VfB II scheitert am Schönsteiner Abwehrbollwerk – 1:1-Remis im Ortsderby

Eine Woche nach dem Auftaktsieg gegen den VfB Niederdreisbach blieb die 2.Mannschaft des VfB Wissen auch am 2.Spieltag der Kreisliga A ungeschlagen. Allerdings ist damit auch schon das Beste über das 1:1-Unentschieden beim Lokalrivalen Sportfreunde Schönstein gesagt. Eine stattliche Zuschauerkulisse sah 90 wenig ansprechende Minuten, denn das Derby bot viel Einsatz, viele verbissene Zweikämpfe, aber keine spielerischen Glanzpunkte. Am Ende entsprach das Remis den gezeigten Leistungen, und beide Trainer waren zufrieden.

Pascal Freudenberg.

Auf Wissener Seite fehlten Top-Torjäger Max Ebach und Alex Mildenberger, auch die Hausherren hatten einige Ausfälle zu beklagen. Dass diese personellen Schwächungen für das Niveau der Partie verantwortlich waren, darf man aber bezweifeln. Die Schönsteiner hatten sich im Vorjahr ausschließlich durch eine ausgeprägte Heimstärke auf ihrem kleinen Platz die Klasse gesichert, und das Spiel am Sonntag gab einen Eindruck davon, warum so viele Gegner im Schlossdorf die Punkte liegen ließen.

Philipp Freudenberg gelang der 1:1-Ausgleich.

Die Sportfreunde gingen wenig überraschend mit einer strikten Defensiv-Taktik an den Start. Zumeist versammelten sich 21 Spieler in der Schönsteiner Hälfte und machten die Räume eng. Mit Befreiungsschlägen ins Seitenaus oder langen Bällen in die Spitze konnten sich die Gastgeber immer wieder Luft verschaffen. Vorne lauerte Spielertrainer Marcus Meyer, konnte sich aber zumeist nicht gegen Mario Weitershagen und seine sicher stehenden Abwehrkollegen durchsetzen. Im gesamten ersten Spielabschnitt gab so es nur zwei Sportfreunde-Torschüsse auf den Kasten des weitgehend beschäftigungslosen Mel Brucherseifer.

Jasper Müller und Lukas Deger (rechts).

Auf der anderen Seite entstand aber auch trotz 80% Ballbesitz nur selten Torgefahr. Fehlpässe und Stockfehler prägten bei allem Bemühen um spielerische Linie zu oft das Wissener Spiel. Der Ball war oft in der Luft oder im Aus, und so waren Einwürfe und Torabstöße die Standardsituation dieses Spiels. Apropos: Wenn wieder mal ein VfB-Angriff über oder neben dem Tor gelandet war, wiederholte sich mit immer gleichem Ritus eine interessante Szene. Sportfreunde-Akteur Mika Winter verließ den Strafraum, wartete, bis der Ball am Fünfmeterraum bereit lag, und trottete dann langsam zurück, um den Torabstoß auszuführen.

Kein Durchkommen für Maik Schnell.

Der sichere Aushilfskeeper Kevin Brenner, der den noch gesperrten Niklas Winter vertrat, musste bis zur Halbzeit nur ein einziges Mal wirklich eingreifen, als er einen Schuß von Philipp Freudenberg mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Die zahlreichen Wissener Ecken und Freistöße verpufften an diesem Tag ohne allzuviel Wirkung, auch ein indirekter Freistoß von Philipp Freudenberg aus zehn Metern unmittelbar vor der Pause wurde von der Mauer abgeblockt. So ging es torlos in die Pause, und man konnte nicht behaupten, dass ein Treffer in der Luft gelegen hätte.

Felix Beib auf dem Weg nach vorn.

Das 1:0 gelang dann kurz nach Wiederanpfiff den Sportfreunden, nachdem zuvor Mel Bruchseifer einen Schuß von Marcus Meyer stark pariert hatte. Meyer brachte auch die anschließende Ecke von rechts scharf vor das Tor, wo Mika Winter aus kurzer Distanz mit dem Kopf zur Schönsteiner Führung (52.) traf. Der VfB konnte froh sein, dass schon fünf Minuten später der Ausgleich gelang. Maik Schnell ließ einen Querpass von Julian Happ für Philipp Freudenberg durch, der sich freistehend aus zehn Metern die Ecke aussuchen konnte und so das 1:1 (57.) perfekt machte.

Flanke von Marius Wagner.

Nach dem Ausgleich ging der Einbahnstraßenfußball weiter, doch weiterhin waren die Wissener Bemühungen wenig zwingend. Maik Schnell in der Spitze, öfter unbrauchbar hoch oder halbhoch angespielt, tat sich gegen die robusten Mika Winter und später Jakub Kordovsky schwer. Das Flügelspiel krankte daran, dass der Platz in Schönstein keine Flügel hat. Trotzdem hielt der VfB den Druck hoch und zeigte in der Schussphase auch einige gute Angriffe, doch der letzte Pass scheiterte oft. Mehrfach wurde es noch turbulent im rappelvollen Schönsteiner Strafraum, auch in Halbzeit Zwei gab es wieder viele wirkungslose Eckbälle, doch ein Treffer fiel nicht mehr.

Viele Ecken, kein Ertrag.

Die erste und einzige hitzige Szene in einem ansonsten fairen Lokalkampf gab es dann in der Nachspielzeit, was am freundschaftlichen Austausch der Teams nach Abpfiff aber nichts änderte. Die Schönsteiner bejubelten den Abpfiff wie die Meisterschaft, und mit dem am Sonntag gezeigten Einsatz ist auch in dieser Saison der angestrebte Klassenerhalt drin. Den Punktgewinn hatten sie sich mit einem leidenschaftlichen Auftritt und kompromissloser Defensivarbeit redlich verdient. Der VfB II blieb wie viele andere Mannschaften zuvor den Beweis schuldig, dass auf diesem Platz ein ansehnliches Fußballspiel möglich ist. Dennoch ist das Remis in dieser wie erwartet schwierigen Begegnung kein Beinbruch.

Kopfball durch Simon Ebach.

Am kommenden Sonntag (25.August) steht für die Mannschaft von Spielertrainer Emre Bayram wieder ein Heimspiel auf dem Programm, wenn die SG Rennerod ins Dr.Grosse-Siegstadion kommt, die bisher je einmal als Sieger und Verlierer den Platz verließ. Mit den bisher erreichten vier Punkten kann das VfB-Team als Aufsteiger sicher zufrieden sein, auch wenn die Partie in Schönstein eher nicht zu den Highlights zählte und man für einen Derbysieg auf das Rückspiel hoffen sollte.

Die VfB-Aufstellung in Schönstein: Mel Brucherseifer, Simon Ebach, Mario Weitershagen, André Schneider (76. Tom Louis Siegel), Marius Wagner, Felix Beib (46. Julian Happ), Lukas Deger, Jasper Müller (64. Sebastian Girresser), Pascal Freudenberg (60. Melvin Seifer), Philipp Freudenberg (84. Emre Bayram), Maik Schnell. Schiedsrichter: Latif Rexhaj.

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