Ausgerechnet im Lokalderby gegen die Sportfreunde Schönstein zeigte die 2.Mannschaft des VfB Wissen die mit Abstand schwächste Leistung in der bislang so erfolgreichen Saison und verlor hochverdient mit 0:3. Das Ergebnis war die logische Konsequenz eines starken Auftritts der bislang auswärts chronisch erfolglosen Gäste, die erstmals in der laufenden Runde ohne Gegentor blieben, während der VfB II die höchste Niederlage seit über zweieinhalb Jahren kassierte.
Die indiskutable Leistung kam nach zuletzt vier Siegen aus fünf Spielen völlig überraschend. Das Resultat lässt sich auch kaum durch das Fehlen von Spielertrainer Emre Bayram, Hüseyin Samurkas, Sebastian Girresser, Lukas Deger, Alexander Mildenberger, Pascal Freudenberg, Marlon Schumacher, Lorenz Klein, Kerem Sari und Felix Beib erklären. In Normalform hätte auch die Besetzung vom Sonntag den angestrebten Heimsieg einfahren können – aber davon war der VfB II an diesem Nachmittag weit entfernt, während die Gäste mit viel Leidenschaft in der Abwehrarbeit und Zielstrebigkeit im Abschluss glänzten.
Maik Schnell im Zweikampf mit Schönsteins Philipp Petzold.
Die Umstellungen, zu denen Trainer Emre Bayram wegen der zehn Ausfälle in Mittelfeld und Abwehr gezwungen war, schienen dem Team die bisher gezeigte defensive Stabilität genommen zu haben. Zwar übernahm der VfB II vom Anpfiff weg das Kommando und drängte die Gäste weit zurück, doch schon früh zeigten sich bei den meist durch lange Bälle in die Spitze eingeleiteten Schönsteiner Entlastungsangriffen erstaunliche Lücken auf Wissener Seite. Angesichts der vor allem zu Beginn miserablen Platzverhältnisse erwies sich die Spielweise der Sportfreunde als geeignetes Mittel.
Tom Louis Siegel gegen den langjährigen, vor kurzem 38 Jahr alt gewordenen Maik Schmidt.
Dennoch fiel das 0:1 nach 20 Minuten aus dem Nichts, denn erst ein Fehlpass am Strafraum brachte René Meyer in Position, die er zu einem satten Schuss ins Netz nutzte. Schon zwei Minuten später kam Schönstein zu einer weiteren Chance, und nach dem nächsten VfB-Blackout hiess es bald 0:2 (29.). Philipp Pöttgen hatte am rechten Flügel ca. 400 Quadratmeter ganz allein für sich, so dass er ungestört auf Dennis Schumacher zulaufen konnte und den VfB-Keeper mit einem Schlenzer aus spitzem Winkel überwand. Und nach einem Kopfball (35.), der links am Tor vorbeiging, hätten die Sportfreunde sogar auf 0:3 erhöhen können.
Kein Durchkommen für Philipp Freudenberg …
… und in dieser Szene fischte ihm der Gästekeeper den Ball noch vom Fuß.
Und der VfB ? Ballbesitz: 80%. Ecken und Freistöße: Ganz viele. Torgefahr: Nahe Null. Niklas Winter im Gästetor musste nicht allzu oft eingreifen, weil die Wissener Angriffe bei aller Überlegenheit nur selten gefährlich bis in den Strafraum kamen. Die beste Chance hatte Philipp Freudenberg (Foto oben). Die im Saisonverlauf angesichts von 40 Gegentoren oft instabile Gästeabwehr agierte diesmal, von Routinier Yalcin Aksac trotz seiner Leistenprobleme gut organisiert, sehr sicher. Das Wissener Kombinationsspiel, durch die vielen Pfützen ohnehin erschwert, endete oft mit Stockfehlern oder Fehlpässen. In der Sturmmitte tat sich Maik Schnell, mit zehn Saisontoren bisher bester VfB-Torschütze, gegen seinen ständiger Bewacher Tobias Reiss sehr schwer.
Mario Weitershagen ging stark angeschlagen ins Spiel, hielt aber durch.
Wenn es eine Chance zur Wende im Spiel gab, dann unmittelbar nach Wiederanpfiff. Direkt beim ersten Wissener Angriff wurde Max Ebach im Strafraum gelegt (46.) und Schiedsrichter Birol Koyun entschied auf Elfmeter. Philipp Freudenberg übernahm die Verantwortung, jagte seinen scharf geschossenen Strafstoß aber über das Tor. Dass nach 58 Minuten ein Schuss von Jakub Kordowsky von einem Wissener Abwehrbein abgefälscht wurde und sich hinter Dennis Schumacher unhaltbar zum 0:3 ins Netz senkte, passte zu diesem gebrauchten Tag aus Wissener Sicht.
Der vergebene Foulelfmeter.
Was folgte, war eine gute halbe Stunde Wissener Anrennens, viele Spieler im Schönsteiner Strafraum, viele Emotionen und auch ein paar gute Gelegenheiten zum Anschlußtreffer – aber kein Tor. So blieb es beim 0:3, das Emre Bayram kurz und treffend so kommentierte: „Das war nichts“. Mit ihrem fünften Saisonsieg verbesserten sich die Gäste auf den zehnten Tabellenplatz, während der VfB II angesichts der Siege der direkten Konkurrenten an der Spitze der Kreisliga A auf den vierten Rang zurückfiel.
Max Ebach (rechts) und Maik Schmidt.
Bei aller Enttäuschung über die Pleite im letzten Spiel des Kalenderjahres dürfen aus Wissener Sicht der erfolgreiche Verlauf der Hinrunde und die vielen überzeugenden Auftritte nicht vergessen werden. Neun Siege bei drei Unentschieden und drei Niederlagen sind eine bärenstarke Bilanz, die jeder im VfB-Lager zu Rundenbeginn im Sommer sofort unterschrieben hätte.
Jasper Müller.
Wer als Aufsteiger zwei Drittel aller möglichen Punkte holt, sollte dehalb nicht unzufrieden mit dem Abschneiden sein. Die gute Tabellenposition lässt alle Optionen für die am zweiten März-Wochenende bei der SG Rennerod beginnende zweite Halbserie offen. Zwar ist Spitzenreiter Herschbach nach seiner jüngsten Siegesserie schon sieben Punkte voraus, doch auch Platz 2 bietet wie in der Vorsaison erneut Aufstiegschancen.
Viel Betrieb im Schönsteiner Strafraum, aber kein Wissener Tor.
Die VfB-Aufstellung gegen Schönstein: Dennis Schumacher, Mario Weitershagen, Adrian Ueckerseifer (69. Lukas Klein), Tom Louis Siegel (86. Silas Piontek), Simon Ebach, Jasper Müller (34. André Schneider), Dennis Ferfort, Julian Happ (46. Melvin Seifer), Philipp Freudenberg (74. Mehmet Tas), Max Ebach, Maik Schnell.
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