Schwere Verletzung von Armando Grau überschattet 3:0-Heimsieg gegen Wittlich

Über die drei wichtigen Punkte, die die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen gegen den Aufsteiger Rot-Weiß Wittlich einfuhr, sprach nach der Partie niemand mehr. Zu geschockt waren alle von dem maximal brutalen Foul an Armando Grau, das dem besten VfB-Torschützen nach 64 Spielminuten mutmaßlich einen Schien- und Wadenbeinbruch bescherte und wegen des Notarzteinsatzes eine halbstündige Unterbrechung verursachte. Nur eine Woche nach der schweren Verletzung von Philipp Weber fällt damit der zweite wichtige Stammspieler für lange Zeit aus.

Das souveräne Schiedsrichter-Gespann mit Referee Michael Bell-Simons und seinen Assistenten Leo Gladbach und Coshido Thelen.

Auf dem Rasen im Dr.Grosse-Siegstadion verliefen die ersten 20 Minuten verteilt und eher ereignisarm. Zwar hatte der VfB schon nach drei Minuten im Anschluss an die erste Ecke eine gute Chance, ansonsten spielte sich das Geschehen aber überwiegend zwischen den Strafräumen ab. Erst allmählich gelang es dem Spornhauer-Team, durch schnelles Spiel über die Flügel Druck aufs Gästetor aufzubauen. Das zahlte sich noch vor der Halbzeit aus, und zwar gleich doppelt. Nach 32 Minuten setzte sich Til Cordes auf dem linken Flügel durch und hätte Gästekeeper Philipp Berhard fast überlistet, der den gelupften Ball aus spitzem Winkel aber noch mit den Fingerspitzen über die Latte lenken konnte.

Das 1:0-Führungstor durch Paul Christian.

Die anschließende Ecke von Micha Fuchs fand am langen Pfosten den aufgerückten Paul Christian, der den Ball volley nahm und aus kurzer Distanz zum 1:0 (32.) unter die Latte jagte. Nun waren die Wittlicher in die Defensive gedrängt und nach einigen weiteren Torszenen war es Armando Grau, der mit seinem 15. (und leider letzten) Saisontor zum 2:0 erhöhte. Die Vorarbeit zu diesem Treffer nach 39 Minuten hatte Luca Kirschbaum geleistet, der nach einem perfekten Pass noch den Torwart aussteigen ließ und dann uneigennützig auf Armando querlegte.

Luca Kirschbaum auf dem Weg zum 2:0.

Nach dem Wiederanpfiff von Schiedsrichter Michael Bell-Simons dauerte es ganze drei Minuten, ehe der VfB mit seinem dritten Tor nach einem perfekten Angriff über die rechte Seite den Sack endgültig zumachte. Justin Kirschbaum flankte, Bruder Luca stand in der Mitte goldrichtig und verwandelte den Ball per Direktabnahme zum 3:0 (48.). Was folgte, hätten sich alle Wissener Akteure, das Schiedsrichtergespann und auch die 150 Zuschauer sicher gerne erspart. Was einige Wittlicher in der folgenden Viertelstunde zeigten, wird sie bei vielen Anwesenden in denkbar schlechter Erinnerung erhalten.

Dank des Torschützen Armando Grau an den Vorbereiter Luca Kirschbaum.

Manchen Gästeakteuren schien angesichts der sich abzeichnenden Niederlage die Selbstkontrolle komplett verloren zu gehen, anders ist das Verhalten in einem bis dahin nicht unfairen Spiel kaum zu erklären. Den Auftakt machte ein Foul an der Mittellinie, das Gabriel Harig nach 54 Minuten hochverdient die rote Karte einbrachte. Der Wittlicher wurde von Til Cordes überlaufen, nahm die Verfolgung auf und trat dem VfB-Angreifer mit voller Absicht und wohl reichlich Frust gesundheitsgefährdend von hinten in die Beine. Es dauerte lange, bis sich der Sünder entschloß, aufreizend langsam den Platz zu verlassen.

Justin Kirschbaum (rechts) bereitete das dritte Wissener Tor vor.

Til Cordes hatte Glück, die Attacke halbwegs unversehrt zu überstehen. Dieses Glück sollte Armando Grau nur beim ersten XXL-Foul nach 61 Minuten haben, als ihn Ayman Habbouchi von hinten am Knöchel attackierte. Sieben Minuten später folgte dann die Szene, die das Ergebnis zur Nebensache werden ließ. Bei einem schnellen Konter wurde Armando Grau am gegnerischen Strafraum angespielt und legte den Ball sofort zurück auf Micha Fuchs. Als der Ball bereits gespielt war, setzte Wittlichs Kapitän Maximilian Düpré zu einer Blutgrätsche an und traf den VfB-Stürmer mit gestreckten Bein am Schienbein.

Die erste von zwei bösen Attacken überstand Armando Grau nach 61 Minuten noch unbeschadet.

Nicht viele Augenzeugen werden sich an noch brutalere Fouls erinnern können. Konsequenz: Die zweite rote Karte für die Wittlicher an diesem Tag und sofortige Bemühungen um Notarzt und Krankenwagen. VfB-Mannschaftsarzt Dr. Peter Janka und der ebenfalls anwesende Dr. Andreas Stühn eilten auf den Platz und kümmerten sich um die Erstversorgung des schwer verletzten Spielers. Bis zu seinem Abtransport war die Partie dann fast eine halbe Stunde unterbrochen. Immerhin konnte Armando auf dem Weg zum Krankenwagen von der Transportliege auf den aufmunternden Applaus des Publikums noch mit einem Winken reagieren. Gute Besserung !!!

Das Horrorfoul von Wittlichs Maximilan Düpré, bei dem Armando Grau eine Unterschenkel-Fraktur erlitt. Der Ball war, wie das Bild zeigt, längst gespielt.

Man darf gespannt sein, welche Sperre nach einer solchen Aktion ausgesprochen wird. Milde darf man sich hier wirklich nicht wünschen. Mit 11 gegen 9 und einem Zwischenstand von 3:0 war das Spiel gelaufen, aber auf Fußball hatte für die nach der Unterbrechung noch zu spielenden 26 Minuten ohnehin niemand mehr Lust – und das galt wohl für beide Seiten.  So einigte man sich auf einen Nichtangriffspakt und ließ die restliche Spielzeit mit Ballgeschiebe, Auslaufen und deeskalierenden Gesprächen verstreichen.

Paul Christian am Ball.

Mit dem zehnten Saisonsieg verbesserte der VfB seine Ausbeute auf 37 Punkte. Dank der überwiegend passenden Ergebnisse der Konkurrenz beträgt der Abstand zu den Abstiegsplätzen nunmehr sechs (bei fünf Absteigern aus der Rheinlandliga) bzw. acht Zähler (im Fall von vier Absteigern). Angesichts des Ausfalls seines besten Torschützen ist das aber auf dem Weg zum Klassenerhalt noch nicht einmal die halbe Miete. Es gilt nun, zusammenzurücken und am kommenden Samstag mit einem weiteren Heimsieg gegen den FSV Salmrohr die 40-Punkte-Marke zu knacken.

Micha Fuchs im Zweikampf mit Wittlichs Daniel Braun.

Die VfB-Aufstellung gegen Rot-Weiß Wittlich: Philipp Klappert, Max Krauß, Paul Christian, Mario Weitershagen, Tom Pirsljin, Steven Winzenburg, Justin Kirschbaum (69. Tim Leidig), Micha Fuchs, Luca Kirschbaum, Til Cordes, Armando Grau (69. Emre Bayram). Schiedsrichter: Michael Bell-Simons. Zuschauer: 150.

(c) Fotos: PS / balu. Bilder in der Galerie zum Vergrößern und für höhere Auflösung bitte anklicken.