Schlammschlacht in Überzahl: Enttäuschendes 1:1 gegen TuS Immendorf

Das Positive zuerst: Auch im sechsten Spiel in Serie blieb die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen ungeschlagen. Allerdings war das 1:1-Unentschieden auf eigenem Platz nicht unbedingt das, was man sich im Spiel gegen den Neuling TuS Immendorf gewünscht hatte. Nicht nur weil die Gäste aus Koblenz bei ihrem Punktgewinn am Samstag über 50 Minuten in Unterzahl spielten, sprach Trainer Dirk Spornhauer nachher von „zwei verlorenen Punkten“. Durch das Remis schloss der VfB seine Rheinlandliga-Hinrunde mit der ausgeglichenen Bilanz von 6 Siegen, 5 Unentschieden und 6 Niederlagen ab.

Das souveräne Gespann mit Schiedsrichter Fabian Mohr und seinen Assistenten Philipp Leif und Raphael Heinz

Der Hartplatz im Dr.Grosse-Siegstadion war trotz der Schneefälle am Morgen bei Anpfiff in einem passablen Zustand. Der kurz vor dem Anpfiff einsetzende, immer stärker werdende Regen machte das Spielfeld aber nach und nach zur Schlammwüste, die kontrolliertes Paßspiel erschwerte. Eingefunden hatten sich angesichts der äußeren Bedingungen nur 85 Unentwegte, womit die Partie die geringste Kulisse aller Wissener Heimspiele seit dem Wiederaufstieg in die Rheinlandliga im Sommer 2019 hatte. Der Zustand der Zuschauerränge rund um den Hartplatz nötigen aber Verständnis für all die VfB-Fans ab, die zu Hause geblieben waren.

Til Cordes

Dass die Immendorfer ihr Heil in einer strikten Defensivtaktik suchten, konnte nicht überraschen. Eher überraschend war schon, dass sie es mit bissigem Zweikampfverhalten, guter Staffelung und weitgehender Lufthoheit im eigenen Strafraum schafften, den VfB vom eigenen Tor meistens fernzuhalten. Dennoch lag schon nach sechs Spielminuten bei einem Solo von Til Cordes die Wissener Führung in der Luft (Foto oben). Hätte diese Topchance oder eine Serie von Ecken nach rund 10 Minuten das frühe 1:0 gebracht, wäre das Spiel vielleicht anders und wahrscheinlich deutlich ansehnlicher verlaufen.

Steven Winzenburg, hinten Max Krauß

Die ideale Unterstützung für ihre Taktik lieferte den Immendorfern ein Fehler des ansonsten komplett unbeschäftigten VfB-Keeper Lukas Litschel in der 18.Minute, dem nach einem Querpass von Colin Remy im mit Pfützen übersäten Strafraum der Ball über den Spann rutschte, sodass ein TuS-Angreifer das Leder ohne Mühe ins leere Tor schieben konnte. Zwar wurde die Partie danach noch einseitiger, doch trotz über 90% Ballbesitz blieb die Zahl der Wissener Torchancen erstaunlich überschaubar. Armando Grau aus kurzer Distanz, Til Cordes nach einer der vielen Ecken und Steven Winzenburg mit seinem Kopfball nach einer Freistoßflanke von Tim Leidig kamen dem 1:1 am nächsten.

Solide Immendorfer Abwehrarbeit

Kurz vor der Pause ließ sich dann ein TuS-Abwehrspieler, nachdem am eigenen Fünfmetereck bereits auf Freistoß zu seinen Gunsten entschieden war, zu einer klaren Tätlichkeit gegen Max Krauß hinreißen. Schiedsrichter Fabian Mohr, der das intensive Spiel ruhig und souverän über die Runden brachte, stand direkt daneben und schickte den Sünder per roter Karte postwendend unter die Dusche. Damit waren die Vorzeichen für die zweite Halbzeit bei immer stärker werdendem Regen gesetzt.

Armando Grau blieb diesmal ohne Tor

Trainer Dirk Spornhauer zur ersten Halbzeit: „Die Immendorfer waren sehr kampfstark und haben von der Euphorie nach ihrem 3:3 gegen Ahrweiler gelebt. Sie sind sehr destruktiv mit einer 5-4-1-Aufstellung ins Spiel gegangen – aber da musst du halt Lösungen finden und dich viel bewegen. Du brauchst gute Laufwege, und die haben wir nicht oft gefunden. Ein paar Diagonalbälle sind angekommen und wir hatten ein paar gute Chancen. Und dann fängst du dir hinten so eine Kirsche von einem Gegner, der im ganzen Spiel nur ein einziges Mal aufs Tor schießt. Das war ein totaler Blackout von Lukas, aber sowas passiert einfach. Umso unrunder wurde danach unser Spiel.“

Max Krauß und Paul Christian (rechts)

Die Optik der Schlammschlacht nach Wiederanpfiff glich oft der eines Handballspiels: Zwei Drittel der Immendorfer Feldspieler nahmen als Sechserkette am eigenen Strafraum Aufstellung, die drei verbleibenden postierten sich kurz davor – und alle Neun kämpften aufopferungsvoll um jeden Ball und feierten jeden gewonnenen Zweikampf wie die Meisterschaft. Alleine zwischen der 50. und 65.Minute kassierten der TuS so vier gelbe Karten und eine ganze Serie von Freistößen, die aber nichts einbrachten. Immerhin gelang den Gästen nach 68 Minuten bei einem Freistoß ihres Kapitäns aus 25 Metern der erste und einzige Schuss aufs Wissener Tor, nachdem sie in der Anfangsphase einmal das Außennetz getroffen hatten.

Gästekeeper Behr klärt vor Til Cordes

Weiterhin fand der VfB keine Mittel, in den engen Räumen die entscheidende Lücke zu finden, auch wenn es mehrfach wildes Getümmel im Gästestrafraum und nach der 60. Minute auch einige gute Ausgleichschancen gab. Es dauerte so bis zur 82.Minute, ehe das 1:1 fiel. Luca Kirschbaum, der kurz darauf verletzt das Feld verlassen musste, drehte sich an der Strafraumgrenze geschickt um seinen Gegenspieler und steckte durch auf Philipp Weber, der den Ball aus 10 Metern an Keeper Marcel Behr vorbeispitzelte. In der restlichen Zeit änderte sich am einseitigen Spielverlauf, aber auch am Ergebnis nichts mehr.

Eine der zahlreichen Wissener Ecken

Trainer Dirk Spornhauers Fazit: „Wir hatten uns vorgenommen, die Abwehrketten in der 2. Halbzeit in Bewegung bringen und mit tiefen Läufen hinter die Ketten zu kommen, aber das haben wir viel zu selten geschafft. Die Pässe waren oft unsauber, und der letzte Pass vor dem Tor hat gefehlt, auch weil wir es zu kompliziert gemacht haben. Am Ende konnten wir dann froh sein, das das 1:1 durch einen Kraftakt noch gefallen ist. Wenn der Gegner dir aber den Gefallen tut und so eine rote Karte kassiert, dann sind es ganz klar zwei verlorene Punkte.“

Tim Leidig

Mit Abschluss der Hinrunde belegt der VfB Wissen nach diesem Unentschieden einen Platz im Tabellenmittelfeld. Die Abstiegsränge sind neun, die beiden in Sachen Aufstieg interessanten Plätze zehn Punkte entfernt. Angesichts des verkorksten Saisonstarts ist das nicht nur wegen der sechs ungeschlagenen Spiele durchaus als Erfolg zu werten. Schon am kommenden Wochenende geht es weiter. Zum Auftakt der zweiten Halbserie kommt der FC Germania Metternich an die Sieg. Der Tabellenletzte konnte am Samstag durch zwei späte Tore sensationell mit 3:1 beim Titelfavoriten Ahrweiler gewinnen. Man sieht also: Ein sanftes Ruhekissen sind die bisher erzielten 23 Punkte für den VfB sicher nicht.

Luca Kirschbaum (am Ball) und Til Cordes

Die Aufstellung gegen den TuS Immendorf: Lukas Litschel, Mario Weitershagen, Max Krauß, Paul Christian, Colin Remy (69. Felix Arndt), Luca Kirschbaum (85. Alexander Mildenberger), Tim Leidig, Steven Winzenburg, Philipp Weber, Til Cordes (77. Kerem Sari), Armando Grau. Schiedsrichter: Fabian Mohr (SG Strohn).

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