Mit 1:4 unterlag der VfB Wissen am Mittwochabend im Achtelfinale des Rheinlandpokals der TuS Koblenz. Dabei war die Partie im mit 910 Zuschauern wie erwartet gut gefüllten Dr.Grosse-Siegstadion bereits vor der Pause entschieden, weil der VfB sich nach bärenstarkem Beginn innerhalb von nur 12 Minuten drei Gegentore fing. Trotz des klaren Rückstandes verkaufte sich die Mannschaft von Trainer Dirk Hannappel gegen den hohen Favoriten gut.
Den ersten Sprint des Spiels legten die Einlaufkinder hin.
Die erste Überraschung gab es bereits vor dem Anpfiff, denn der Koblenzer Kapitän von der Bracke durfte trotz der am Wochenende im Oberliga-Spiel gegen Cosmos kassierten Roten Karte mitwirken. Erkenntnis Nr.1: Die Wege der Sportgerichtsbarkeit erschließen sich manchmal nur den Eingeweihten. Auf Wissener Seite waren die angeschlagenen Spieler bis auf Jakov Jancek dabei. Der Kroate nahm zunächst auf der Bank Platz.
Fast 1.000 Zuschauer, darunter ein stattlicher Anhang der Gäste, bildeten einen stimmungsvollen Rahmen für das Pokalspiel.
In den ersten Minuten war der 2-Klassen-Unterschied nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die Anfangsphase gehörte dem VfB, der auch drei gute Chancen zur frühen Führung hatte. Die größte davon bot sich Leandro Fünfsinn, der mit einer Hereingabe von Til Cordes bedient wurde, den schwer zu verarbeitenden Ball im vollen Lauf aber nicht ins Tor, sondern aus kurzer Distanz über den verwaisten Kasten setzte.
So fiel das 0:1: Lukas Litschel und Jerome Neuhoff können dem Ball nur noch hinterherschauen.
Gästetrainer Michael Stahl hatte diese Phase des Spiels so gesehen: „Es war am Anfang so, wie wir es erwartet haben. Wissen wollte direkt einen Wirkungstreffer erzielen, um die Stimmung im Stadion anzuheizen. Es war wichtig, dass wir dagegen gehalten und auch die eine oder andere Standardsituation überstanden haben. Es war ein mutiger Ansatz von Wissen, dass sie uns hoch anlaufen und mitspielen. Aber uns hat es Räume gegeben, die wir gottseidank auch genutzt haben.“
Steven Winzenburg (oben links, Nr.14) war auch gegen den klassenhöheren Gegner eine Bank.
Erkenntnis Nr.2: Die Grat zwischen „mutig“ und „riskant“ ist ausgesprochen schmal, zumal gegen einen Gegner aus der Oberliga, der seine Offensivqualitäten ab der 20. Minute demonstrierte. Eine erste TuS-Chance konnte Keeper Lukas Litschel mit einer Doppelparade (22.) noch vereiteln, doch beim Doppelschlag durch Igor Blagojevic (24.) und Nazif Tchadjei (26.) war er machtlos. Bei beiden Treffern fing sich der hoch stehende VfB nach eigenen Ballverlusten schnelle Konter ein.
Jannik Krämer und Lukas Litschel klären mit vereinten Kräften.
Die Treffer zeigten auf Wissener Seite Wirkung, und mit dem 0:3 (36.) durch einen von Igor Blagojevic verwandelten Foulelfmeter konnten die zahlreich mitgereisten TuS-Fans alle Zweifel am Weiterkommen endgültig streichen. Aber auch danach, und das ist dem VfB-Team hoch anzurechnen, war die Begegnung alles andere als ein Spiel auf ein Tor. Die zweite Halbzeit bot weiterhin eine schnelle und abwechslungsreiche Partie, in der die Koblenzer zwar ein Chancenplus hatten, die Wissener Offensive sich aber weiterhin immer wieder in Szene setzen konnte.
Felix Arndt im Laufduell, im Hintergrund links Philipp Weber.
Beide Teams trafen bis zum Abpfiff noch je einmal: Dem 0:4 durch Luka Hirninger (75.) ließ Ertugrul Tysuz fast postwendend mit einem Flachschuss aus gut 20 Metern zum 1:4 (77.) den verdienten Anschlusstreffer folgen. Der läuferische Einsatz des VfB-Teams blieb bis zum Abpfiff hoch, und man kann hoffen, dass der Kräfteverschleiß auf dem tiefen Boden bis zum Bezirksliga-Spitzenspiel am kommenden Sonntag in Montabaur kompensiert werden kann.
Flutlicht-Romantik: Jerome Neuhoff.
Das Fazit von TuS-Coach Michael Stahl: „Einstellung und Laufbereitschaft haben bei uns gestimmt. Ich denke, unser Sieg ist heute nicht in Gefahr geraten, auch wenn wir sauberer im Abschluss hätten sein können und mehr Tore hätten schießen müssen. Trotzdem Kompliment an den Gegner, der eine gute Mannschaft hat und gute Ansätze gezeigt hat. Gegen uns als Bezirksligist so mutig aufzutreten, finde ich sehr sehr respektabel.“ Erkenntnis Nr.3: Da hat er recht.
Steven Winzenburg und Lukas Becher bei der Abwehrarbeit.
VfB-Trainer Dirk Hannappel zum Spiel: „Glückwunsch an die TuS zum verdienten Sieg. Wir haben das 20 Minuten lang richtig gut gemacht und hatten auch gute Chancen, aber 20 Minuten sind nicht genug. Nach dem Gegentor, das aus eigenem Ballbesitz entstand, sind leider für eine kurze Phase alle Köpfe nach unten gegangen. Die Spannung war dann zeitweise ein bisschen raus und der Gegner, der für den Amateurbereich vorne einfach überragend besetzt ist, nutzt das für Tore aus.“
Lukas Litschel klärt, Julian Wienold (Mitte) muß nicht eingreifen.
„Das Ziel für die zweite Halbzeit war, das Spiel ausgeglichen zu gestalten, und das haben die Kerle inklusive der eingewechselten Spieler auch wirklich gut gemacht. Wichtig war, dass keine weiteren Verletzten dazu gekommen sind und für Sonntag der gleiche Kader zur Verfügung steht. Jetzt denken wir zwei Tage nicht an Fußball und dann geht es Schlag für Schlag weiter – und genauso wollten wir das haben.“ Erkenntnis Nr.4: Pokal ist vorbei, jetzt gilt aller Fokus nur noch dem großen Ziel Wiederaufstieg.
Jerome Neuhoff im Zweikampf: Der 18-jährige Verteidiger überzeugte auch gegen Koblenz.
Die VfB-Aufstellung gegen Koblenz: Lukas Litschel, Steven Winzenburg, Philipp Weber (81. Luca Lutz), Jerome Neuhoff (72. Mustafa Tuysuz), Julian Wienold (81. Paul Christian), Lukas Becher, Jannick Krämer. Ertugul Tuysuz, Felix Arndt (81. Tom Pirsljin), Til Cordes, Leandro Fünfsinn (46. Jakov Jancek).
Schiedsrichter: Athanasios Fasulas (Ahrbrück). Zuschauer: 900. Tore: 1:0 Igor Blagojevic (24.), 0:2 Nazif Tchadjei (26.), 0:3 Blagojevic (36.), 0:4 Luka Hirninger (75.), 1:4 Ertugrul Tysuz (77.).
Jannik Krämer (links) und Lukas Becher beim Kopfballduell.
