Rheinlandliga: Überraschung an der Spitze, durchwachsene Bilanz für den VfB

Trotz des zwischenzeitlichen Wintereinbruchs, der für etliche Ausfälle sorgte, konnten in der Rheinlandliga bis zur Winterpause 160 der 304 Saisonspiele absolviert werden. Dabei wurden den Zuschauern immerhin 683 Tore geboten, was einen Schnitt von 4,3 Treffern pro Spiel ausmacht. Zum Vergleich: In der Bundesliga steht die Marke aktuell bei nur 3,2 Toren. Das Motto „My home is my castle“ gilt weiterhin, denn knapp 50% der Partien brachte den jeweiligen Gastgebern drei Punkte ein, während nur je ein rundes Viertel mit einem Remis oder einem Auswärtssieg endete.

Deutlich seltener als in der Vorsaison hatten die VfB-Akteure Grund zum Jubeln: Damals gab es bis zur Winterpause 44 Tore, in der laufenden Saison nur 31.

Abseits aller Zahlenakrobatik steht eine dicke Überraschung: Nicht einer der vier vor Saisonbeginn hoch gehandelten Oberliga-Absteiger steht an der Tabellenspitze, sondern die SG Schneifel. Die Spielgemeinschaft aus dem Grenzgebiet zu Belgien, die die vergangene Runde auf Platz 10 beendete und dabei nur vier Punkte vor den Abstiegsrängen lag, hat sich vor allem durch eine fast makellose Auswärtsbilanz inzwischen recht deutlich von den Verfolgern abgesetzt. Bei einem Spiel weniger trennen die Schneifeler, die überragende 57 Tore auf dem Konto haben und auch in Wissen mit 5:1 gewannen, bereits sieben Punkte vom Tabellenzweiten.

Armando Grau, Til Cordes und Luca Kirschbaum nach dem 2:0 gegen Wirges.

Diesen 2.Platz, der am Saisonende zu Relegationsspielen um den Oberliga-Aufstieg berechtigt, nimmt trotz eines herben Einbruchs im November und Dezember aktuell der BC Ahrweiler ein. Auch die anderen Oberliga-Absteiger aus Eisbachtal (4.Platz), Mülheim-Kärlich (6.) und Kirchberg (9.) blieben hinter den Erwartungen, auch wenn die relativ engen Punktabstände hinter dem Spitzenreiter noch Aufstiegschancen lassen. Die vier Abstiegsränge belegen mit Immendorf und Wirges zwei Aufsteiger, dazu kommen die im Vorjahr in letzter Sekunde gerettete SG Niederroßbach und mit dem FC Metternich ein Verein, den man nicht unbedingt so weit unten vermutet hätte.

Trainer Thomas Kahler war seit Sommer 2019 über vier erfolgreiche Jahre lang im Amt. Dann übernahm im September Dirk Spornhauer (Foto oben) die Verantwortung.

Und der VfB Wissen ? Die Bilanz ist durchwachsen, der aktuell belegte 11.Tabellenrang ist sicher nicht die Wunschplatzierung. Nach einem schwachen Saisonstart und dem Trainerwechsel von Tommy Kahler zu Dirk Spornhauer lief es zuletzt deutlich besser: Sechs Spiele in Folge überstand das Team ohne Niederlage, ehe man im letzten Spiel vor der Winterpause in Morbach (1:3) wieder leer ausging. Die Ausbeute von bisher sechs Siegen, 5 Unentschieden und 7 Niederlagen ist keine Katastrophenbilanz, auch wenn man sie mit dem deutlich erfolgreicheren Vorjahr (Platz 5 mit 11 Siegen, 3 Remis und 5 Niederlagen bis zur Winterpause) vergleicht. Mit ein wenig mehr Spielglück wäre auch Platz 6 in Reichweite gewesen – und ist es nach wie vor.

Lukas Litschel im Anflug: Der Torwart zählte im Sommer zu den Neuzugängen des VfB Wissen.

Dennoch muß der Blick aktuell eher nach unten gehen, denn die Mannschaften aus dem Tabellenkeller punkteten zuletzt durch die Bank eifrig, sodass der Wissener Abstand zur Abstiegszone ganze sieben Zähler beträgt. Was in diesem Spieljahr verglichen mit der Saison 22/23 im Dr.Grosse-Siegstadion vor allem fehlt, ist die Heimstärke. Im Vorjahr holte das Team aus seinen 10 Auftritten auf eigenem Platz 25 Punkte und war am Saisonende mit einer Torbilanz von 45:10 (!) die beste Heimmannschaft. In der laufenden Runde gelangen in den 8 bisherigen Heimspielen ganze 11 Treffer, die nur für drei Siege reichten.

Gut besuchte Spiele im Dr.Grosse-Siegstadion waren in dieser Saison leider die Ausnahme, denn schon am 7.Oktober endete mit dem Heimspiel gegen den BC Ahrweiler für unser Team die Rasenplatz-Saison. Danach ging es für die folgenden fünf Heimpartien auf den Hartplatz, was in der Rheinlandliga auch in dieser Saison ein exklusives Vergnügen war. Angesichts des sich regelmäßig bei den Spielen einstellenden Regenwetters waren die Bedingungen auf dem Feld und drumherum eher etwas für die Liebhaber des Schlammcatchens.

Hartplatzromantik pur: Der TuS Immendorf bot den Fans bei seinem Gastspiel in Wissen eine taktische Innovation. Die Koblenzer Vorstädter ermauerten sich, durch einen frühen Platzverweis dezimiert und gegen die Strömung spielend, mit einer konsequenten 6-3-0-Formation einen Punkt.

In den vergangenen Jahren ging es seit 2016 ständig bergauf: Nach den Rängen 6, 5, 2 und 1 in der Bezirksliga gelang nach zwei Jahrzehnten Abstinenz die Rückkehr in die Rheinlandliga. Und auch dort wies die Entwicklung mit den Abschlussplatzierungen 13, 9, 7 und zuletzt 5 ohne Unterbrechung nach oben. Durch den personellen Umbruch im Sommer insbesondere im Defensivverbund war es klar, dass die Fortsetzung dieses Trends ein hohes Ziel ist, auch weil die Rheinlandliga durch die neue Zusammensetzung an Qualität deutlich gewonnen hat. Dennoch bestehen weiter alle Chancen, auch diese Saison zu einem Erfolg zu machen. Wir drücken der Mannschaft die Daumen !