Im Profibereich und auch in allen Amateurklassen müssen sich die Schiedsrichter wie die Aktiven ab sofort auf eine wichtige Änderung einstellen. Die seit 1. Juli 2025 gültige Torwartregel besagt, dass ein Torhüter den Ball maximal acht Sekunden in der Hand halten darf, bevor er ihn freigeben muss. Bei Überschreitung der Zeit wird statt wie bisher eines indirekten Freistoßes ein Eckball für die gegnerische Mannschaft verhängt. Die Schiedsrichter sollen die letzten fünf Sekunden der erlaubten Zeit durch einen sichtbaren Countdown mit den Fingern anzeigen. Hintergrund der Regeländerung: Sie soll das Zeitspiel im Torwartspiel reduzieren und das Spiel schneller machen. Bisherige Regelungen sahen eine Höchstzeit von sechs Sekunden vor, deren Überschreitung jedoch meist nicht konsequent geahndet wurde, was regelmäßig vor allem gegen Spielende zu ausufernden Spielverzögerungen sorgte.
Tylor Knopp, Lukas Litschel, Marvin Scherreiks, Dennis Schumacher, Mel Brucherseifer und Torwarttrainer Sascha Kill.
Eine erhoffte Auswirkung der neuen Bestimmung auf das Spiel der Torhüter ist, dass schneller Entscheidungen getroffen und den Ball freigeben werden muss. Mannschaften müssen sich darauf einstellen, rascher in den Spielaufbau zu kommen, wenn der Torwart den Ball abspielt oder gegen Ende des Countdowns auf dem Boden ablegt. Die neue Regel könnte zu mehr Anlaufen des Torwarts durch die Angreifer, zu mehr dynamischen Spielsituationen und damit Torchancen führen, da das Spiel beschleunigt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die neue Regel ähnlich wie bei Einführung der Rückpassregel Anfang der 90er Jahre zunächst für manche Diskussion auf dem Platz führen wird, bevor sich alle Beteiligten darauf eingestellt haben. Trotzdem dürfte die Änderung letztlich für mehr Klarheit und Konsequenz sorgen und allen eine klare Orientierung bieten.
Auch bei der kuriosesten Szene der ganzen letzten VfB-Saison stand das Zeitspiel eines Keepers im Mittelpunkt, allerdings hätte es in diesem Fall die neue Regel gar nicht gebraucht: Im Aufstiegsrundenspiel der 2.Mannschaft beim TuS Niederahr war der TuS-Keeper (im Foto oben gegen Maik Schnell) auf dem besten Weg, mit seinen Paraden zum Held des Tages zu werden. Er leistete sich aber in der Nachspielzeit einen kompletten Aussetzer: Mit dem Ball in der Hand, und ohne dass das Spiel unterbrochen worden wäre, ließ er sich acht Meter vor dem Tor von einem Verteidiger seelenruhig und sehr zeitintensiv die Schuhe binden. Ergebnis war regelkonform ein indirekter Freistoß für den VfB II, den Micha Fuchs zum späten Ausgleich ins linke Toreck jagte. Mit der neuen Regel hätte es nur einen Eckball gegeben, den aber wohl deutlich schneller als in Niederahr, wo der Referee erst nach über 20 Sekunden die Geduld verlor.