Die unmittelbar bevorstehende Saison 2025-26 wird für den VfB Wissen die 40. Spielzeit in der Rheinlandliga sein, rechnet man die Jahre vor 1964 ein, in denen die höchste Spielklasse des Fußballverbands Rheinland noch “1.Amateurliga” hieß und in zwei Staffeln Ost und West spielte. Eine dieser 40 Spielzeiten bestritt höchst erfolgreich die unten abgebildete Mannschaft, und zwar genau vor 40 Jahren.
Die 1.Mannschaft des VfB Wissen in der Rheinlandliga-Saison 1985 / 1986:
Hinten von links Mannschaftskapitän Wolfgang Kohl, Bernd Weigel, Joachim Schnabel, Michael Ferfort, Karl-Heinz Ottersbach, Frank Utsch, Josef Schmidt und die beiden Torhüter Michael Schmidt und Christoph Wagner, Vorne von links Ditmar Stopka, Axel Quast, Wolfgang Weitz, Werner Reinscheid, Marius Piecyk, Roman Piecyk, Bernd Mockenhaupt und Norbert Stopka.
Die beiden Jahre zuvor hatten nach dem Ausscheiden etlicher Routiniers (u.a. Erhard Winterkorn, Wolfgang Brenner, Edgar Stein, Hubert Hoffmann oder Günter Borr) im Zeichen des personellen Umbruchs gestanden.
Abteilungsleiter Rolf Brückner und Trainer Paul Alhäuser (Foto oben) schafften es, diesen Umbruch durch eine clevere Personalpolitik und ein Auge für junge Talente perfekt zu managen. Paul Alhäuser, der zuvor ab 1976 selbst sechs Jahre für den VfB auf dem Platz gestanden hatte, ging 1985 in das vierte seiner fünf Trainerjahre im Dr.Grosse-Siegstadion und legte den Grundstein für die Rheinland-Meisterschaft und den Oberliga-Aufstieg 1988 .
Ein wichtiger Baustein des Erfolgs war die Verpflichtung von Goalgetter Bernd Weigel (oben links im Spiel gegen den SV Leiwen), der den Verein 1982 in Richtung Hamm verlassen hatte und nun über die Zwischenstation Sportfreunde Siegen zum VfB zurückkehrte. Auch der Neuzugang von Michael Schmidt für das Wissener Tor sollte sich für die kommenden Jahre als Glückgriff erweisen und machte die ohnehin sichere blau-weiße Defensive um Werner Reinscheid, Wolfgang Kohl und Axel Quast (im Bild unten rechts beim 1:0-Sieg in Wirges) zum echten Bollwerk.
Schon in der Rückrunde der Vorsaison hatte der VfB als viertbestes Team überzeugt. Nun, in der Runde 1985/86, startete die Mannschaft furios und blieb 15 Spieltage lang ungeschlagen – mit einer Bilanz von 15:7 Toren ! Bis in den April hinein hielt man Tuchfühlung zur Spitze mit TuS Koblenz, dem VfL Oberbieber und dem späteren Meister SV Leiwen, doch dann ging es nach einem schwachen Finale noch bis auf Rang 5 der Abschlußtabelle hinunter. Zwei Jahre später gelang schließlich der Aufstieg in die Oberliga.
Auch die Fans waren zufrieden und zeigten das durch zahlreiches Erscheinen. Konkurrenz durch Live-Fußball in den damaligen drei Programmen gab es fast ausschließlich bei Länderspielen und entsprechend selten. Die ARD-Sportschau bot, aus heutiger Sicht unglaublich, lediglich Auschnitte von drei der neun Wochenend-Partien der Bundesliga. Zudem war der Stellenwert des Amateurfußballs in der öffentlichen Wahrnehmung um ein Vielfaches höher. Immerhin war die Rheinlandliga unterhalb der 1. und 2.Bundesliga und der Oberliga die vierthöchste Spielklasse !
Wer zu den Heimspielen kam, begegnete an den Kassenhäuschen zwei VfB-Legenden: Egon Schmitdt (links, auf einem Foto vom September 1985) und Eugen Anetzmann (rechts) und gehörten wie auch Reinhold Bender und Werner Ferfort an der anderen Tageskasse über Jahrzehnte hinweg zum festen Inventar im Dr.Grosse-Siegstadion.
Auch optisch wurde was geboten, denn die Achtziger waren die Dekade der Föhnfrisur. Frank Utsch, der nach dem Ende der Saison 85/86 zu den Amateuren von Eintracht Frankfurt wechselte, liefert hier den Beweis.
Wer die Saison von 40 Jahren auch mit Zahlen in Erinnerung rufen will, findet unter den Rubriken “Spielerstatistik” und “Historische Tabellen” alle gewünschten Infos.