Seit Jahren schauen die VfB-Fußballer bei ihren Auswärtsspielen neidisch auf die Sportanlagen in anderen Gemeinden – und das unabhängig von der Klassenzugehörigkeit des Gegners. Über 450 Kunstrasenplätze gibt es in den rund 130 Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz. Fast jeder Verein verfügt inzwischen über ein solches Spielfeld, bei Spielgemeinschaften meist sogar über mehrere. In der Rheinlandliga tragen ausnahmslos alle Clubs ihre Heimspiele ausschließlich auf Natur- oder Kunstrasen aus. Nur in Wissen wird zwischen Oktober und März noch auf Asche gespielt und trainiert. Die Drainage sorgt fast 40 Jahre nach der Generalsanierung bei stärkerem Regen für Schlammschlachten wie bei der jüngsten Partie gegen Mülheim-Kärlich.
Den Leichtathleten geht es mit der Aschenbahn im Stadion ähnlich, die praktisch nicht mehr benutzbar ist und regelmäßig unter Wasser steht (siehe Foto unten). Für offizielle Wettkämpfe ist die Anlage schon länger nicht mehr zugelassen, was der großen VfB-Leichtathletikabteilung eine wichtige Einnahmequelle nimmt. Auch für das Training weichen die Leichtathleten oft auf die Sportstätten benachbarter Gemeinden aus. Beim Sportunterricht der örtlichen Schulen ist das natürlich keine Option, und selbst Abiturleistungen im Sport müssen trotz der leistungsminderden Bedingungen vor Ort erbracht werden.
Das hat dem VfB nicht erst in der jüngsten Vergangenheit massive Standortnachteile gebracht und aktive Mitglieder gekostet. Das gilt sowohl bei den Leichtathleten, den Seniorenfußballern als auch insbesondere im Jugendbereich, zumal viele Vereine in ihren Orten attraktivere Sportanlagen bieten können. Wissen ist die einzige Verbandsgemeinde im Kreis Altenkirchen und eine von zweien in ganz Rheinland-Pfalz ohne Kunstrasenspielfeld. Die letzte größere Sanierung der Zentralen Sportanlage erfolgte vor dem Regionalliga-Aufstieg der Fußballer im Jahr 1994.
Schon vor über zehn Jahren begannen deshalb die Bemühungen des VfB Wissen, des Kopernikus-Gymnasiums und der Marion-Dönhoff Realschule plus um ein Kunstrasenspielfeld und eine Tartanbahn. Oft hörten die Vorstandsmitglieder den Vorwurf: „Jedes Dorf kriegt das hin – warum nicht ihr ?“. Deshalb sollen die vielen Stationen bis zum nun absehbaren Happy End noch einmal chronologisch dargestellt werden. Motto: Das Beste kommt zum Schluss.
- 28.Februar 2015: Gemeinsam stellen der VfB Wissen, das Kopernikus Gymnasium und die Realschule Plus den Antrag auf Umwandlung des Hartplatzes in ein Kunstrasenspielfeld und der Laufbahn in eine Tartanoberfläche beim Träger der Zentralen Sportanlage, der Verbandsgemeinde Wissen.
- 2015 bis 2019: Keinerlei Fortschritt, keine Teilnahme an den zwischenzeitlich verfügbaren Förderprogrammen auf Bundesebene, angespannte Haushaltslage und hohe Verschuldung der Kommune.
- 2020: Das Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in Trier wird von der VG Wissen beauftragt, einen Sportstättenentwicklungsplan für die VG zu erstellen. Nach Gesprächen mit den Schulen und Vereinen stellt die ISG fest, dass sämtliche Voraussetzungen für den Antrag gegeben sind.
- Mai 2024: Der Sportausschuss des Landkreises Altenkirchen setzt im Mai 2024 das Vorhaben auf Platz 1 der Prioritätenliste des Kreises für das Jahr 2025.
- August 2024: Die Verbandsgemeinde vergibt die Planungsleistungen für das Projekt an ein Fachbüro in Königsstein. Vermessungsarbeiten und ein geologisches Gutachten für in Summe 43.500 Euro werden durchgeführt.
- Oktober 2025: VG- und Stadtbürgermeister Berno Neuhoff und Mitarbeiter der Verwaltung stellen dem Vorstand des VfB und den Vertretern der beiden Schulen die Pläne detailliert vor und erläutert das weitere Vorgehen.
- November 2024: Nach Vorlage der Pläne wird über die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier beim Land Rheinland-Pfalz ein Zuschussantrag für die Umsetzung des Vorhabens gestellt.
- Dezember 2025: Der Landesförderbescheid in Höhe von 918.000 Euro, der das Vorhaben erst realisierbar macht, geht bei der VG-Verwaltung Wissen ein.
- 17.Dezember 2025: In seiner letzten Sitzung des Jahres wird der VG-Rat über den aktuellen Stand informiert und beschließt einstimmig den Haushaltsplan des Jahres 2026. Dieser beinhaltet eine Investition von über 2 Millionen Euro für den Umbau der Zentralen Sportanlage. Neben den genannten Umbaumaßnahmen beinhaltet der Plan auch die Erneuerung der beiden 1993/94 erstellten, inzwischen stark beschädigten und oft überschwemmten Leichtathletiksegmente im Halbkreis hinter den Toren (Bild unten / © Foto: Kreisverwaltung AK). Neben dem Landeszuschuss wird das Projekt mit einem Kreiszuschuss gefördert. Ein Ratsmitglied kommentierte die guten Nachrichten in der Sitzung so: „Endlich ist das Projekt nicht mehr auf Sand, sondern auf Kunstrasen gebaut!“
Der VfB Wissen hat schon in den vergangenen Jahren aus Eigenmitteln eine mittlere fünfstellige Summe im Stadion investiert. Zur Finanzierung der nun anstehenden Maßnahmen hat der Verein schon vor längerer Zeit eine Eigenbeteiligung in Form von Barmitteln und Eigenleistungen in Höhe von 200.000 Euro zugesagt. Der VG-Rat bekundete in dieser Sitzung mit Beifall unser zugesagtes und formell bestätigtes Engagement.
Was kommt jetzt ? Der Haushaltsplan der Verbandsgemeinde Wissen muss nun noch von den übergeordneten Aufsichtsgremien genehmigt werden. Wir sind deshalb sehr optimistisch, dass das Projekt 2026 in die Umsetzung startet. Ein großer Dank gilt schon jetzt allen im Verein, in der Verwaltung und in der Politik, die bislang durch ihren Einsatz und ihre Hartnäckigkeit zu den bevorstehenden Maßnahmen im Dr.Grosse-Siegstadion beigetragen haben. 