Wie der VfB Wissen einmal nach Polen fuhr – und fast nicht mehr zurück kam

Seit Mai 2000 besteht die Städtpartnerschaft zwischen Wissen und dem polnischen Krapkowice. In der oberschlesischen Stadt mit 18.000 Einwohnern, die bis 1945 Krappitz hieß, gibt es auch einen Fußballverein, die KS Unia Krapkowice. Was lag also näher, dass sich auch der VfB Wissen mit einem Besuch an der Oder an der Partnerschaft beteiligt.    Am 23.Juli 2002 brach eine gut 30-köpfige Reisegruppe mit dem Bus nach Schlesien auf. Apropos Bus: Das Gefährt sollte eine besondere Rolle spielen und dafür sorgen, dass der Trip allen Beteiligten bis heute in Erinnerung geblieben ist. Auf dem Weg nach Osten ging es zunächst nach Dresden, dem Geburtsort des damaligen VfB-Vorsitzenden Rolf Vogtländer.Zwischenstopp in Dresden: Oben Vorstandsmitglied Willi Klein (links) und der 1.Vorsitzende Rolf Vogtländer.Rolf, der von 1998 bis 2009 über zehn Jahre lang an der Spitze des Vereins gestanden hatte und 2018 verstarb, nutzte die Gelegenheit, der blau-weißen Reisegesellschaft die Schönheiten seiner Heimatstadt zu zeigen. Danach ging es über Görlitz zum Zielort, wo die Offiziellen der KS Unia dem VfB einen freundlichen Empfang bereiteten.Der Marktplatz von Krapkowice.

Die Wissener waren im vereinseigenen Sporthotel direkt am Stadion untergebracht, und die Gastgeber hatten neben dem geplanten fußballerischen Vergleich für ein interessantes Programm gesorgt. So gingen Ausflügr ins sehenswerte Oppeln, in das Oberschlesische Freilichtmuseum und auch zum Wallfahrtsort St.Annaberg. Und dort begannen die Probleme.

Die Sportanlage des KS Unia Krapkowice.Am Reisebus brach ein Radbolzen, der die Weiterfahrt unmöglich machte. Zwar ging es mit einem polnischen Ersatzbus zurück zur Unterkunft, für die Heimkehr nach Deutschland aber war die Reperatur des eigenen Busses notwendig. Und die sollte sich als schwierig erweisen, denn das benötigte Ersatzteil war bis zum bevorstehenden Wochenende kurzfristig nicht zu beschaffen.Es gibt nicht nur Problembären, sondern auch Problembusse.

Das sportliche Duell mit den Hausherren am Freitagabend wurde mit 2:1 gewonnen, die für Sonntag geplante Rückreise fiel ins Wasser. Das große Problem war, dass der VfB am Dienstag im Rheinlandpokal bei den Sportfreunden Schönstein anzutreten hatte und der Lokalrivale anders als der Fußballverband nicht zu einer Verlegung der Partie auf Mittwoch bereit war.

Auf dem Stadtturm in Krapkowice: Links Burkhard Sohlbach, rechts Stadionwirt Marion Jonaitis – beide inzwischen verstorben. 

Während sich die 2.Mannschaft (damals Kreisliga B) in Wissen darauf vorbereitete, die Erste im Pokalderby zu vertreten, lief in Krapkowice der Countdown für die Busreparatur. Am Montagabend war das Fahrzeug wieder einsatzbereit, und am späten Abend ging es los in Richtung Heimat, die dann am Dienstagmittag gegen 12 Uhr erreicht war.VfB-Kapitän Michael Ferfort (damals gerade 40 Jahre alt geworden) vor dem Anstoß des Spiels gegen KS Unia.

Man kann sich vorstellen, dass das VfB-Team abends um 19:30 Uhr zwar müde, aber auch mit durchaus motivationsfördernder Wut im Bauch in Schönstein antrat. Am Ende des einseitigen Lokalkampfs stand ein völlig ungefährdeter 4:0-Sieg, zu dem Maik Rumpel einen Hattrick und Denis Sert den Treffer zum Endstand beitrug.Am Ende stand es 2:1 für den VfB. Die Wissener Aufstellung am 30.Juli 2002 in Schönstein: Sascha Kill, Kevin Leicher), Michael Ferfort (88. Dirk Trzenski), Gereon Detmer, Michael Herzog, Heiko Bedranowsky, Bernd Krauß (75. Mario Petzold, Guido Schmidt, Marco Fischbach, Maik Rumpel (84. Sascha Koschinski) und Dennis Sert. Trainer: Wolfgang Leidig.

Der damalige Bericht aus der “Rhein-Zeitung”.