Der erste Matchball blieb ungenutzt. Die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen verlor ihr Auftaktspiel der 3er-Relegation gegen den Abstieg beim VfB Linz mir 1:2. Nach einer ganz schwachen ersten Halbzeit reichte die Steigerung nach der Pause nicht, um den Sieg einzufahren, der vorzeitig den Klassenhalt gesichert hätte. Trotz viel Ballbesitz nach der Pause sorgten die Wissener Angriffe viel zu selten für Gefahr vor dem Linzer Tor, sodass sich der Gegner absolut verdient durchsetzte, wozu wir gratulieren.
Nun müssen die Jungs von Trainer Dirk Spornhauer auf die zweite Chance am kommenden Mittwoch hoffen, wenn um 20 Uhr der TuS Mosella Schweich in Wissen gastiert. Allerdings reicht den Moselanern dann bereits ein Remis, während der VfB unbedingt gewinnen muss. Immerhin machen die Ergebnisse aus der regulären Punkterunde Mut: In Schweich gab es einen 3:2-Erfolg, zuhause gab es ein 1:1-Unentschieden. Schiedsrichter der alles entscheidenden Begegnung wird Henning Reif von der SG Weißenthurm sein.
So sah es bis zur Pause meistens aus: Linz am Ball, der VfB Wissen (hier Lukas Becher) auf der Verfolgung.
760 Zuschauer waren zum Relegationsspiel auf den Linzer Kaiserberg gekommen. Die Gastgeber zeigten vom Anpfiff weg den absoluten Willen, auf dem heimischen Kunstrasen die dringend benötigten Punkte einzufahren. Der VfB Wissen verschlief die erste halbe Stunde völlig, verlor fast alle Zweeikämpfe und hatte angesichts klarer Linzer Chancen Glück, nicht schon in dieser Phase den frühen Rückstand zu kassieren. Lukas Litschel musste gleich mehrfach in höchster Not retten. Meist sahen die blau-weißen Akteure nur die Hacken ihrer Gegenspieler, und nur selten war der Ball bis zur 30.Minute über mehr als drei Stationen im Wissener Besitz.
Lukas Litschel hatte viel zu tun.
In zwei Szenen hatten die Linzer allerdings Glück mit Entscheidungen vom ansonsten souveränen Schiedsrichter Philipp Michels: Bei einer der fünf Wissener Ecken vor der Pause stieg Tim Leidig hoch und wurde bei seinem Kopfball vom ausgestreckten Bein eines Verteidigers mit voller Wucht im Bauch getroffen (siehe Foto unten). Statt eines durchaus möglichen Elfmeters aber entschied der Referee auf Abstoß. Für Tim Leidig war das Spiel kurz danach verletzungsbedingt beendet.
Die umstrittene Szene im Linzer Strafraum mit dem Foul an Tim Leidig.
Dann ging Til Cordes nach einem Steilpass alleine auf das Linzer Tor zu und wurde durch eine sehr zweifelhafte Abseitsentscheidung gestoppt. Zweimal Pech – aber verdient wäre eine Führung wirklich nicht gewesen. In der Schlußviertelstunde der ersten Halbzeit schien sich der VfB dann etwas freizuschwimmen, hatte mehr Zugriff aufs Spiel und folglich nun auch mehr Ballbesitz. Bei einem Schuss des eingewechselten Armando Grau aus 25 Metern, der genau im Dreieick gelandet wäre (36.), bewahrte der Linzer Keeper seine Elf mit einer Glanzparade vor dem Rückstand.
Für Tim Leidig (Nr.21) endete die Partie vorzeitig und schmerzhaft.
Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt fiel unmittelbar vor der Pause dann das 1:0. Der Druck für die Linzer, der beim Stand von 0:0 wohl immer größer geworden wäre und sie zu mehr Risiko gezwungen hätte, war damit verringert. Wissen rannte fortan einem Rückstand nach und war gezwungen, die Abwehr zu lockern. Das bot Linz viele Konterchancen, die bis in die Schlußphase aber alle verdaddelt oder von Lukas Litschel bereinigt wurden.
Auf der anderen Seite nahm nun der Wissener Ballbesitz zu, ohne dass sich allerdings die Torgefahr wirklich erhöht hätte. Häufig war das Leder jetzt im Linzer Strafraum, ohne dass viele Ausgleichschancen entstanden wären. Immerhin wackelten die Hausherren nun und fingen sich nach Foulspielen in kurzer Zeit vier gelbe Karten ein, doch Kapital konnte das Spornhauer-Team auch aus den vielen Standards nicht schlagen. Die beste Chance hatte Felix Arndt, der frei vor dem Torwart aber ein Dribbling dem Torschuss vorzog.
Tom Pirsljin gegen vier Linzer Abwehrspieler.
Umso bitterer war dann, wie zwölf Minuten vor dem Ende das vorentscheidende 2:0 fiel, denn es entstand aus einem vielversprechenden Angriff in Überzahl über die rechte Seite. Statt der möglichen Topchance auf den Ausgleich gab es einen kapitalen Fehlpass an der Strafraumgrenze und der so beschenkte Linzer Verteidiger leitete einen Konter gegen die weit aufgerückte Wissener Abwehr ein, der Linz die Doppelführung brachte. Danach gab der VfB nicht auf und hatte nun die Chancen, die man vorher vermisst hatte. Das Powerplay brachte aber keine Wende mehr, da der zuvor mehrfach mögliche Anschlusstreffer zu spät fiel.
Armando Grau traf in der vierten Minute der fünfminütigen Nachspielzeit, die angesichts des ausgedehnten Linzer Zeitspiels sicher eher knapp bemessenen war, zum 2:1. Der seit einem Jahr nach seinem Beinbruch mehr oder weniger ausgefallene Stürmer war an diesem Nachmittag der agilste Wissener Angreifer. Man mag sich nicht vorstellen, wie die nun zu Ende gehende Saison wohl mit einem fitten Armando gelaufen wäre. Nach zusammen 40 Toren in den beiden Vorjahren konnte er bei seinen wenigen und zumeist kurzen Einsätzen in dieser Runde nur zwei Tore beitragen.
Diesen Freistoß von Til Cordes (Nr.7) nach 70 Minuten wehrte der Linzer Keeper mit einer Glanzparade ab.
Die Aufstellung des VfB Wissen in Linz: Lukas Litschel, Mario Weitershagen, Tom Pirsljin, Tom Zehler (80. Micha Fuchs), Philipp Weber, Steven Winzenburg (81. Kerem Sari), Max Krauß, Felix Arndt, Lukas Becher, Til Cordes, Tim Leidig (34. Armando Grau). Schiedsrichter: Philipp Michels (Oberkyll). Zuschauer: 743.
Viel Getümmel im Linzer Strafraum (hier mit Mario Weitershagen und Armando Grau), aber bis zur 94. Minute kein Ertrag.
Notiz am Rande: Der Linzer Stadionsprecher bezeichnete die eigenen Spieler in seinen lautstarken Ansagen durchgängig als „Krieger“. Zitat: „Für den Krieger mit der Nummer 6 XX kommt nun der Krieger mit der Nummer 20 YY !“ Daraus lernt man: Auch der sportliche Erfolg schützt vor Niveaulosigkeit nicht. Nur zur Erinnerung: Das Ganze war ein Fußballspiel, kein Krieg. Der findet gerade woanders statt.
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