felix Arndt, Jakov Jancek, Hüseyin Samurkas und Tom Pirsljin gar nicht gut ausgesehen. Die Mannschaft aber trotzte den personellen Hindernissen und zeigte, dass sie das Potential hat, auch die vierzigste Saison des VfB in der Rheinlandliga trotz des aktuellen Tabellenstandes erfolgreich zu bestehen. In den kommenden Wochen folgen nun Duelle mit Teams, die man am Ende in der Gesamtwertung hinter sich lassen möchte.

Lukas Becher gegen Wittlichs Alan Stulin (oben) und Gästekeeper Philipp Berhard.Zum Spiel: Die erste Halbzeit verlief trotz eines Wittlicher Plus an Ballbesitz erstaunlich ausgeglichen, und gegen eine stabile Wissener Abwehr erarbeitete sich der Gast trotz gefährlicher Standards kaum Möglichkeiten. Das torlose 0:0 zur Pause entsprach in einem schnellen Spiel den gezeigten Leistungen, da auch der VfB zwar gute Angriffe startete, sich im gegnerischen Strafraum aber nicht entscheidend durchsetzen konnte.Wie immer Turm in der Schlacht, aber nach dem 1:1 untröstlich: VfB-Urgestein Steven Winzenburg in seinem 150. Pflichtspiel in der 1.Mannschaft.Direkt nach Wiederanpfiff gelang dann Til Cordes mit einem Rechtsschuss ins lange Ecke nach Diagonalpass von Philipp Weber die 1:0-Führung (47.). Keine zwei Minuten später tauchte er erneut frei vor dem Gästekeeper auf und hatte das 2:0 auf dem Fuß, doch diesmal ging sein Schlenzer hauchdünn am rechten Pfosten vorbei. Stattdessen gelang dem international besetzten SV nach 54 Minuten durch den eingewechselten Meliani Saim der Ausgleich.

Glückwünsche für Til Cordes und Vorbereiter Philipp Weber nach dem 1:0-Führungstor.Was folgte, waren Bemühungen der Wittlicher um das zweite Tor, die überraschender Weise aber im Wesentlichen in langen und hohen Bällen in den VfB-Strafraum bestanden. Das Vertrauen in die großen Stürmer und die Standardsituationen war aber nicht erfolgreich. Steven Winzenburg erwies sich in dieser Phase mit vielen gewonnenen Kopfballduellen und wie stets maximalem Einsatz als Turm in der Schlacht. Auch Lukas Litschel konnte sich an seinem 27.Geburtstag mehrfach auszeichnen und den Punkt festhalten.Ein Cordes-Freistoß streicht knapp über das Tor.

Auf der anderen Seite gab es einige gute bis sehr gute Konterchancen. Der Lucky Punch war mehrfach greifbar nahe, gelang aber nicht. Die größte Chance hatte der eingewechselte Micha Fuchs, der sich 30 Meter vor dem Tor den Ball erkämpfte, dann aber mit seinem unplatzierten Abschluss am Torwart scheiterte. Auch Maxim Gorohov hatte Pech, als er bei seinem Solo zum Tor vom letzten Mann der Wittlicher umgerissen wurde. Der Linienrichter hatte ein Foul von Maxim gesehen und lag damit, wie die Videoaufzeichnung der Szene zeigte, komplett daneben. Die gute Leistung des Schiedsrichtergespanns schmälerte dieser Fehler aber nicht.Til Cordes gegen Wittlichs Verteidiger Ayman Habbouchi.Das Fazit von Trainer Dirk Spornhauer: „Wenn man dem Tabellenführer die ersten Punkte klaut, kann man schon zufrieden sein. Wir haben das heute von Beginn an gut gemacht. Die Mannschaft ist geschlossen aufgetreten und hat gut gefightet. Wittlich ist mit seinen beiden bulligen Stürmern vorne natürlich schwer zu verteidigen, aber wir hatten eine gute Ordnung im Spiel und so kaum etwas zugelassen. Natürlich ist gegen die jede Standardsituation gefährlich.“Lukas Becher besetzte diesmal das VfB-Sturmzentrum.„In der zweiten Halbzeit haben wir dann das 1:0 gemacht und hatten gleich darauf die große Chance zum 2:0. Durch einen ärgerlichen Fehler im Aufbauspiel haben wir dann leider schnell den Ausgleich kassiert. Das war bitter, aber Steven Winzenburg hat ansonsten wieder ein Superspiel gemacht. Lukas hat uns dann kurz vor Schluß mit seiner Parade den Punkt gerettet – und der war hochverdient.“Mustafa Tuysuz am Ball. Der (noch) 18-jährige VfB-Neuzugang fügte sich gut ein.„Da müssen wir jetzt weitermachen. Der heutige Auftritt und vor allem das Ergebnis waren sehr gut für die Moral. Für das Tempo von Felix und Jakov, auf die wir heute verzichten mussten, wäre das Spiel natürlich ideal gewesen und wir hätten den Gegner noch besser auskontern können. Die Jungs haben aber alle ohne Ausnahme eine sehr sehr gute Partie gemacht. Kämpferisch war das super, und auch spielerisch können wir an das Spiel anknüpfen.“Maxim Gorohov im Klammergriff.

Die VfB-Aufstellung gegen Wittlich: Lukas Litschel, Tom Zehler (77. Paul Christian), Max Krauß, Jonas Fuhrmann, Marius Wagner, Philipp Weber, Steven Winzenburg, Mustafa Tuysuz (67. Micha Fuchs), Maxim Gorohov, Til Cordes, Lukas Becher. Schiedsrichter: Jan Schmidt (Koblenz). Zuschauer: 215.

Micha Fuchs (links)  hatte kurz vor Schluß die große Chance zum 2:1.