Trier-Tarforst verursacht Spielabbruch durch Tätlichkeit gegen den Schiri

Einen denkbar unwürdigen Abschied nahm die aus Wissener Sicht so erfreuliche Rheinlandliga-Saison beim letzten VfB-Heimspiel gegen den FSV Trier-Tarforst. Nach einer Tätlichkeit eines Trierer Spielers gegen Schiedsrichter Christian Fritzen wurde die Partie beim Stand von 1:0 für den VfB bereits kurz vor der Pause abgebrochen. So sorgten am Pfingstwochenende gleich zwei Vereine für einen peinlichen Saisonausstand: Absteiger SG Neitersen trat in Ehrang erst gar nicht an, Trier-Tarforst hinterließ in Wissen einen eher schlechten Eindruck.

Felix Arndt hatte gute Chancen zum Führungstreffer.

Dabei hatte die Partie der Tabellennachbarn bei schönstem Frühsommerwetter zunächst vielversprechend begonnen. Der VfB, der ohne seinen beruflich verhinderten Torjäger Armando Grau antreten musste, machte Druck und kam auch schnell zu hervorragenden Chancen, um früh in Führung zu gehen. Gleich vier Mal boten sich Felix Arndt Top-Gelegenheiten zum 1:0, doch mehr als ein Aluminium-Treffer sprang nicht heraus.

Die beste Gelegenheit der Trierer, die ebenfalls auf einige Stammspieler verzichten mussten, entstand nach einer Freistoßflanke von der linken Seite, die VfB-Keeper Philipp Klappert entschärfte. Zu diesem Zeitpunkt war die faire Partie längst hektisch geworden, und die Hektik kam von außen. Lautstarke Kommentare von der Trierer Trainerbank in Richtung Schieds- und Linienrichter  begleiteten nun fast jeden Zweikampf und selbst jede Abseits- oder Einwurfentscheidung. Zweimal war die Partie deshalb unterbrochen.

Tim Leidig.

Trainer Thomas Kahler war mit dem Auftritt seiner Jungs bis dahin rundum zufrieden: „Unsere Leistung war sehr gut. Die Jungs waren geil und bissig und haben klar sofort gemacht, dass wir das Spiel heute gewinnen wollen. Wir waren von der ersten Minute an wach und präsent in den Zweikämpfen und haben Nadelstiche nach vorn gesetzt. Wir hatten drei überragende Chancen und den Pfostenschuß von Felix Arndt. Das dann der klare Foulelfmeter zum 1:0 geführt hat, war gemessen am Spielverlauf absolut gerecht.“

Der Elfmeter zum 1:0.

Für eine weitere Steigerung des Adrenalinspiegels beim FSV sorgte dann genau dieser Foulelfmeter, der zum 1:0 führte. Bei einer Flanke von rechts wurde Paul Christian, der zum Kopfball ansetzen wollte, am Elfmeterpunkt umgerissen. Trotz des recht eindeutigen Fouls war Schiedsrichter Fritzen sofort von einer heftig protestierenden roten Spielertraube umringt, bis zur Ausführung des Strafstoßes dauerte es fast 2 Minuten. Philipp Weber ließ sich nicht beirren und versenkte den Ball zum 1:0 (37.) halbhoch im linken Eck.

Max Krauß am Ball.

Nun erhitzte sich die Situation weiter und zwei Herren von der Trierer Bank wurden (wie auch ein Akteur auf Wissener Seite) des Innenraums verwiesen. Bei einem Zweikampf an der Mittellinie wenige Minuten später, bei dem die Gäste wohl zurecht einen Freistoß forderten, kam es dann zur finalen Eskalation. Ein bereits verwarnter Trierer Spieler meckerte fortgesetzt, sah die Gelb-Rote Karte und suchte anschließend den Körperkontakt mit dem Schiri.  Die einfache Gleichung im Regelwerk für diesen Fall lautet: Tätlichkeit gegen den Schiri = Sofortiger Spielabbruch. Immerhin blieb danach alles im Rahmen und beide Teams verließen ruhig den Platz.

Tommy Kahler hatte freie Sicht auf das Geschehen und meinte zum ersten derartigen Spielabbruch seit vielen Jahrzehnten im Dr.Grosse-Siegstadion: „Das war ein No-Go für alle Fußballer. Wenn ein Spieler den Schiedsrichter angreift, fehlt mir jedes Verständnis. So etwas hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen, auch wenn es nicht wild war. Es war absolut richtig, dass der Schiedsrichter das Spiel sofort abgebrochen hat.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Philipp Klappert greift ein.

Fazit I: Die sportliche Qualität kann man der Mannschaft von Trier-Tarforst nicht absprechen, insbesondere die 101 erzielten Tore sind eine überragende Bilanz. Auch die FSV-Sportanlage im Trierer Süden ist geradezu vorbildlich. In ein paar anderen Kategorien fällt das Urteil nach den (vielleicht nicht repräsentativen) Eindrücken aus den beiden Duellen dieser Saison nicht ganz so makellos aus. Hoffen wir, dass bei den Aufeinandertreffen der kommenden Saison wieder der Fußball im Mittelpunkt steht, es fair zugeht und vor allem die Schiedsrichter respektiert werden.

Micha Fuchs.

Fazit II: Die drei Punkte aus dem am Samstag abgebrochenen Spiel dürften am grünen Tisch in Wissen bleiben. Der VfB beendet die Saison 2022-23 damit auf einem hervorragenden fünften Tabellenplatz. Angesichts der Serie langer verletzungsbedingter Ausfälle ist das eine ohne jede Einschränkung gute Bilanz, auch wenn bei der zwischenzeitlichen Tabellenführung im Herbst noch mehr drin zu sein schien. Die kommende Runde wird mit den vier Oberliga-Absteigern und starken Neulingen aus der Bezirksliga eine echte Herausforderung sein.

Die VfB-Aufstellung gegen Tarforst: Philipp Klappert, Mario Weitershagen, Paul Christian, Max Krauß, Julian Wienold, Tim Leidig, Til Cordes, Steven Winzenburg, Micha Fuchs, Felix Arndt, Philipp Weber. Auf der Bank saßen Marius Wagner, Emre Bayram, Pascal Freudenberg, Justus Stühn und Elias Ermert.

Julian Wienold.

Am Mittwoch nächster Woche wird sich die Mannschaft noch einmal treffen, um den Saisonabschluß zu feiern und die ausscheidenden Spieler würdig zu verabschieden. Außerdem gilt es ja noch, die 2.Mannschaft bei ihrem Entscheidungsspiel lautstark zu unterstützen. Danach geht es in die kurze Sommerpause, bevor in einem Monat bereits wieder die Vorbereitung auf die neue Rheinlandliga-Saison 2023-24 beginnt, die für den VfB Wissen (abgesehen von den Jahren in der Ober- und Regionalliga) bereits die 41. Spielzeit in der höchsten Verbandsklasse ist.

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