Die beiden positiven Aspekte vorweg: Im dritten Saisonspiel der Kreisliga A gegen die SG Herdorf bot die 2.Mannschaft im Spiel nach vorn die beste Leistung seit Monaten. Und: Das Team von Spielertrainer Emre Bayram bewies am Freitagabend tolle Moral und holte gleich vier Mal einen Rückstand auf. Trotzdem jubelten am Ende der Partie im strömenden Regen nur die Gäste, während der VfB angesichts von drückender Überlegenheit, 50 Minuten Überzahl und einer Unzahl ungenutzter Torchancen von zwei verlorenen Punkten sprechen konnte.
Alle vier Gegentreffer fielen nach perfekt vorgetragenen Kontern gegen eine weit aufgerückte Wissener Abwehr, und die Herdorfer konnten durch maximale Effizienz im Abschluss nachweisen, dass auch mit weniger als 20% Ballbesitz ein Punktgewinn möglich ist. Neben der mehrfachen Überforderung bei den wenigen, aber schnellen Angriffen des Aufsteigers war es vor allem der verschwenderische Umgang mit den eigenen Chancen, der den ersten Saisonsieg der Heimelf verhinderten.
Simon Ebach und Mario Weitershagen (ganz rechts) bei einem der zahlreichen Wissener Eckbälle.
Vor der guten Kulisse von 150 Zuschauern begann der VfB stark und kam schon in den ersten Minuten zu drei Ecken. Nach dem dritten dieser Eckbälle fiel (wie schon letzte Woche in Niederfischbach) in der 8.Minute das 0:1. Die prompte Antwort lieferte Max Ebach, der zunächst die Latte traf (10.), dann auch den Pfosten anvisierte und den Abpraller zum 1:1-Ausgleich (13.) ins Netz setzte. Danach zeigte sich, dass die Herdorfer Gäste an diesem Tag ihre Stärken eher in der Offensive als in der Abwehr hatten, denn fast im Minutentakt kam der VfB durch gutes Flügelspiel nun zu besten Gelegenheiten.
Marius Wagner.
Dennoch ging auch der nächste Treffer wieder an die SG, und erneut war es ein Konter, der das 1:2 (29.) brachte. Noch vor der Pause geriet Herdorf nach einem groben Foul an Emre Bayram per roter Karte in Unterzahl, rettete aber dennoch die schmeichelhafte Führung in die Kabine, weil der VfB aus seinen guten Kombinationen zwar ein halbes Dutzend Top-Gelegenheiten, aber kein weiteres Tor machte. Das 2:2 (52.) fiel dann bald nach der Pause, als Maurice Michel einen an Emre Bayram verursachten Foulelfmeter sicher verwandelte.
Julian Happ.
Wieder folgte drückende Überlegenheit, und wieder kam die kalte Dusche. Immerhin hatte auch das 2:3 (61.) durch einen Fernschuss nur kurz Bestand, denn Maurice Michel stellte mit seinem zweiten Tor an diesem Abend erneut den Gleichstand her. Nun waren durchgehend 21 Spieler im und rund um den Herdorfer Strafraum versammelt, und doch schlug der Ball noch einmal im von Dennis Schumacher gehüteten Tor ein. Nach einem eigenen Einwurf in den gegnerischen Strafraum ließ sich die VfB-Defensive von einem Befreiungsschlag komplett überraschen, sodass der schnelle Erkan Koc von der Mittellinie alleine auf den Wissener Kasten zugehen und zum 3:4 (75.) vollenden konnte.
Adriano Oppedisano am Ball.
Simon Ebach glich schon vier Minuten später zum 4:4 (79.) aus, und in der verbleibenden Spielzeit lag der VfB-Siegtreffer permanent in der Luft. Die Gäste verteidigten nun mit Mann und Maus und profitierten davon, dass dem blau-weißen Angriff die entscheidende Treffsicherheit fehlte. Noch in der Nachspielzeit zischte ein von der Mauer abgefälschter Freistoß von Maurice Michel hauchdünn am linken Pfosten vorbei und ein Schlenzer von Max Ebach wurde per Kopf auf der Linie geklärt.
Simon Ebach (Nr.6) erzielte den letzten Treffer des Spiels zum 4:4-Endstand.
Fazit: Der Neuling aus Herdorf verdiente sich das Remis trotz klarer optischer Unterlegenheit durch seine Konterstärke und bleibt mit 5 Punkten nach drei Spielen ungeschlagen. Der VfB kann auf der überzeugenden Leistung und der guten Moral aufbauen, wird sich mit dem am Freitag gezeigten Harakiri-Ansatz aber noch häufiger um den verdienten Lohn bringen. Gelingt es, die spielerischen Qualitäten mit der früheren defensiven Stabilität zu verbinden, ist schon bald (vielleicht am kommenden Wochenende in Westerburg) der erste Dreier möglich.
Der strömende Regen sorgte für eine gut gefüllte Tribüne.