Der siebte Spieltag der Bezirksliga brachte der 1. Mannschaft des VfB Wissen den siebten Sieg. Allerdings wird das 4:2 (2:1) beim Aufsteiger SG Guckheim /Kölbingen sicher nicht als Highlight der Saison in die Chronik eingehen. Aber auch, wenn die Leistung diesmal Luft nach oben ließ: Die weiße Weste wurde gewahrt, die Tabellenführung verteidigt – und mehr als drei Punkte bringt auch eine Galavorstellung nicht ein.
Zu den bekannten Ausfällen gesellten sich am Samstag im VfB-Kader noch der erkrankte Steven Winzenburg und der beruflich verhinderte Tom Pirsljin. Immerhin konnten die noch angeschlagenen Felix Arndt, Til Cordes und Jakov Jancek zumindest auf der Bank Platz nehmen und nach der Pause eingewechselt werden. Durch das Fehlen der Offensive kam Verteidiger Paul Christian zu einem unverhofften Einsatz in der Sturmspitze.
Eine stark besetzte Bank kann spielentscheidend sein.
Zu Beginn liefen die Akteure des VfB dem Gegner zu oft nur hinterher.
Schon vor dem 1:0 der SG Guckheim geriet das Wissener Tor mehrfach in Gefahr.
Das VfB-Team tat sich in der Anfangsphase auf dem nicht leicht zu bespielenden Rasenplatz in Kölbingen ausgesprochen schwer. Offensiv lief wenig zusammen, während die Hausherren in der Zweikampfbilanz zunächst vorne lagen und auch immer wieder gefährlich vor das Wissener Tor kamen. Zweimal konnte Keeper Lukas Litschel eine frühen Rückstand vermeiden, doch nach einer knappen halben Stunde schlug es schließlich in seinem Kasten ein.
Wegen des akuten Stürmermangels durfte sich Verteidiger Paul Christian zunächst im Angriff versuchen.
Auch Verteidiger Marius Wagner rückte immer wieder auf.
Das 1:0 (29.), das der völlig freistehende Alexander Kolb nach einer flachen Hereingabe von links im zweiten Versuch erzielte, war deshalb alles andere als überraschend. Immerhin wirkte das Gegentor als Weckruf, denn nun wurde das VfB-Spiel druckvoller und brachte bald auch einige Torgelegenheiten ein. Dennoch war die 2:1-Pausenführung, die der Doppelschlag durch Hüseyin Samurkas (40.) und Ertugrul Tuysuz (44.) brachte, eher schmeichelhaft.
Ertugrul Tuysuz brachte den VfB mit 2:1 in Führung.
Sie hielt auch nur bis zur 51.Minute: Das zweite Gegentor entstand aus einem kapitalen Bock am eigenen Strafraum, der Nico Lauf ohne eigenes Zutun in Ballbesitz brachte. Sein Flachschuss zum 2:2 passte genau ins rechte untere Eck. Guckheim revanchierte sich für die Schützenhilfe schon vier Minuten später, als ein unglückliches Eigentor des SG-Verteidigers Luca Goldhausen den VfB wieder mit 3:2 (55.) in Führung brachte.
Jannik Krämer (unten beobachtet von Trainer Dirk Hannappel).
Danach hatte die Mannschaft von Trainer Dirk Hannappel ihre stärkste Phase und profitierte von der Einwechslung des angeschlagenen Jakov Jancek. Die bis dahin vermisste spielerische Dominanz stellte sich ein. Das vierte Tor blieb allerdings trotz einer ganzen Serie bester Chancen aus und so blieb die Partie spannend. Guckheim überstand einige dieser zum Teil gekonnt herausgespielten Torszenen mit Glück und hatte schließlich sogar noch zweimal die Chance zum erneuten Ausgleich.
Glückwünsche für Hüseyin Samurkas (vorn) nach seinem Tor zum 1:1-Ausgleich.
Es dauerte letztlich bis in die Nachspielzeit, ehe der ebenfalls eingewechselte Felix Arndt den Ball am herauseilenden Torwart vorbeispitzeln konnte und so den mitgereisten Wissener Anhang in der Nachspielzeit mit dem 2:4 erlöste. Til Cordes hatte dann sogar noch das 2:5 auf dem Fuß, setzte seinen Schlenzer aber knapp neben das Tor. Direkt danach erfolgte der Abpfiff durch Schiedsrichterin Antonia von Koelichen, die das Spiel ruhig und souverän leitete.
Lukas Becher.
Das Urteil von Trainer Dirk Hannappel: „Zum Spiel darf mir heute keiner gratulieren, sonst hat er einen Freund weniger. Ich habe einen leichten Schockzustand, denn ich hätte mir nicht vorstellen können, dass wir solchen Fußball spielen, wenn man das heute als Fußball bezeichnen will. Das war die mit Abstand schlechteste Leistung, seit ich in Wissen Trainer bin, und trotzdem haben wir am Ende verdient gewonnen. Aber gut geht anders, und zwar von der ersten bis zur letzten Minute.“
Tim Leidig am Ball – und bei der Gratulation für den Torschützen Ertugrul Tuysuz (unten).
„Der Gegner hat das heute sehr gut verteidigt. Sie haben die Räume gut zugestellt und wir haben 90 Minuten nicht kapiert, dass Guckheim uns auf jeden Querpass angelaufen hat. Die komplette Offensivreihe fehlt uns ja nun schon seit zwei Wochen. Ich habe zwar dann wechseln können, aber die angeschlagenen Jungs sind einfach noch nicht richtig fit und das hat man auch gemerkt, obwohl von der Bank dann natürlich noch mal richtig Potenzial reinkam.“
Philipp Weber.
„Immerhin haben wir es in der zweiten Halbzeit dann auch offensiv besser gemacht, aber bis zum Schluss habe ich keine echte Einheit auf dem Platz gesehen. Solche Spiele hat man einfach mal. Jetzt putzen wir uns den Mund ab, freuen uns am Wochenende über die drei Punkte und am Montag reden wir dann drüber, warum wir fast nichts von dem umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten. Insgesamt hatte der Auftritt heute wirklich nichts mit der überragenden Trainingswoche davor zu tun.“
Die VfB-Aufstellung in Kölbingen: Lukas Litschel, Tim Leidig, Julian Wienold (46. Jakov Jancek), Paul Christian, Marius Wagner (70. Jerome Neuhoff), Mustafa Tuysuz (68. Til Cordes), Jannik Krämer, Philipp Weber, Ertugrul Tuysuz (61. Felix Arndt), Lukas Becher (88. Luca Lutz), Hüseyin Samurkas. Schiedsrichterin: Antonia von Koelichen (Rheinbreitbach).
Die nächsten Aufgaben: