Nach den beiden Siegen zum Auftakt kassierte die Rheinlandliga-Mannschaft des VfB Wissen mit dem 1:3 gegen die SG Schneifel die dritte Niederlage in Serie. Wie schon im Vorjahr bewiesen die Gäste auch diesmal, wie man aus wenig Ballbesitz durch Effizienz im Abschluss maximalen Ertrag generiert. Mit den zu Saisonbeginn geholten sechs Punkten bleibt der VfB im Mittelfeld der Liga, muss aber in den nun folgenden Partien gegen die drei Aufsteiger aus Schweich, Westerburg und Linz wieder punkten, um nicht in die Nähe der Abstiegsregion abzurutschen.
Diese Szene steht exemplarisch für die 90 Minuten: Schneifel unter Druck, aber obenauf.
Vor 155 Zuschauern hätte der Auftakt gegen die SG Schneifel auf dem Rasen im Dr.Grosse-Siegstadion nicht schlechter laufen können: Im Mittelfeld wurde Steven Winzenburg gefoult und blieb liegen, und während man beim VfB vergeblich auf den Pfiff des Schiedsrichters wartete, brachten die Gäste ihren Konter eiskalt ins Ziel. Beim 0:1 nach sechs Minuten, dass Michael Zeimmes nach einer Hereingabe von außen aus kurzer Distanz erzielte, sah die Wissener Defensive alles andere als gut aus.
Philipp Weber am Ball.
Trainer Dirk Spornhauer zu diesem Fehlstart: „Wir sind beim ersten Angriff von Schneifel gleich kalt erwischt worden. Vielleicht war das auch der Tatsache geschuldet, dass wir in der Defensive schon wieder zweimal umstellen mussten. Ich hatte Justin von Beginn an geplant, aber der steckte mit dem Zug irgendwo fest. Wenn du schon mit der ersten Aktion hinten liegst, musst du dich erstmal erholen und das Spiel sortieren, trotzdem hatten wir anschließend die besseren Chancen. Natürlich mussten wir dann das Spiel machen, was gegen die kompakt stehenden Schneifeler nicht einfach war“.
Felix Arndt (rechts).
Dennoch kam der VfB zu einigen Gelegenheiten, doch sowohl Felix Arndt als auch zweimal Til Cordes verpassten den Ausgleich. Insgesamt aber ließ die erste Halbzeit trotz hoher Laufbereitschaft in spielerischer Hinsicht ganz viel Luft nach oben, sodass der 0:1-Pausenstand die logische Folge war. Zur Pause kam Justin Kirschbaum für Dominik Soldo, und der druckvolle Start in den zweiten Spielabschnitt war vielversprechend.
Dieser Kopfball von Max Krauß traf die Latte.
Gleich bei der ersten Ecke nach Wiederanpfiff traf Max Krauß per Kopf die Latte des Schneifeler Tores, und auch danach lag bei mehreren turbulenten Szenen im Gästestrafraum das 1:1 in der Luft. Die stärkste VfB-Phase des Spiels wurde schließlich nach 59 Minuten mit dem Ausgleich belohnt, als Til Cordes einen Linksschuß aus dem Gewühl heraus ins linke Toreck setzte. Schon beim nächsten Angriff bot sich nach einem Querschläger eines SG-Verteidigers die Chance zur Führung, doch diesmal kullerte der mehrfach abgefälschte Ball knapp am Pfosten vorbei.
Til Cordes sorgte für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich.
Auch bei mehreren weiten Einwürfen von Steven Winzenburg bewies die Schneifeler Abwehr, dass sie an diesem Nachmittag alles andere als unüberwindbar war, doch der zählbare Erfolg für den VfB blieb aus. Postwendend folgte nach 63 Minuten die kalte Dusche. Aus einem eigenen Angriff folgte der schnelle Konter über die linke Angriffseite. Die Gäste, die bis dahin in der 2.Halbzeit kaum zum Luftholen gekommen waren, nutzen diesen Konter gegen die aufgerückte Wissener Abwehr zum ernüchternden 1:2.
Fast immer brachte die Schneifeler Abwehr noch ein Bein dazwischen.
Trainer Dirk Spornhauer konstatierte: „Schneifel hat heute mit den zwei großen Spitzen eine hohe Effektivität an den Tag gelegt. Wir hatten viele gute Abschlüsse und Pech beim Lattentreffer von Max. Der Ausgleich war lange verdient und nach dem 1:1 hätte es eigentlich für uns laufen müssen. In unserer Druckphase, als wir drauf und dran waren, das Spiel zu kippen, kassieren wir dann so ein einfaches Tor. Wir verlieren im rechten Mittelfeld einen Zweikampf und die ganze linke Seite war geöffnet, weil die Rückwärtsbewegung fehlte.“
Bei dieser guten Schußchance traf Felix Arndt den Ball nicht richtig.
Dieses nach dem Spielverlauf und in seiner Entstehung frustrierende Gegentor zog dem VfB zunächst den Stecker, ehe es wieder nach vorn ging. Aus der bis zum Abpfiff anhaltenden klaren Überlegenheit entstanden aber viel zu wenig klare Chancen, weil sich nun auch viele Fehlpässe im Aufbau einschlichen. Die besten Gelegenheiten, nochmal für eine Wende zu sorgen, hatten Luca Kirschbaum und Til Cordes, dessen Freistoß von der Strafraumgrenze zwar die nur gut fünf Meter entfernte Mauer, nicht aber den Torwart überwand.
Marius Wagner.
Mit dem 1:3 (84.) nach einem erneuten Konter war der Kuchen dann gegessen. Zwar sorgte das ausgedehnte Zeitspiel der Gäste und Verletzungsunterbrechungen für eine zehnminütige Nachspielzeit, doch weiterhin blieb das Anrennen des VfB zu harmlos, um echte Torgefahr zu erzeugen. Fast immer brachten die Schneifeler noch ein Abwehrbein dazwischen, sodass Keeper Dennis Koziol zwar oft 18 bis 20 Spieler in seinem Strafraum hatte, aber nur selten eingreifen musste. Dem blau-weißen Team hätte an diesem Tag wohl auch eine weitere Stunde nicht gereicht, um die Niederlage abzuwenden.
Bei den vielen Ecken und Einwürfen hatten die Gäste zumeist Kopfballhoheit.
Trainer Dirk Spornhauers Fazit: „Das 1:2 war natürlich ein Nackenschlag. Irgendwann mussten wir umstellen und haben Justin Kirschbaum vorgezogen. Das dritte Gegentor war dann nur noch Beiwerk, als Schneifel mehr Räume hatte und kontern konnte. Wir sind heute letztlich an mangelnder Chancenverwertung und in den entscheidenden Szenen an unsauberer Verteidigung gescheitert. Die ganz wichtigen Zweikämpfe haben wir nicht gewonnen. Dafür sind wir bitter bestraft worden.“
Auch in dieser Szene wurde Luca Kirschbaum im letzten Moment gestoppt.
Dennoch wollte der Coach seine Elf nicht verdammen: „Der Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen, auch wenn sie zu viele einfache und ungewohnte Fehler im Spielaufbau gemacht hat, die uns so normal nicht passieren. Sie hat aber alles gegeben, und am Ende war es das erwartete Fifty-Fifty-Spiel, das Schneifel mit seinen starken Spitzen auf seine Seite ziehen konnte. Die beiden sind groß, können die Bälle gut halten und waren heute Nachmittag einfach effektiver, das hat die Sache entschieden. Wir hatten mehr Ballbesitz, aber das nützt nichts, wenn es im Abschluß fehlt.“
Philipp Weber.
Nun folgen die Duelle mit den Aufsteigern, und alle drei kommenden Gegner haben bereits munter gepunktet und sind aktuell mit jeweils sechs Zählern punktgleich mit dem VfB. Vor allen Dingen der kommende Gegner Mosella Schweich, der im Vorjahr die Bezirksliga West dominierte, hat seine Offensivstärke auch in der neuen Umgebung bewiesen und an den ersten fünf Spieltagen schon 14 mal getroffen. Das nächste Heimspiel bestreitet der VfB dann bereits am Mittwoch, dem 18.September gegen die SG Westerburg. Die Westerwälder sollte man nach ihren jüngsten Siegen nicht am klar mit 4:0 vom VfB gewonnenen Vorbereitungsspiel messen.
Hereingabe von Til Cordes.
Die VfB-Aufstellung gegen die SG Schneifel: Lukas Litschel, Paul Christian (80. Mario Weitershagen), Max Krauß, Marius Wagner, Philipp Weber, Dominik Soldo (46. Justin Kirschbaum), Steven Winzenburg (87. Micha Fuchs), Felix Arndt (87. Aimen Aslan), Lukas Becher, Til Cordes, Luca Kirschbaum. Schiedsrichter: Ralf Volk. Zuschauer: 155.
Hoffen wir, dass der VfB bald wieder jubeln kann.
Gute Besserung wünschen wir dem Schneifeler Udo Backes, der sich kurz nach der Halbzeit bei einem eigenen Foulspiel verletzte und anschließend ins Krankenhaus abtransportiert wurde.