Der erste Wissener Sportplatz, den der VfB seit seiner Gründung nutzte, befand sich auf dem Hämmerberg an der damaligen Hamannschen Ziegelei, schräg gegenüber des heutigen Petz Einkaufszentrums. Als das Gelände anderweitig gebraucht wurde, wechselte man 1922 ins Frankenthal auf eine ehemalige Viehweide gegenüber des Schönsteiner Schlosses. Dieses Gelände am Siegufer (ungefähr dort, wo heute die Firma Kleusberg ihre Hallen hat) wurde planiert und war dann für über 30 Jahre die sportliche Heimat unseres Vereins. Das Bild unten aus dem Jahr 1947 zeigt, dass die „Frankenthal-Kampfbahn“ zwar immer gut besucht, aber nicht unbedingt ein Rasenteppich war.
Vorbildliche Netzbefestigung in der Frankenthal-Kampfbahn.
Auch die regelmäßigen Überschwemmungen waren ein Grund, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. So war der Verein froh, als sich im Herbst 1950 die Gelegenheit zum Kauf eines 4,2 Hektar grossen Geländes aus dem Besitz des Hauses Hatzfeldt-Wildenburg ergab. Das weitläufige, weitgehend unbewaldete Areal am Alserberg schien trotz seiner sanften Hanglage für ein Sportstadion besser geeignet als alle anderen ins Auge gefassten Alternativen. Zudem wurde im Zuge des Siedlungsbaus auch die bis dahin vor allem aus Feldwegen bestehende Verkehrsanbindung des Alserbergs verbessert. Als wichtigstes Argument zählte aber der Kaufpreis, denn er war mit 11.340 DM selbst für damalige Verhältnisse sehr günstig.
Wo heute das Stadion steht, war 1950 – nix.
Zudem kam dem Verein das beginnende deutsche „Wirtschaftswunder“ zu Hilfe, das die aufstrebende heimische Industrie in die Lage versetzte, großzügige Unterstützung zu leisten. Die Werksleitung des Weißblechwerkes Wissen mit Generaldirektor a.D. Dr. Karl Grosse griff gleich zu Beginn des Projektes mit einer Spende ein. Das Walzwerk stand auf dem Höhepunkt seiner Ertragskraft, hatte Ende 1950 über 2.300 Beschäftigte und war somit auch Arbeitgeber der Mehrzahl der VfB-Mitglieder, die sich, soweit möglich, mit einer Umlage in Höhe von 30 DM pro Person am Kaufpreis beteiligten.
Nach den ersten Erdarbeiten trat 1952 eine längere Pause ein. Nur beim Bau der Siedlungshäuser in der künftigen Stadionstrasse ging es schnell voran.
Weitere namhafte Spenden von privater Seite gingen ein, so daß am 6. September 1950 der Kaufvertrag von Gräfin Ursula v. Hatzfeldt-Wildenburg und dem VfB-Vorsitzenden Dr. Bonnertz unterzeichnet werden konnte. Angesichts der Ausmaße des Geländes und des Umfangs der auszuführenden Arbeiten schien es illusorisch, die nun anstehenden Bauarbeiten komplett in Eigenleistung erbringen zu können. Allerdings gab es damals noch solide öffentliche Haushalte und als Ergebnis ansehnliche Zuschüsse für den Sportstättenbau. Nach den Plänen des Architekten Emil Hörster beliefen sich die Kosten für den ersten Bauabschnitt auf rund 80.000 DM. Im Herbst 1950 einigte man sich nach einigen Ortsterminen auf die Vorgehensweise. 20.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden, um dem abschüssigen und teilweise felsigen Gelände die erforderliche Form für das Stadion zu geben.
Drainagearbeiten – allmählich wird die Lage des Spielfeldes erkennbar.
Die Arbeiten wurden schließlich Mitte Januar 1951 in Angriff genommen. Der anfängliche Optimismus erwies sich allerdings als voreilig, denn ganz so schnell und reibungslos wie erhofft lief das Projekt Stadionbau dann doch nicht ab. Das Jahr 1951 war weniger von Feierlichkeiten als vielmehr von Problemen gekennzeichnet. Das einzige Baugerät, eine leichte und nicht mehr ganz neue Planierraupe, war den Anforderungen durch die Bodenverhältnisse und die Mengen des zu räumenden Materials nicht annähernd gewachsen. Die Maschine gab schon nach einigen Wochen erstmals den Geist auf, ohne dass die vielen neugierigen Besucher des Baugeländes außer mehreren Streifen verschobenen Mutterbodens bis dahin allzu viele Ergebnisse gesehen hätten.
Jung und alt beim Arbeitseinsatz vor 70 Jahren.
So gerieten die optimistisch begonnenen Erdarbeiten bald ins Stocken und kamen im Laufe des Herbstes 1951 ganz zum Erliegen. Über ein Jahr ging ins Land, und die Vollendung des Projektes schien Anfang 1953 in weite Ferne gerückt zu sein. Bewegung in die verfahrene Situation kam erst, als Dr.Karl Grosse, zu diesem Zeitpunkt immerhin schon über 80 Jahre alt, erneut die Initiative ergriff, deren Ergebnis die Wiederaufnahme der Arbeiten im Spätherbst 1953 war. Hierfür stand nicht nur eine neue Planierraupe, sondern auch eine Spende der Hüttenwerke Siegerland in Höhe von 12.000 DM zur Verfügung.
Im strengen Winter 1954/55 entstand in der Stadionbaustelle eine provisorische Eislaufbahn.
Die Gemeinde Wissen stellte ebenfalls auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses einen Zuschuss von 12.000 DM unter der Bedingung bereit, dass auch der VfB durch freiwillige Spenden seiner damals rund 700 Mitglieder den gleichen Betrag aufbringen sollte. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschloss einstimmig, eine weitere Umlage von 50 DM pro erwachsenem Mitglied zu erheben. Die Einmütigkeit der Bemühungen scheint bestanden zu haben, denn bei bei der nächsten Jahreshauptversammlung konnte der Vorstand vermelden, dass von nicht weniger als 95% der Mitglieder Zahlungen eingegangen waren und viele bereits den kompletten Obulus entrichtet hatten.
Der Bau der bis heute gern genutzten Sitzplatz-Tribüne.
Und wieder half die Industrie: Betriebsleiter Stein von der “Alten Hütte” in Wissen erreichte bei der Erzbergbau Siegerland AG die kostenlose Überlassung von Schotter und Steinen. Willi Böke fuhr mit seinem LKW in Tag- und Nachteinsatz Tonne um Tonne des wichtigen Drainagematerials. Heimische Betriebe stellten wiederholt Materialspenden und kostenlose Arbeitskräfte zur Verfügung. Regelmäßig kamen auch die Mitglieder zum freiwilligen Arbeitseinsatz ins neue Stadion, dessen küftige Form nun schon gut zu erkennen war. Mit zunehmenden Baufortschritt nahm der Elan ständig zu, und ab Frühjahr 1954 traf sich ein immer größer werdender Kreis jeden Abend sowie samstags ab 15 Uhr zur gemeinsamen Arbeit am Stadion.
Nach Fertigstellung der Tribüne galten die letzten Arbeiten der Aschenbahn (unten).
Die restlichen Arbeiten wurden schließlich einer Baufirma übertragen, nachdem der völlig verregnete Sommer 1954 trotz deutlicher Baufortschritte die erhoffte Fertigstellung des Stadions nicht zugelassen hatte. Trotzdem war die Stimmung in der überfüllten Mitgliederversammlung am 14.November 1954 fast schon euphorisch. Der harte Winter (den gab es damals noch) sorgte zwar noch einmal für Verzögerungen. Bis auf 1.000 cbm waren die Erdbewegungen aber abgeschlossen. Die Befestigung und Bepflanzung der Spielfeld und Laufbahn umgebenden Wälle ging voran und auch von der geforderten Mitglieder-Umlage waren bereits über 7.000 DM aufgebracht.
Es ist vollbracht ! Das Dr.Grosse-Siegstadion nach seiner Fertigstellung.
Im Frühjahr und Sommer 1955 kamen dann als letzte Baumaßnahmen die Tribüne, die beiden Kassenhäuschen und diverse Betonarbeiten hinzu. Die rund 450 Personen fassende, 36 Meter lange Tribüne konnte auf Grund zahlreicher Spenden ohne jegliche Materialkosten errichtet werden. Die Stufen der Stehränge wurden mit hellem Kies eingedeckt. Schließlich konnten die Arbeiten im Sommer 1955 abgeschlossen werden. Der Wert der gut 40.000 Quadratmeter umfassenden Anlage wurde mit 240.000 DM angegeben. Die feierliche Einweihung des Stadions fand unter Anwesenheit des Namensgebers Dr. Karl Grosse am 7.August 1955 mit einem Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen statt, zu dem fast 10.000 Zuschauer gekommen waren – aber das ist eine eigene Geschichte.
Einlauf der Mannschaften beim Eröffnungsspiel am 7.August 1955.